Patricia Hempel

Frauenverführerinnen: Patricia Hempel und Angela Steidele waren am Dienstag zu Gast im Literarischen Zentrum

Jung, gebildet und mit klaren Zielen streifen beide Frauen – die historische Anne Lister sowie die namenlose Ich-Erzählerin aus „Metrofolklore“ – durch das Leben, obwohl sie rund 200 Jahre voneinander trennen. Die Ziele sind dabei erotischer Natur: ob nun Helene aus der Uni oder die Damen im England der Regency Period, verfolgen beide Heldinnen ihre erhofften Eroberungen strategisch und protokollieren ihre Erfahrungen geradezu obsessiv. Perfekt geeignet also für die neue Reihe des Literarischen Zentrums namens „Love it or Leave it“, in welcher verschiedene Lebensmodelle auf Basis der Liebe erkundet werden sollen.

Angela Steidele („Anne Lister. Eine erotische Biografie“) und Patricia Hempel („Metrofolklore“) gaben dem interessierten Publikum Einblicke in ihre Texte, die im Gespräch mit ZEIT-Redakteurin Marie Schmidt nochmals auseinandergenommen wurden.

Die Gemeinsamkeiten der Romanheldin und der englischen Adligen, die sich gerne als idealen Gentleman sah, brachten dabei beide Autorinnen zum Schmunzeln, wenn sie auch gestehen mussten, dass beide Protagonistinnen moralisch nicht ganz auf dem richtigen Weg sind. Während Chauvinismus bei Männern oft hingenommen wird, ist die Tatsache, dass solche Einstellungen auch bei Frauen auftreten können, im Verständnis der Gesellschaft noch nicht angekommen – was zeigt, wie brandaktuell und notwendig beide Bücher sind. Dem leergekauften Büchertisch nach zu urteilen, war das Publikum derselben Meinung. Wer von der erfrischenden Perspektive beider Autorinnen angefixt ist: Hempel und Steidele schreiben schon an ihren nächsten Werken. Bis dahin, rät Steidele: „Frech sein und sich nehmen, was Frau kriegen kann!“

 

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