Der Autor Arne Dahl war am Mittwochabend auf Einladung des Literarischen Zentrums in der Aula am Wilhelmsplatz zu Gast, um sein gerade bei Piper auf deutsch erschienenes Buch Der elfte Gast vorzustellen.

Sakko, kariertes Hemd, grauer Dreitagebart, nachdenklicher Blick. Jan Arnald sieht aus wie der Kommissar aus einem seiner Krimis. Mit ruhiger Stimme beantwortet er offen, ehrlich und persönlich Fragen zu seinem neuen Buch und seinem gesamten schriftstellerischen Werk.

Jan Arnald, das ist der Mann der sich hinter dem Pseudonym Arne Dahl verbirgt. 1963 geboren, Literaturwissenschaftler, beschäftigt bei der Schwedischen Akademie, Herausgeber mehrerer Zeitungen. 1998 erschien sein erster Kriminalroman.

Das Erschaffen eines Pseudonyms sei notwendig gewesen, um die Lust am Schreiben und seinen eigenen Stil wiederzufinden, sagt er. Durch die Figur des Arne Dahl habe er eine Art Wiedergeburt erlebt.

Der elfte Gast ist der Abschluss der 10-bändigen Reihe rund um die Sonderermittlungseinheit A-Gruppe. Auf die Einladung eines mysteriösen Gastgebers hin begeben sich die Kommissare und alten Freunde für ein Wiedersehen zu einem alten Herrenhaus außerhalb Stockholms um alte Zeiten wieder aufleben zu lassen. Kein klassischer Schwedenkrimi vielleicht, aber die Leseproben machen auf jeden Fall Lust auf mehr. In bildreicher, kraftvoller Sprache schildert der Autor teils märchenhaft-fantastisch, teils packend realistisch anmutende Szenerien. Zynische, humorvolle Passagen wechseln sich mit düsteren, melancholischen Reflexionen ab.

In das Gespräch werden zwei Leseabschnitte eingebunden. Jan Arnald selbst liest den einleitenden Abschnitt in klangvollem Schwedisch vor, danach übernimmt Christian Dinger um die Lesung auf deutsch fortzuführen.
Moderiert wird der Abend sowohl herzlich als auch fachkundig von Dr. Karin Hoff, der Leiterin des Skandinavischen Seminars der Universität Göttingen. Es ist offensichtlich, dass sie selbst von ihrem Gesprächspartner begeistert ist.

Jan Arnald spricht von den Werken, die ihn beeinflusst haben, von seinen Anfängen als Krimiautor, von seinem Verhältnis zu seinen Figuren, von den Grundgedanken seiner Bücher, seiner Art zu schreiben, dem Erfolg der schwedischen Kriminalliteratur und den Verfilmungen seiner Bücher; aber vor allem erzählt er davon, was ihm misslungen ist. Er wollte eine Dekalogie schreiben, nun ist gerade das elfte Buch erschienen, weil er sich einfach nicht von seinen Charakteren trennen konnte; er wollte eine seiner Hauptfiguren töten, auch das ist ihm nicht geglückt, weil er sich zu sehr mit ihnen verbunden fühlt; eigentlich sollte auch im elften Band kein Mord geschehen... Das Publikum nimmt ihm all das nicht übel, es ist hingerissen von seiner sympathischen Art. Lachende Gesichter, zahlreiche Fragen am Ende der Veranstaltung und die lange Schlange am Signiertisch zeugen davon.
 
Das Wichtigste für ihn ist die Freude und Lust am Schreiben. ,,Hoffentlich sieht man das, wenn ich schreibe“, sagt er. Ja, das tut man. Darin sind sich alle einig.

Wer trotz soviel Krimi immer noch nicht genug bekommen hat, kann entweder die neue Krimireihe von Arne Dahl lesen, von der bisher 3 Bände auf deutsch erschienen sind (Gier, Zorn und Neid), oder sich auf das einzelne Buch freuen, das er gerade plant. Außerdem lädt das Literarische Zentrum herzlich zur 2. Krimilesung ein, bei der am 09. November Don Winslow zu Gast sein wird.

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