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Freitag, 16 Dezember 2016 11:44

2016 ist das Jahr der kleinen Schurken!

geschrieben von
Bernd Gieseking Bernd Gieseking © Photo: Thomas Rosenthal

2016 in Witzen – Bernd Giesekings Kabarett „Ab dafür! Der satirische Jahresrückblick“

„2016 ist das Jahr der kleinen Schurken!“, lautete die einführende Stellungnahme von Bernd Gieseking. „Nein, der großen Schurken!“, tönte es aus dem Publikum. Der Kabarettist Bernd Gieseking erlebte mit seinem Programm „Ab dafür! Der satirische Jahresrückblick“ einen interaktiven Abend im Apex in Göttingen.

In alter Manier aber mit neuem Text ließ er zum vierundzwanzigsten Male eine Jahr Revue passieren. Er schilderte abstruse Ereignisse wie den Fund von 4500 Wendler CDs oder der fehlenden Bahnanbindung von Wolfsburg und er vergegenwärtigte ernste Ereignisse wie die Wahl in den USA oder die Trennung von Angelina Jolie und Brad Pitt.

Er feierte Jubiläen wie 70 Jahre Udo Lindenberg, 500 Jahre Reformation und 130 Jahre Maggi.

Er gedachte der Toten, seinen Idolen Bud Spencer, Fidel Castro und Fanny Müller.

Er erhob Jan Böhmermann zum Mann des Jahres. Grund dafür sei nicht sein plumpes Schmähgedicht, sondern seine grenzgeniale Persiflage von „Wetten, dass ...“.

Er thematisierte die Angst der deutschen Bürger, die Angst vor Datenverlust, vor Flüchtlingen, vor dem Fuchsbandwurm und vor der Zecke.

Er präsentierte exklusive Auszüge aus dem Tagebuch des Ehemannes von Angela Merkel, des Mannes mit dessen Frau nur 21% der Deutschen einen Kaffee trinken gehen wollen, selbst wenn sie bezahle.

Er erzählte Schwänke aus seinem Leben, dichtete besser als Bob Dylan, inszenierte ein Drehbuch und erinnerte das Publikum an die vielen Begebenheiten des Jahres 2016 in beispielhaft unterhaltsamer Weise.

Bernd Gieseking präsentierte ein gemäßigtes Kabarett, wagte sich nicht in die Nähe eines Tabubruchs und verzichtete auf derben, schwarzen Humor. Stattdessen bestach er mit subtilem Wortwitz, der in seinen Variationen des berühmten Satzes von Descartes „Ich denke, also bin ich“ gipfelte. So schneiderte er Politikern gekonnt Sätze auf den Leib wie zum Beispiel: „Wenn ein Auto ohne Fahrer fahren kann, kann ich auch etwas sagen, ohne zu denken.“ oder „Wenn ich mir bei allem was ich sage, etwas denken würde, käme ich ja gar nicht mehr zum Reden.“

Einige im Göttinger Publikum wurden durch das viele Lachen und/oder durch die sympathische Art des Kabarettisten offenbar so enthemmt, dass sie sich dem Versuch einiger witzig gemeinter Zwischenrufe nicht erwehren konnten. Gieseking parierte jedes Mal gekonnt, zeigte, dass er auch spontan einige humoristische Kunstgriffe vorführen kann, und breitete eine lockere, fast familiäre Atmosphäre aus.

Dieser Mann wusste aber nicht nur zu amüsieren, sondern auch gezielt mit Weisheiten zu belehren, deren Essenz sich in drei Schlüsselsätze aus seiner Schreinerausbildung kondensieren lässt: „Geht nicht, gibt’s nicht!“, „Was wackelt, gibt‘s nicht!“, „Mach hin, das wird kein Wohnzimmerschrank!“ Außer Alexander Gauland würde sich wohl jeder Bernd Gieseking als Nachbarn wünschen.

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