Flic Flac

Egal ob bei den Olympischen Spielen, im Guinness Buch der Rekorde oder bei einem Red Bull Event, menschliche Höchstleistungen bringen uns zum Staunen und zur Begeisterung. Die Athleten, die momentan in Göttingen gastieren, bekommen keine Medaillen und keine Auszeichnungen, sie bekommen etwas Besseres: Applaus! Es sind die Artisten des Zirkus. Sie operieren an der Grenze zwischen Unterhaltung und Wahnsinn, mit der Mission, dass einem der Kiefer hinunterfällt. 

In einem rappelvollen Zelt gab Flic Flac seine Premiere in Göttingen. Einheizen hätten die Artisten dem Publikum nicht mehr gemusst, denn das Zelt glühte bereits von der Sommerhitze. Doch in den folgenden zwei Stunden bot sich dem Publikum ein Feuerwerk der Manegenkunst. 

Ein wesentlicher Teil von Flic Flac ist die Adrenalin-Crew, eine Gruppe von sechs waghalsigen jungen Männern an der Schwelle zum Lebensmüden. Sie eröffneten die Show mit dem Todesrad, eine freischwebende, achterförmige Stahlkonstruktion, in und auf deren Schlaufen, die Jungs im wahrsten Sinne des Wortes todesmutige Sprünge wagten. Ihr zweiter Akt war eine spannende Hochseilkür, die sie mit einer menschlichen Pyramide fast bis zur Decke des Zelts krönten. 

Eindeutige Highlights waren die atemberaubenden Vorführungen menschlicher Körperbeherrschung an den Strapaten, zwei von der Decke hängenden Stoffbändern. Viktar Shainoha demonstrierte als fliegende Punkfee nicht nur einen perfekt gestylten Irokesen, sondern auch eine beispielhafte Athletik. Das Duo Turkeev setze die Strapaten für ihre leidenschaftliche Choreographie einer Liebesgeschichte ein, in der ihre Körper ein emotionales Tauziehen um körperliche Nähe und Ferne in schwindelerregendem Höhen auslebten. Der größte Nervenkitzel des Abends wurde von Alain Alegria am Trapez geboten. Sein Balanceakt auf diesem weit schwingenden, dünnen Stab ließ das Publikum den Atem anhalten. Eine besonders reizvolle Einlage kam von zwei sehr biegsamen Damen. Mit einem erotischen Tanz am Rande eines großen Wasserkelchs, verdeutlichten sie stilvoll die unleugbare Ästhetik eines kraftvollen Körpers. Für die Lacher des Abends sorgte Patrick Lemoine mit seinen zwei Auftritten. Der Mann bewies nicht nur eine flinke Zunge, sondern auch flinke Hände bei seiner Comedy Jonglage. Sein komödiantisches Talent gipfelte bei seiner Persiflage eines indischen Fakirs. 

Das Motto der Show war „Farblos“. Die Idee dahinter, ein schillernder Akrobat braucht kein buntes Kostüm, um zu glänzen. Der Fokus soll auf den Artisten selbst gelenkt werden. Daher traten alle in schwarzen, schlichten Outfits auf. Das Konzept war überraschend stimmig, da man die Artisten deutlich unmittelbarer und nahbarer empfand.  Dennoch muss man einräumen, dass einige hochstilisierte Bewegungen dadurch an Grazie verlieren. Der Tanz eines Paradiesvogels mit bunten Federn wirkt ungleich eindrucksvoller als wenn er von einer Amsel aufgeführt wird. 

Alles in Allem brillierten die Artisten von Flic Flac mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Athletik, Humor, Erotik und Unterhaltung. Fein abgestimmte Musik und stimmige Lichteffekte erhoben das Programm zum großen Kino. Das Ende überraschte noch einmal. Es gab völlig verdiente Standing Ovations. 

Flic Flacist noch bis 2.9. in Göttingen und gibt täglich eine (oder zwei) Shows. 

weiterführende Links:



Kommentare powered by CComment

Figurentheatertage

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok