ThOP

In ihren Krimis stellte Agatha Christie stets wunderbare Fallen auf, in die sie ihre Leser gern verstrickte. Schließlich führt kaum eine Mördersuche auf direktem Wege zum Erfolg. Das macht ja die Sache auch spannend, wenn Indizien so gar nicht zusammen passen wollen und nun über Alibis, falsche Verdächtigungen und intrigante Manöver spekuliert werden kann, bis der wahre Täter am Ende enttarnt wird.

Mit vielen schönen Fallen operiert Christie auch in ihrem Krimi-Klassiker „Alibi“, den Cédric Frein am ThOP inszenierte. So einfach lässt sich der Mord an dem Großindustriellen Roger Ackroyd (Tobias Woycik) nämlich nicht aufklären, selbst wenn ein Meisterdetektiv wie Hercule Poirot (Nils Finck) zur Stelle ist und seinen Ruhestand jetzt erst mal unterbricht. Die Indizien deuten zwar auf den Stiefsohn Ralph Paton (Friedmuth Kraus), aber dessen Verlobte Flora (Orthey Stoll) glaubt natürlich an seine Unschuld. Bald stellt sich auch heraus, dass die ermittelnden Inspektoren Davis (Toni Röber) und Raglan (Felix Lentge) mit ihrem Verdacht ziemlich falsch liegen.

Natürlich liegt im Hause Ackroyd so einiges im Argen, aber wie es sich für einen Krimi-Plot gehört, lassen sich die Bewohner nicht so ohne Weiteres in die Karten gucken und stiften auf der ThOP-Bühne immer wieder dramatische Verwirrung. Die verwitwete Schwägerin des ermordeten Hausherrn Cecily Ackroyd (Monika Giro) ebenso wie Sekretärin Josephine Raymond (Astrid Grenzdörffer). Ein bisschen verdächtig machen sich auch Hausmädchen Ursula Bourne (Rebecca Dülfer) und Butler John Parker (Johannes Uhlig), der so manches Familiengeheimnis belauert. Dorfarzt James Sheppard (Jonas Salm) und seine neugierige Schwester Caroline (Kerstin Börst) funken bei der Mördersuche auch ganz gern dazwischen, ähnlich wie Ackroyds langjähriger Freund Major Hector Blunt (Ercan Aydin). Sie alle liefern dem Meisterdetektiv viel Stoff zum Spekulieren, bis die Täterfrage geklärt ist.

„Alibi“ ist der erste Roman von Agatha Christie, der später von Michael Morton dramatisiert wurde. Für sein Regiedebüt am ThOP machte sich Cédric Frein allerdings mit einer Bearbeitung der Bühnenfassung seinen eigenen detektivischen Reim. Spannend ist zunächst die Grundkonstellation, die er von Christie übernahm, mit dem Dorfarzt als Chronisten der mörderischen Ereignisse, der nun mit Poirot scheinbar ein Ermittlerduo bildet, das den Familiengeheimnissen in immer neuen Konstellationen auf den Grund geht.

Das Setting ist aus vielen britischen Krimiszenarien vertraut, wo der Landadel sein arrogantes Flair verbreitet, die Damen ihre Teestunden zelebrieren und die Dienerschaft angemessen devot auftritt. Dazu passt auch die Bühnenausstattung mit Sofa, Beistelltischen, Edelmobiliar und dekorativen Accessoires, wo sich die Figuren in wechselnden Konstellationen den Fragen des Meisterdetektivs stellen müssen. Das geschieht natürlich stilvoll, im angemessen konventionellen Plauderton, der den Darstellern auch nicht allzu viel Spielraum lässt, die Klischees zu unterwandern, die ihren Figuren anhaften. Sie posieren höflich, kultiviert, manchmal ein bisschen befremdet von den Ereignissen, die das edle Styling stören. Gelegentlich fällt dabei sogar eine ängstliche Reaktion an, aber auch die sollte nicht aus dem Rahmen fallen. Selbstverständlich gibt man sich angemessen schockiert und betroffen. So ein Mord mit einem antiken Messer ist schon eine sehr unappetitliche Angelegenheit, aber viel beunruhigender ist das, was daraus folgt, nicht nur an Verdächtigungen, sondern auch an Erbfragen und finanziellen Aussichten.

Nils Finck als selbstbewusster und überaus eitler Spurenleser steht dabei natürlich im Zentrum und lockt die Zuschauer im Sinne Christies gern in weitere Fallen über mögliche Verdächtige und ihre Motive. Und er hat in Jonas Salms Dorfarzt auch einen Bündnispartner, der sich genau so wenig in die Karten gucken lässt. Doch selbst wenn die Dialoge mitunter ziemlich steif anmuten und sich die Stimmung selten dramatisch oder bewegend zuspitzt, bleibt der Überraschungscoup nicht aus. Es gibt natürlich das klassische „who done it“ zum Finale, wo alle Beteiligten noch mal gemeinsam vorgeführt werden. Aber so trickreich wie schon Agatha Christie in ihrem Roman „Alibi“ den Täter tarnte, führt auch diese Inszenierung bis zum Schluss stilvoll elegant in die Irre und begeistert so das ThOP Publikum.

Weitere Vorstellungen gibt es am 7., 8., 10., 11., 13., 14., 16., 17. und 18. August, Vorstellungsbeginn ist jeweils um 20 Uhr. Eintrittskarten kosten 9,- EUR (ermäßigt 6,- EUR) und sind erhältlich an der Abendkasse oder im Vorverkauf unter dem Kartentelefon 0551 / 39 70 77 sowie per E-Mail (theaterkarten @gmail.com). Außerdem unter der Woche zwischen 12.00 und 14.00 Uhr an der ThOP- Vorverkaufsstelle in der Zentralmensa der Universität.

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