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Mittwoch, 20 Dezember 2017 12:51

Nicholas Milton: „Wir teilen eine Vision“

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Nicholas Milton, Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters ab der Saison 2018/19 Nicholas Milton, Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters ab der Saison 2018/19 © Wortmann

Der 1967 in Australien geborene Nicholas Milton wird ab dem 1. August 2018 neuer Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO).

Bis dahin ist er noch Generalmusikdirektor und Chefdirigent am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken.

Der Aufsichtsrat des GSO hat am Vormittag einstimmig die Nominierung Miltons beschlossen, am Nachmittag wird der Vertrag unterschrieben. Dazwischen stellte sich der Nachfolger von Christoph Mathias Mueller der Presse.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Lipsky wies zunächst darauf hin, dass bei den zahlreichen Bewerbungsdirigaten der letzten Wochen und Monate gute und sehr gute Bewerbungen dabei gewesen seien. Dementsprechend schwer fiel die Auswahl – und fiel dennoch einstimmig. Aufsichtsratsmitglied und Kulturdezernentin Petra Broistedt fasst die Entscheidung emotional zusammen: „Wir waren hemmungslos begeistert, als Nicholas Milton seine Zusage gab. Begeistert waren wir schon bei seinem Gastkonzert in Göttingen (siehe hier die Konzertrezension), dachten uns aber: der Mann ist in einer größeren Stadt, hat eine Stelle bei einem A-Orchester – der wird niemals nach Göttingen kommen.“

Tut er aber! Und das sehr gerne: „Das Musizieren hier in Göttingen macht Spaß und Freude“, betont Milton, und schließt das Publikum gleich mit ein: „Es gibt hier ein engagiertes Publikum, das sein Orchester liebt.“ Beides zusammen gab dann auch den Ausschlag, sich für vier Jahre für Göttingen zu verpflichten. „Wir teilen eine Vision“, beschreibt er die Atmosphäre und die Arbeitsauffassung der Musiker im Orchester. Und deshalb blickt er schon jetzt mit großer Vorfreude auf den Beginn seiner Zeit in Göttingen. „Dabei lieg eine schwierige Zeit vor uns“, meint Milton und spielt dabei besonders auf die Problematik der Spielorte an. GSO-Geschäftsführer Klaus Hoffmann ergänzt: „Wir arbeiten an neuen Formaten und schauen uns alternative Spielorte an. Gestern war ich mit Nicholas Milton in der Lokhalle. Ich konnte ihn da kaum wieder rausbekommen…“, schmunzelte Hoffmann.

Nicholas Milton wurde 199 zum „Australischen Dirigenten des Jahres“ gekürt und erhielt 2001 für sein gesellschaftliches Engagement und seine Aktivitäten zur Förderung der Musik die Australische Jahrhundertmedaille. Er leitete als Chefdirigent das Willoughby Symphony Orchestra (Australien), die Jenaer Philharmonie und das Canberra Symphonie Orchestra. Er ist als Gastdirigent viel in der ganzen Welt unterwegs, in Kürze ist er an der Deutschen Oper Berlin zu Gast. Dadurch hat Milton bereits sehr viele Orchester kennengelernt. „Ich konnte deshalb sehr schnell erkennen, dass hier in Göttingen die Chemie stimmt. Gemeinsam gestalten wir im Gegensatz zu bildenden Künstlern keinen Stein oder ein Stück Holz sondern wir gestalten ein Stück Zeit.“ Und hier in Göttingen spüre er, dass dieser Gestaltungswille im Orchester sehr ausgeprägt ist.

Nicholas Milton setzte sich gegen 9 weitere Mitbewerber durch. Christoph Mathias Mueller kommentierte die Meldung des GSO: „Ich bin sehr glücklich über diese Wahl und gratuliere Nicholas Milton herzlich!“

Letzte Änderung am Mittwoch, 20 Dezember 2017 12:54

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    Der Flügel steht noch auf der Bühne; nur zur Seite geschoben… Greift der Solist zum Beginn der zweiten Konzerthälfte erneut in die Tasten? – Nein. Alexander Schimpf spurtet, im Frack, zu einem freien Platz im Parkett, um nach dem umjubelten Auftritt vor sowie Autogrammen in der Pause nun der Interpretation der vierten Symphonie Johannes Brahms’ zu lauschen. Gut tat er daran, seine Pause nach getaner Arbeit ein wenig später zu nehmen.

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