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Sonntag, 10 September 2017 09:44

„Killer Joe“ – intensives Theater über eine Familie ohne Moral

geschrieben von
Jörn Pohlmann, Anne Gaa, Denise Frerichs, David Bolik, David Höhle Jörn Pohlmann, Anne Gaa, Denise Frerichs, David Bolik, David Höhle

Premiere im Theater im OP

Es begann laut und endete laut. Dazwischen waren intensive 90 Minuten Theater, gespickt mit Gewalt, obszöner Sprache und skurrilem Humor. Das Stück spielt in Texas in einem schäbigen Wohnwagen, der einer amerikanischen Familie aus der Unterschicht als Behausung dient. Mitten in der Nacht hämmert Chris (David Höhle) an die Tür und reißt seinen zu nichts taugenden Vater Ansel (David Bolik) und dessen nuttige, neue Frau Sharla (Anne Gaa) aus dem Schlaf. Er gesteht seinem Vater, dass er mit 6000$ bei einem zwielichtigen Gesellen in der Kreide steht und präsentiert ihm seinen Plan, das Geld aufzutreiben: er will die eigene Mutter umbringen lassen, um ihre hohe Lebensversicherung zu kassieren, die auf die Tochter Dottie (Denise Frerichs) - die Schwester von Chris - ausgeschrieben sein soll. Ansel ist dem Plan, seine widerliche Ex-Frau unter die Erde zu bringen, durchaus zugeneigt und so heuern die beiden den Auftragskiller Joe Cooper (Jörn Pöhlmann) an. Da dieser ausnahmslos Vorauszahlung akzeptiert, droht die Sache zu platzen. Doch als Joe Dottie kennen lernt und an ihrer kindlichen Naivität Gefallen findet, schlägt er vor, Dottie als Pfand zu bekommen bis er sein Honorar nach Auszahlung der Lebensversicherung bekommen hat.

Diese Angelegenheit ist der Rahmen für die Tragikomödie „Killer Joe“ des amerikanischen Dramatikers Tracy Letts. Unter der Leitung von Heiko Matthias wurde dieses Stück im Theater im OP in deutscher Sprache aufgeführt. Das Spiel zeichnet ein satirisches Bild einer verstumpften Familie, die den Tod der eigene Mutter als idealen, sogar selbstverständlichen Ausweg aus ihren Probleme ansieht. Durch eine Fülle an dummen Entscheidungen, Lügen und unerwarteten Wendungen schraubt sich die Familie in immer destruktiverer Höhen bis schließlich am Zenit der Ausweglosigkeit mit einem Knall alles zusammenbricht. Der Zuseher verweilt in einer atemlosen Starre zwischen Belustigung und Verstörung.

Den fünf Schauspielern wurde in diesem Stück viel abverlangt: vulgäre Sprache, dunkle Pointen, Raufereien, Verzehr von Junkfood, Nacktheit und existentielle Emotionen. Die Nervosität ob dieser Aufgabe war ihnen bei dieser Erstaufführung anzumerken und so wirkten die ersten Szenen noch steif und aufgesetzt. Lediglich David Bolik schaffte es die tragische Komik der gehaltlosen Existenz des Familienvaters Ansel von Beginn an glaubhaft auszubreiten. Doch je weiter die Handlung vorrückte desto intensiver wurde das Schauspiel. Am Ende war jeder Akteur eins mit seiner Rolle, sodass eine sehr leidenschaftliche und energische Darbietung in Erinnerung bleibt.

Ganz ungewohnt im ThOP, wurde diesmal frontal gespielt. Das Bühnenbild war in seiner Schlichtheit bestechend passend. Ein abgenütztes Sofa und ein ranziger Couchtisch waren die Basis für das stimmige Ambiente. Im Laufe der Handlung wurden Bierflaschen, Hamburger und Müll zu weiteren Requisiten. Die sehr passenden Kostüme, das raffinierte Sounddesign und das gelegentliche Verströmen von Tabakgeruch rundeten das Milieu des verlotterten Trailers vollständig ab.

„Killer Joe“ ist eine klare Empfehlung für jeden, der eine perfekte Mischung aus schwarzem Humor und packendem Drama erleben will.

Weitere Vorstellungen gibt es am 12.9., 13.9., 15.9., 16.9., 19.9., 20.9., 22.9. und 23.9. jeweils um 20.15 Uhr im Theater im OP.

Den Spielplan des Theaeters im OP finden Sie hier online im Kulturbüro Göttingen.

 

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