Deutsches Theater

Erich Sidler und das Team vom Deutschen Theater haben das Programm der nächsten Spielzeit vorgestellt. „Wir haben Sie in den letzten Spielzeiten nicht geschont“, schreibt der Intendant im Vorwort des Spielplanbuchs. Dass diese „Zumutung“ völlig richtig und sogar erwünscht war, bekräftigte einerseits der Aufsichtsrat des Deutschen Theaters, indem er im November 2017 den Vertrag mit Erich Sidler verlängert hat; und andererseits hat das Publikum dem Programm zugestimmt: es gibt Zuwächse bei den Abonnements – und wenn in der laufenden Spielzeit die Besucherzahlen nur gehalten und nicht gesteigert werden können, dann lag das an der Grippewelle im Frühjahr, die zu zahlreichen Ausfällen von Vorstellungen geführt hat.

„Auch in der neuen Spielzeit haben wir eine DNA“, stellt Sidler fest. 10 Jahre nach der Finanzkrise der Lehmann-Bank und den Betrügereien der Göttinger Gruppe werden immer noch die Reichen immer reicher, während große Teile der Bevölkerung nichts von dem Kuchen abbekommen. Diese politischen, gesellschaftlichen und soziologischen Fragen möchte das Programm der Spielzeit 2018/19 aufgreifen. Ganz konkret wollen der Göttinger Soziologieprofessor Sascha Münnich und der Frankfurter Regisseur Jan Philipp Stange diese Fragen erörtern. Das Projekt „10 Jahre Finanzkrise“ als Theaterstück wird versuchen, Antworten zu finden – kann aber auch selbst verunsichern.

Die Geschichte der „Göttinger Gruppe“ ist eine Leiche im Keller Göttingens – „Wir wollen die Leiche wiederbeleben“, hat sich Erich Sidler vorgenommen, der das Stück von Lukas Linder mit dem wunderbaren Titel „Die melancholische Seite meines Steuerberaters“ selbst inszenieren und am 27. Oktober 2018 zur Uraufführung bringen wird.

Die Spielzeit im DT1 wird am 8. September mit der Premiere von „Schwanengesang“ eröffnet. Im Mittelpunkt stehen die 14 Lieder von Franz Schubert, die ein Jahr nach seinem Tod veröffentlicht worden sind. Die Regie übernimmt der Schauspieler, Musiker und Regisseur Christian Friedel, der auch die musikalische Leitung haben wird.

Nach dem großen Erfolg von Orwells „1984“ in der Tiefgarage des Deutschen Theaters wird dieser Spielort auch vor Beginn der neuen Spielzeit genutzt: im August inszeniert Antje Thoms das Stück nach den Romanen von Lewis Caroll „In Alice Welt“. Das DT-Team hofft auf einen ähnlichen Erfolg wie „1984“, bei dem viele Kartenwünsche nicht erfüllt werden konnten. In diesem Jahr sind 24-28 Aufführungen ab dem 18. August geplant.

Auf dem Spielplan stehen noch weitere Werke der Weltliteratur: „Die Blechtrommel“ von Günter Grass ist eine wichtige Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Oliver Reese hat den Stoff in einen Monolog gefasst, dieses Ein-Personen-Stück setzt am 7. September Theo Fransz in Szene.

Auch aus dem Roman „Meister und Magarita“ von Michail Bulgakow ist eine Bühnenfassung entstanden. Der Regisseur Titus Georgi wird diese Fassung zusammen mit Schauspielern von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und Mitgliedern des DT-Ensembles auf die Bühne bringen. Die Premiere ist für Februar 2019 geplant – aber auch in Hannover soll es Aufführungen geben.

In der Spielzeit stehen auch heitere Inszenierungen auf dem Plan: „Wir sind die Neuen“ heißt das Theaterstück nach dem gleichnamigen Film, das Erich Sidler im DT1 inszenieren wird. Und die romantische Komödie „Alles, was Sie wollen“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière wird im DT-Keller die Premiere haben.

Weitere Premieren sind „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von Rainer Werner Fassbinder, „Die Wunderübung“ von Daniel Glattuer, „In der Schwebe“ von Maya Arad Yasur“, „Die Frau in Schwarz“ von Susan Hill und Stephen Mallatratt, „4.48 Psychose“ von Sarah Kane, „Mensch – Verlust – Mensch“ von Ralf Westhoff“, „Rot“ von John Logan, „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney, „Fabian“ von Erich Kästner, „Macbeth“ von William Shakespeare, „Biografie: Ein Spiel“ von Max Frisch, „Wassa Schelesnowa“ von Maxim Gorki“, „Märtyrer“ von Marius von Mayenburg“ und wieder als „en-Suite“-Produktion zum Ende der Spielzeit „Lazarus“ von David Bowie und Enda Walsh.

Als Familienstück wird in der Weihnachtszeit „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ inszeniert. Das Team um Sonja Bachmann (Dramaturgie und Leitung Programm für Kinder und Jugendliche) und Gabriele Michel-Frei (Theaterpädagogik) ist stolz auf die hohen Besucherzahlen, auf die Kooperation mit 30 Schulen und auf die vier Spielclubs.

Insgesamt sind es 25 Produktionen, die in der Zeit vom August 2018 bis zum Juni 2019 ihre Premiere feiern werden. Dazu kommen weitere 22 Produktionen, die wieder aufgenommen werden. Ein gewaltiger Brocken an Theaterkost – der aber jetzt schon Appetit macht und weder dem Ensemble noch dem Publikum zu schwer im Magen liegen wird.

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