Punkte neu 30 transparentWillkommen im Kulturbüro Göttingen - Ihrem Veranstaltungsportal für Göttingen

Freitag, 20 Oktober 2017 05:52

Erstens kommt es zweitens anders

geschrieben von
Maximilian Meier (Mitte) im Gespräch mit Felicitas Biller und Marko Dinic Maximilian Meier (Mitte) im Gespräch mit Felicitas Biller und Marko Dinic © Photo: Wortmann

Lichtung #3 - Treffen junger Literaturzeitschriften zum Literaturherbst

Eigentlich war alles ganz anders geplant. Die Macher von Prisma, dem Zeitblatt für Text & Sprache, wollten zum Literaturherbst die sechste Ausgabe ihrer Literaturzeitschrift präsentieren. Und sie hatten zwei Zeitschriften eingeladen, um sich im Literarischen Zentrum zu präsentieren: das Literaturmagazin aus der Schweiz „Narr“ und die Hildesheimer Literaturzeitschrift „BELLA triste“.

Nun kam alles ganz anders: Prisma ist nicht rechtzeitig fertig geworden und „Narr“ kommt später nach Göttingen. Und trotzdem war „Lichtung #3“ einmal wieder großartiger Abend! (Über die „Lichtung #2“ wurde hier berichtet.)

Statt aus der Schweiz kamen nun Kollegen aus Österreich: Marko Dinic und Felicitas Biller sind aus Salzburg angereist und haben ihre Mosaik-Zeitschrift vorgestellt. Prisma-Herausgeber Maximilian Meier, der beim Literaturherbst auch für das Programm der jungen Literatur zuständig ist, fand viele Parallelen der beiden Konzepte in Göttingen und Salzburg. Beide geben ihre Ausgaben kostenlos (aber nicht kostenfrei!) an die Leserinnen und Leser ab. Der größte Unterschied ist aber, dass Mosaik bereits seit sieben Jahren existiert. Das Konzept und auch die Hefte wirken überzeugend.

Als Textbeispiele gab es vor allem zwei Höhepunkte: Biller und Dinic lasen ein Interview mit Christina Haidegger, der Gründerin der AutorInnengruppe „Projekt IL“. So hieß auch die Literaturzeitschrift, die in den Jahren 1974 – 1981 erschienen ist. In diesem Text wird aus einer hochpolitischen Zeit berichtet. Ein spannender Text aus einer spannenden Zeit!

Zum Konzept der Mosaik gehören auch Texte in Originalsprache. Und so gab es ein Gedicht in chinesischer Sprache zu hören. Es war spannend, der Melodie dieser uns so fremden Sprache zu folgen.

Nach der Pause kamen die BELLAs aus Hildesheim. Die Zeitschrift BELLA triste existiert bereits seit dem Jahr 2001. Die Redaktion wird immer wieder neu von Studierenden des Literaturinstituts Hildesheim gebildet. An diesem denkwürdigen Abend im Literarischen Zentrum hatten Helene Bukowski, Leonie Wyss und Leonie Lerch etwas ganz Besonderes im Gepäck: sie hatten aus allen Ausgaben der Zeitschrift ihre Lieblingssäte herausgeschrieben und in einer Collage neu zusammengesetzt. Herausgekommen ist etwas ganz und gar Neues: die Sätze passten wunderbar zusammen – durch ihren Klang, ihre Farbe, durch den Inhalt. Herausgekommen ist ein Klang-Epos, beinahe eine musikalische Komposition. Es gab Pianostellen und ein Forte im Tutti. Es gab Staccatto-Passagen und Fugen-Einsätze.

 

An der Hochschule in Hildesheim wird Creative Writing gelehrt – diese Collage war Creative Writing im übertragenen, aber vor allem auch im besten Sinne.

Gastgeber Maximilian Meier möchte im nächsten Jahr junge Literaturzeitschriften aus ganz Europa nach Göttingen einladen. Da kann man nur hoffen, dass Mosaik und Bella triste ebenfalls dabei sind! Und die Gäste vom Narr, dem „schönsten Literaturmagazin der Schweiz“, kommen bei der nächsten Lichtung.

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

Jetzt schon Tickets sichern

Kulturticket

Gandersheimer Domfestspiele

Figurentheatertage