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Sonntag, 10 Dezember 2017 17:00

„Fremde Heimat“ und virtuose Klänge

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Christoph Mathias Mueller freut sich über die Leistung seines Orchesters und der Konzertmeisterin Natalia Scholz Christoph Mathias Mueller freut sich über die Leistung seines Orchesters und der Konzertmeisterin Natalia Scholz © Photo: Goos

Es waren Werke aus der „fremden Heimat“, die das Göttinger Symphonieorchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Müller und mit der Violinistin Natalia Scholz in der fast ausverkauften Stadthalle zum Erklingen brachte.

Denjenigen, die bereits beim Eröffnungskonzert am 2. September anwesend waren, begegneten erneut dem jüdischen, lange Zeit verschwiegenen Komponisten Alexander Weprik, einst einer der bekanntesten Musiker der 20er Jahre und führenden Komponisten der Sowjetunion. Auch an diesem Abend kehrte er in Erinnerung zurück, dieses Mal mit seinem ersten Orchesterwerk, den „Tänzen und Liedern des Ghettos“. Wie in seinen anderen Werken waren auch hier melancholische Elemente vertreten, vor allem aber die einzigartigen Klänge jüdischer Folklore, die das GSO unter der mitreißenden Leitung von Christoph-Mathias Müller in Perfektion präsentierte. Charakteristisch in Wepriks Werken ist der Einsatz der bezaubernden Celesta, dem „himmlischen Instrument“, deren zarte Klänge den Abend eröffneten und dem ganzen Werk eine wiederkehrende magische Tiefe verlieh, wie auch die einbruchartigen Einsätze der Bläser. Ein vielfältiger Klangteppich erfüllte bereits zu Beginn des Abends den Saal, geprägt von rhythmischer Folklore, in steter Mischung aus Melancholie und Freude, einem intensiven Wechsel der Tempi, fein abgerundet durch nahezu fließende Passagen der Streicher. Eine berührende Wirkung entfaltete auch das traurige Fagott in Begleitung von Bratsche und Posaune, die in die Tiefen der Cello-Klänge hinüberglitten.

Spielerische Perfektion folgte nach diesem durch und durch gelungenen Auftakt des Abends mit der Violistin Natalia Scholz, seit 2011 erste Konzertmeisterin des Göttinger Symphonieorchesters, und Sergej Prokofjews Konzert Nr. 2 für Violine und Orchester. Beginnend mit einem kleinen Solopart der Violine, folgten in allen Klangnuancen perfekt gespielte, starke Sequenzen, von feinfühlig-zart bis zu dramatischer Tiefe, immer wieder pointiert durch die Schlagwerke und erfüllt durch den Einsatz der Flöten, Oboen und Klarinetten. Auch in den schnellsten Tempi ließ Natalia Scholz den Bogen präzise, sicher und virtuos über die Saiten schnellen. Besonders intensiv und anmutig wirkte das melodische und harmonische Andante Assai, abgelöst vom energischen Allegro mit spanischem Flair durch den Einsatz von Kastagnetten. Eine herausragende Leistung und ein äußerst anspruchsvolles Stück, das mit begeistertem Applaus gewürdigt wurde. In der anschließenden Zugabe bewies Natalia Scholz nochmals ihre ganze Wandlungsfähigkeit.

Ein gebührendes Finale folgte mit der imposanten Symphonie Nr. 38 von Wolfgang Amadeus Mozart. Rasant und euphorisch, begleitet von Müllers ausdrucksvoller Art zu dirigieren. Das Andante etwas ruhiger und fließend in den höheren Tonebenen der Streicher, um dann im Finale Presto wieder kraftvoller und schneller zu werden, abgerundet durch die feinen und zarten Wechsel von Flöten und Streichern.

Ein erneut gelungener Abend voller Abwechslung und Vielfalt, was sich im ausdauernden Applaus des Publikums zeigte.

 

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