Nikolausberger Musiktage

Am vergangenen Montag füllten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Klosterkiche in Nikolausberg, um gemeinsam das Abschlusskonzert der 4. Nikolausberger Musiktage zu begehen. Das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Hans-Henning Vater und der Göttinger Knabenchor hatten geladen.

In vielfacher Hinsicht stach Carl Friedrich Ernst Rudorffs Lobet den Herrn, lobet ihr Knechte des Herrn (CFR-WV 14) im Programm heraus. Zum einen ist Rudorff der einzige Komponist des Abends, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte, während Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Henry Purcell und Michel Pignolet de Montéclair gespielt und gesungen wurden, die allesamt in der Barockzeit gelebt und gewirkt hatten. Rudorffs Satz hebt sich außerdem dadurch vom restlichen Programm ab, dass er mit einem Chor und einer Gesangssolistin besetzt ist.

Der Göttinger Knabenchor, mit dem Michael Krause die Sätze einstudiert hatte, musizierte gemeinsam mit Barockorchester und Sopranistin Julia Kirchner. Zu Beginn dynamisch ungleich gewichtet, fanden Orchester, Chor und Sopranistin bald in einen gemeinsamen Klang. So strahlte Kirchners Sopran in seiner Klarheit, übertönte dennoch nicht Chor oder Orchester und zeichnete sich aus durch Wärme und Klangfülle. Dieser besonders beeindruckende Klang der Sopranistin zog sich durch die gesamte Kantate. Das Dirigat des Satzes hatte Antonius Adamske inne, der auch Initiator des Festivals ist – und das Werkverzeichnis Rudorffs erstellt hat. Am 6. Oktober wird Adamske Rudorff noch einmal mit dem Barockorchester aufführen, und zwar in der St. Johanniskirche, an der Rudorff im 18. Jahrhundert Kantor war.

Auch das weitere Konzertprogramm gestaltete sich ganz im Sinne eines Abschlusskonzerts in seiner Festlichkeit: er erklangen die Trompetensonaten in D-Dur von Telemann und nach der Pause die von Purcell. Diesen festlichen Effekt erzielte nicht nur die so gern zu diesem Zweck eingesetzte Trompete – Rupprecht Johannes Drees intonierte gut und fügte sich, ähnlich der Sopranistin, trotz Brillanz mit Feingefühl in den Gesamtklang sein. Festlichen Charakter erzeugte zum anderen die Stückauswahl, geprägt von Loben, Jauchzen und Ehrerweisung.

Michel Pignolet des Montéclairs Le Retour de la Paix, Cantate á voix seule, schuf einen Kontrast hierzu und ließ durch die nicht tonale, aber emotionale Tiefe insbesondere der Moll-Passagen die Ernsthaftigkeit des Lobpreisens erkennbar werden. Die „Zweiheit von Beziehung“, von der Adamske in seinem Editorial des Programms spricht, kommt hier zum Ausdruck. Adamskes Zweiheit zielt auf die Bewegung zwischen dem Ganzen des Beziehungsgeflechts und dem Besonderen, dem Einen, dem Wahren ab. Ebenso lässt sich der Begriff der Beziehung abbilden in der Ambivalenz des Lobens und Preisens, dessen Festlichkeit und Strahlen auch die Tiefe, die Dunkelheit und die Ernsthaftigkeit braucht.

Dieses Verhältnis zeigten die Musikerinnen und Musiker im Abschlusskonzert auf und traten in Beziehung zueinander – und zu einem begeisterten Publikum. 

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