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Sonntag, 10 Dezember 2017 09:53

Süchtig machenden Klänge

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Der Kammerchor St. Jacobi mit seinem Leiter Stefan Kordes in der Klosterkirche Reinhausen Der Kammerchor St. Jacobi mit seinem Leiter Stefan Kordes in der Klosterkirche Reinhausen © Photo: Wortmann

Adventliches Kammerchorkonzert mit dem Kammerchor St. Jacobi

Wie groß darf ein Kammerchor sein? Wenn die Sängerinnen und Sänger sich auf 12 Stimmen verteilen müssen, benötigt man durchaus eine gewisse Größe. Und so drängten sich in der Klosterkirche Reinhausen am Vorabend ihres Konzertes in der Jacobikirche fast 50 Mitglieder des Kammerchores St. Jacobi. Eingeladen wurde zu einem „Adventlichen Kammerchorkonzert“, als dessen Höhepunkt das doppelchörige, 12-stimmige „La figure humaine“ von Francis Poulenc erklang. Ein nicht gerade adventliche Stück Musik – und dennoch passt diese Vertonung von Gedichten Paul Eluards und dessen Hoffnung machendes und tröstendes Ende „Liberté“ durchaus in diese Zeit im Kirchenjahr.

Aber der Reihe nach. Stefan Kordes eröffnete mit den Sängerinnen und Sängern den Abend mit „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Michael Praetorius. Kraftvoll intonierte sein groß besetzter Kammerchor, das klang ausgesprochen prächtig. Akustisch fielen die solistisch besetzen Strophen 2 und 4 dagegen ziemlich ab. Hier wäre vielleicht eine kleine Chorbesetzung besser geeignet gewesen, um die Klangunterschiede nicht zu groß werden zu lassen.

Im doppelchörigen „Magnificat“ von Heinrich Schütz war schon zu spüren, wie gut die Choristen von ihrem Leiter vorbereitet worden waren: trotz der Chorgröße erklang diese frühbarocke, filigrane Musik durchsichtig und lebendig.
Arne zur Nieden verschaffte mit zwei Orgelstücken den Choristen eine kleine Pause: auf der Janke-Orgel der sehr gut besuchten Klosterkirche spielte er Werke von Praetorius und William Byrd. Im Göttinger Konzert spielte dann Dmitri Feinschmidt (Göttinger Symphonie Orchester) die Sonate A-Dur für Violine von César Franck.

Mit „O Heiland reiß die Himmel auf“ gab es anschließend einen kräftigen zeitlichen Sprung. Und auch hier zeigte sich, dass die Größe des Chores sich sehr vorteilhaft auswirkte: Kraftvoll und bestimmt war der Chorklang – und dennoch reagierten die Sängerinnen und Sänger auf das exakte Dirigat ihres Chorleiters: Stefan Kordes nutzte die Möglichkeiten seines Klangkörpers voll aus und konnte diese romantische Chormusik auch dynamisch sehr differenziert erklingen lassen.

An Poulencs Meisterwerk „La figure humaine“ (Komponiert 1943) haben sich schon manche Chöre die Zähne ausgebissen. (Zuletzt der Konzertchor Hannover, siehe hier die Besprechung im Kulturbüro.) Überaus anspruchsvoll ist diese Komposition: Poulenc hat in seiner musikalischen Aufarbeitung der traumatischen Kriegserfahrungen zwar nicht mit den tonalen Traditionen gebrochen, dennoch mutet er in den Tonfolgen, den Harmonien, dem Rhythmus und den Anschlüssen der acht Stücke Erhebliches zu. Der Kammerchor St. Jacobi hat diese Herausforderung angenommen und mit Bravour gemeistert. Mit dazu beigetragen hat sicherlich die Affinität von Stefan Kordes zur französischen Musik: immer wieder hört man auf der großen Orgel der Jacobikirche und auch in den Konzertprogrammen seiner Chöre Werke französischer Komponisten. „La figure humaine“ nimmt ab jetzt in dieser Reihe eine herausragende Stellung ein – und zwar auch deswegen, weil es Kordes gelungen ist, die Seele dieser Musik zu ergründen und die beinahe süchtig machenden Klänge dieses Chorwerks mit Inhalt zu füllen.

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