„Enigma“ lautete die Überschrift über das 2. Konzert im Philharmonischen Zyklus II des Göttinger Symphonie Orchesters. Das war natürlich eine Anspielung auf die an diesem Abend erklingenden „Enigma-Variationen“ von Edward Elgar. „Enigma“ bedeutet eigentlich „Rätsel“ – die jedoch gab es eher nicht an diesem Abend in der sehr gut besuchten Göttinger Stadthalle.

Vielmehr standen Farben und Licht im Vordergrund. Das bewies Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller gleich zu Beginn bei den ersten Tönen der 5. Sinfonie von Franz Schubert. Diese Sinfonie wird häufig als Hommage Schuberts auf Wolfgang Amadeus Mozart gesehen. Und in der Tat klingt vieles verwandt mit Mozart. Und doch bleibt es eine Sinfonie aus der Jugend Schuberts (der Komponist ist erst 20 Jahre alt!). Mueller hat genau dies vorzüglich und filigran herausgearbeitet. Die Beleuchtungswechsel in der Harmonik im ersten Satz, die lyrischen Themen im zweiten und die helle Leichtigkeit im Menuett – das klang wunderbar anmutig und leicht. Genau darin besteht auch die Schwierigkeit dieser Musik, die Mueller und das für dieses Werk stark reduzierte Orchester hervorragend meisterten.

Eine Programmänderung stand nun an: der eigentlich vorgesehene Solist des Abends Lawrence Power war kurzfristig erkrankt. Schade, denn Bratschenkonzerte sind eher selten zu hören. Kontrabasskonzerte aber ebenfalls – und so konnte diese Lücke mit Hong Yiu Lai mehr als nur ersatzweise wunderbar geschlossen werden. Der junge Musiker (Jahrgang 1997) hat derzeit einen Zeitvertrag als Solo-Kontrabassist beim Göttinger Orchester. Er spielte das Konzert für Kontrabass und Orchester E-Dur von Carl Ditters von Dittersdorf, ein österreichischer Komponist des 18. Jahrhunderts. Das GSO blieb weiterhin in der reduzierten Besetzung und machte so auch akustisch Platz für das virtuose Spiel des jungen Bassisten. Dittersdorf vermochte es in diesem Konzert, die Möglichkeiten dieses Großinstrumentes besonders gut herauszuarbeiten: höchste und tiefste Lagen, Doppelgriffe, Flageolett-Töne – Hong Yiu Lai nahm diese Herausforderungen im wahrsten Sinne des Wortes spielend an.

Ein tiefer Griff in den Farbkasten folgte nach der Pause: die Enigma-Variationen von Edward Elgar. Das nun vollbesetzte Orchester glänzte in allen Stimmen – herausgehoben seien hier einmal die Pauken mit Johannes Karl. Die einzelnen Variationen sind zwar Persönlichkeiten in Elgars Umgebung gewidmet, entstanden ist aber ein überaus farbiges Gemälde. Mit dickem Pinsel zeichneten Mueller und sein Orchester die Landschaften in allen Farben nach. Man hörte das saftige Grün des englischen Rasens, das berühmte wechselhafte Wetter und idyllischen Sonnenaufgang. Das alles begeisterte das Publikum, das wie auch schon nach dem Kontrabasskonzert nicht mit Applaus und Bravi sparte.

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