Nach einem ereignisreichen Wochenende rund um „Perspektiven zwischen Reger und Shakespeare“ endeten die 2. Nikolausberger Musiktage mit einem Konzert des Norddeutschen Figuralchores unter der Leitung von Jörg Straube.

Dieser semiprofessionelle Kammerchor gehört zu den besten in Deutschland. Und wenn man gleich zum Einstieg des Konzertes die Motette „O Tod, wie bitter bist du“ hört, dann weiß man auch sofort, warum das so ist. Und das, obwohl am Vortag der Kammerchor con anima eben diese Motette auch schon überzeugend dargeboten worden ist. (Siehe hier die Besprechung dazu.)

Der Figuralchor ist sehr ausgeglichen besetzt, kaum ein Kammerchor hat zum Beispiel den Luxus, gleich acht hochkarätige Tenöre in den Reihen zu haben. Dazu kommt ein homogener Chorklang, der seinesgleichen sucht. Natürlich ist das das Ergebnis langer Arbeit, aber auch die Handschrift des Leiters Jörg Straube. Jede einzelne Stimme ordnet sich dem Ganzen unter, ein perfekter Vokalausgleich sorgt für einen absolut harmonischen Chorklang.

Das hohe Niveau des Chores sorgt aber auch dafür, dass die Sängerinnen und Sänger auch auf kleinste Nuancen des Dirigates reagieren können. Sollten überhaupt irgendwelche klanglichen Unwuchten auftauchen, werden diese schon im Ansatz korrigiert.

Und zu guter Letzt gibt es auch kaum einen Chor, der diese überaus schweren Choralkantaten von Max Reger im Repertoire hat. An diesen Stücken beißt sich so mancher Chor die Zähne aus. Der Norddeutsche Figuralchor singt die hochkomplexen Harmonieverrückungen mit einer Selbstverständlichkeit, dass man als Zuhörer nur noch staunen kann. Dieses Staunen schlägt in Atemlosigkeit um, wenn Jörg Straube seinen Chor Pianissimo singen lässt. Die Lautstärke auf das Äußerste zu reduzieren und dabei den vollen Klang weiter zu behalten - das ist ganz große Kunst.

Als Konzertprogramm waren im Flyer des Festivals „Geistliche Werke von Max Reger“ angekündigt. Im Programmheft standen dann die Motetten „O Tod, wie bitter bist du“, „Ach, Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn“ und zum Ende „Mein Odem ist schwach“. Es wurde aber noch viel mehr geboten! Vor der Pause gab es das Kyrie aus der Missa Pape Marcelli von Palestrina. Hier bewies der Chor, dass er auch diese Musik perfekt beherrscht: klar und durchsichtig erklangen die Töne des italienischen Renaissance-Komponisten. Und nach der Pause erklang die Motette „Jesu meine Freude“ von Johann Sebastian Bach. Gerade in dieser Motette kommt die genaue Stimmführung und Homogenität der Chorstimmen besonders gut zur Geltung. Das ist Chorklang in Vollendung!

So war dieser Abschluss der Musiktage auch ihr qualitativer Höhepunkt. Und das lässt eine Vorfreude auf die dritten Nikolausberger Musiktage aufkommen, die Antonius Adamske schon jetzt am Planen ist.

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