Kunstverein

„Drift and Shift“ – Begriffe im Titel der Ausstellung von Dunja Herzog und Ayami Awazuhara, die verschiedene Arten der Bewegung bezeichnen und damit genau das Kernthema der Ausstellung treffen. Dunja Herzog und Ayami Awazuhara zeichnen sich durch ihr gemeinsames Interesse an Objekten und der Auseinandersetzung mit der Transformation derselben aus.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung gaben die beiden Künstlerinnen Einblicke in die Hintergründe ihrer eindrücklichen Projekte. Nach einer kurzen Eröffnungsrede führte Kuratorin Tomke Braun durch die Ausstellung, beginnend mit einer früheren Installation von Ayami Awazuhara mit dem Titel „Possible Woods“ (2017). Die Inspiration für die beeindruckende von der Decke herab reichende Installation aus Metall und Wolle erlangte sie während ihres Aufenthaltes in Costa Rica und ihrer Wahrnehmung der von Dschungeln geprägten Landschaft. Sie widmete sich der Frage, welch unterschiedliche Beschreibungsmöglichkeiten für Objekte und Landschaften existieren. Schwerunkt ihres Ausstellungsparts ist zudem das Thema Wasser. Glasplatten mit aufgedruckten Fotografien schmücken die Wände und erlangen im Flair der Räumlichkeiten des alten Rathauses ihre volle Wirkung. Als Mittelpunkt ihrer Bilder wählte sie sowohl historische als auch moderne Brunnen, wie in Kaufhäusern, mit der Absicht, den Wandel der Funktion zu verdeutlichen: vom Treffpunkt durch Wasser und Geräusch zum Wohlfühlobjekt, einem bewussten Nutzmittel inmitten der Konsumwelt. Auch in Form einer Videoperformance setzte sie sich mit dem essentiellen Element Wasser auseinander – mit klaren wie eindrücklichen Elementen der Darstellung. In einem weiteren Film präsentiert sie eine Art Kartografie der Stadt Berlin, in der sie Geschäfte mit Ländernamen filmte und visuell die unterschiedlichen Ursachen dieser Namensgebung thematisiert.

Den zweiten Schwerpunkt der Ausstellung beinhalten die Projekte von Dunja Herzog und ihrer Auseinandersetzung mit dem Rohstoff Kupfer. So lässt sie bewusst unterschiedliche thematische Stränge in nur einem Raum aufeinandertreffen. Mit einer Großaufnahme des Bernard Koenen Schacht 2 (im Harz), in dem noch bis 1990 Kupfer abgebaut wurde, stellte sie einen Bezug zum Göttinger Umland her. Auch das aus der ethnologischen Sammlung in Göttingen stammende 2. Exponat birgt einen direkten Bezug zur Stadt – eine Manilla – ein historisches Zahlungsmittel, das im europäischen Handel mit Westafrika Verwendung fand und auch als „Sklavengeld“ bekannt ist. Der Raum stellt die Reflexion ihrer Recherche dar und thematisiert dabei auch die historischen Zusammenhänge, die es sich lohnt, bei einem persönlichen Besuch der Ausstellung selbst zu ergründen, ebenso die Bedeutung des 3. Exponats: ein leeres Regal an der Wand. Besonders beeindruckend ist jedoch Herzogs Schmuckausstellung, die bereits im Eingangsbereich alle Blicke auf sich zog und auf einem von ihr eigens an den Stil der Ausstellungsräume angepassten 9m langen Tisch drapiert wurde. Es sind zahlreiche aus Bronze gegossene Schmuckstücke, die mit ihrer klaren und zart geschwungenen Form die Augen der Anwesenden faszinierte. Auch hier befasste sich Herzog mit der Herkunftsgeschichte des Materials in ihren Händen. Alle ausgestellten Schmuckstücke sind an bestimmte Bedeutungssysteme angelehnt (Krause).

Eine sich lohnende Ausstellung, deren Eröffnung mehr Gäste beiwohnten als die Beteiligten selbst erwartet hatten, und die durch ihre positiv schlicht und klar gehaltenen Strukturen lebendig und ausdrucksstark wirkt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Oktober 2018 in der oberen Ausstellungshalle im Alten Rathaus zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag 11-17 Uhr

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