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Donnerstag, 10 Dezember 2015 15:28

Theodorakis, Koutoulas und die recyclete Medea

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Ein Theodorakis-Abend im Max-Planck-Gymnasium

Es gibt diese Kulturveranstaltungen, die zunächst unprätentiös daherkommen und ihr Publikum dann nach allerlei Überraschungen mit einem angenehm nachdenklichen Gefühl in den Abend entlassen. In der Aula des Max Planck Gymnasiums fand am Montagabend eine solche Veranstaltung statt.

Hinter der unscheinbaren und wenig pompösen Ankündigung eines Mikis Theodorakis-Abends verbarg sich am Ende ein ganzer Themenabend zur Griechenland-Krise – gestaltet von und mit Schülern mehrerer Jahrgangsstufen, zwei fulminanten Beiträgen des Göttinger Kammerorchesters und einer Filmaufführung mit internationalen Gästen.

Martin Biastoch, der stellvertretend für die „Fachgruppe Latein und Griechisch“ des Max Planck Gymnasiums den Abend ausrichtet, hat für diesen Abend den griechischen Regisseur Asteris Koutoulas eingeladen, der seinen 2013 entstandenen Film „Recycling Medea“ einleitet und später für Fragen bereit steht.

Der Mikis Theodorakis des Abends ist also nicht, wie man vielleicht hätte vermuten können, der leichte, melancholische Filmmusiker, sondern der schwere, politische, geschundene. Der, der als schillernde Symbolfigur der griechischen Linken in Koutoulas-Film über sich selbst sagt: „Wenn ich heute jung wäre, würden sie mich auch einen Terroristen nennen“- ein Satz, der in Anbetracht der aktuellen politischen Situation noch einmal deutlich an Brisanz gewinnt.

So formuliert Franziska Niedersadt (Jg.12) in ihrem Referat über den Universalkünstler dann auch, dass sie von jemandem erzählen will, der „vieles erdulden und erleiden musste“. Passend dazu spielt das Göttinger Kammerorchester Theodorakis' Petite Suite, ein frühes Streichquartett, dass Theodorakis 1926 komponierte, und dass dem Abend zunächst einen sehr nachdenklichen Anstrich verleiht. Es folgen fantastisch ausgearbeitete Referate über den antiken Medea Mythos (Viviana Schwiedernoch, Fabian Bennati Weis, 9. Klasse) und die aktuelle Krisensituation Griechenlands (Melina Scherf, 10. Klasse), die sicher auch manchen Unidozenten sehr erfreuen würden.

Bevor Koutoulas, der von den etwa 150 Zuschauern des Abends begeistert empfangen wird, von seinem Verhältnis zu Theodorakis und der Geschichte seines Filmprojektes erzählt, spielt noch einmal das Kammerorchester: Streichquartett c-moll von Anton Bruckner, einem „wenn man so will Zeitgenossen Theodorakis'“, so Martin Biastoch.

Es wird still im Publikum, als Asteris Koutoulas beeindruckender Film auf die Leinwand geworfen wird.„[E]ine bildgewaltige Collage, die Protestmärsche und eine Ballettinsszenierung der Medea zusammenspannt. Mit erschütterndem Effekt [...]“, schrieb Andreas Thamm 2013 in der Süddeutschen Zeitung. Dem möchte ich mich anschließen: Chaos, Krise, Kunst, Medea – und dazu Theodorakis, der einen musikalischen Feuerreigen als Soundtrack geliefert hat, und immer wieder Teil des Filmgeschehens wird. Überwältigt, nachdenklich und ein bisschen ratlos stapfe ich durch die Göttinger Kälte nach hause. Es ist mittlerweile 22 Uhr – Zeit für ein großes Glas Anislikör.

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 März 2016 12:01

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