Kulturpolitik

Erst zugesagte, dann gestrichene Fördergelder

Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Niedersachsen klang es noch richtig gut: „Kommunale Theater wollen wir stärken, die Grundförderung erhöhen und die Tarifsteigerung übernehmen.“ Jetzt ist plötzlich keine Rede mehr davon. Weiter heißt es im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2017: „Die kommunalen Theater, die freien Theater, die Amateurtheater, die Theaterpädagogik und die Soziokultur sind Garanten dafür, dass es kulturelle Vielfalt im Flächenland Niedersachsen gibt. Wir wollen sie stärker fördern.“

Eine stärkere Förderung der kommunalen Theater ist also fest vereinbart. Betroffen sind neben den Städtischen Bühnen Osnabrück auch die Landesbühne Niedersachsen Nord in Wilhelmshaven sowie die Theater in Hildesheim, Lüneburg, Celle und Göttingen sowie das Göttinger Symphonieorchester.

Im Haushaltsplan des niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler (CDU) war aber plötzlich keine Rede mehr von dieser stärken Förderung. Eigentlich waren in diesem Frühjahr sechs Millionen Euro höhere Zuschüsse in Aussicht gestellt worden. Ursprünglich ging es sogar um neun Millionen.

Diese höhere Förderung benötigt vor allem das Göttinger Symphonie Orchester ganz dringend. Denn in der jüngeren Vergangenheit musste hier besonders gespart werden. Mit seinen 51 Stellen für Musikerinnen und Musiker ist das GSO ohnehin schon stark unterbesetzt. Für den Rang eines B-Orchesters, wie es das GSO ist, sind eigentlich 66 Stellen vorgesehen. (Es gibt vier solcher Klassifizierungen: A-, B-, C- und D-Orchester.) Diese dünne Besetzung hat zur Folge, dass für zahlreiche Konzerte Aushilfen engagiert werden müssen. Entweder, weil die aufgeführten Werke besondere Besetzungen erfordern – das sind dann „partiturbedingte Aushilfen“. Oder aber, weil die Arbeitszeiten der GSO-Musikerinnen und -Musiker nicht beliebig strapaziert werden können.

Die Kosten für diese Aushilfen sind keine Personalkosten – und deshalb sind für das Orchester dringend zusätzliche Mittel erforderlich.

Von den 51 planmäßigen Stellen sind zurzeit 4 unbesetzt, zum Beispiel die des Solo-Cellos. Ohne die zusätzlichen Gelder ist es nahezu unmöglich, diese Stellen zu besetzen. Die Mittel fehlen durch die Kürzungen der letzten Jahre.
Und zu allem Überfluss sagt die Stadt Göttingen als größter Zuschussgeber: wenn das Land seine Zuschüsse nicht erhöht, können wir das auch nicht tun.

Mit dieser Politik wird das GSO in eine existenzbedrohende Lage gebracht. Göttingen Landtagsabgeordnete, die Präsidentin des Niedersächsischen Landtags Gabriele Andretta, sagte gegenüber dem Kulturbüro: „Wir möchten an dem in der Koalitionsvereinbarung erwähnten Vorhaben festhalten und die kulturelle Vielfalt weiter fördern.

Konkret bedeutet dies für uns, dass wir uns in den weiteren Verhandlungen über den Haushaltsplanentwurf der Landesregierung dafür einsetzen werden, die Grundfinanzierung der kommunalen Theater und des GSO zu erhöhen sowie die freien Theater sowohl über Konzeptions- als auch über Investitionsfördermittel zu unterstützen.“

Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) setzt aber andere Schwerpunkte und hat eine Erhöhung der Zuschüsse abgelehnt. Als letzter Rettungsanker bleiben die Mittel der „Politischen Liste“: nach den Haushaltsverhandlungen gibt es in der Regel noch einen Sondertopf mit Mitteln, über die die Landtags-Abgeordneten selbst bestimmen können, unabhängig von den Ministern.

Gabriele Andretta meint dazu: „In der letzten Legislaturperiode ist es mit vereinten Kräften gelungen, die Mittel für das Deutsche Theater, das GSO und die Soziokultur zu erhöhen. Auch dieses Mal setze ich mich dafür ein, doch noch über die politische Liste eine Erhöhung des Haushaltsansatzes für unsere Kultureinrichtungen zu erreichen. Die dort geleistete wertvolle Arbeit verdient jede Unterstützung.“

Regisseurin Antje Thoms vom Deutschen Theater hat eine Initiative gestartet: „Rette dein Theater“. Mit einer Online-Petition wollen Ensembles der kommunalen Bühnen in Niedersachsen das Land zu einer stärkeren finanziellen Unterstützung ihrer Häuser auffordern. Eingeschlossen in diese Aktion ist ausdrücklich auch das Göttinger Symphonie Orchester. Die anderen betroffenen Theater haben sich der Aktion angeschlossen.

Hier ist der Link zu der Petition:
https://www.openpetition.de/petition/online/rettedeintheater-keine-kulturwueste-in-niedersachsen 

Am 24. Oktober wollen alle betroffenen Theater mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor dem Niedersächsischen Landtag präsent sein und laut ihre Meinung sagen. Zuschauerinnen und Zuschauer sind ausdrücklich erwünscht!

weiterführende Links:



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