St. Jacobikirche

Bei den Internationalen Orgeltagen in der St. Jacobikirche durfte auch das Cembalo strahlen. Mit feinsinnigen Verzierungen, eleganten Klangfarben und gelegentlich auch mal im Stil höfischer Pracht. Zum 350. Geburtstag von François Couperin gab auch einen festlichen Anlass für Cembalistin Sabine Erdmann, sich den Werken des französischen Barocks zu widmen. Allen voran den Kompositionen Couperins, der als Hofkomponist Ludwigs XIV. nicht nur ungeheuer produktiv war, um die adelige Gesellschaft zu festlichen Ereignissen bei Laune zu halten. Er verstand sich auch auf Extravaganzen, die den eher ernsten französischen Stil mit spielerisch beschwingenden Motiven aufzulockern vermochten.

Gleich zum Auftakt des Festkonzertes erklang dann auch Couperins erfrischende musikalische Reflektion, die Erdmann zum Leitmotiv für das Festkonzert gewählt hatte, „Les Baricades Misterieuses“. Belebend mutet dieses Wechselspiel der Melodiefarben und der rhythmischen Aperçus an, das die Cembalistin offenbar auch als virtuoses Vergnügen betrachtet, wenn sie die die feinen Klangfigurinen schwungvoll ausschwärmen lässt.

Zum Festkonzert für François Couperin hat die Musikerin natürlich auch  Zeitgenossen des Komponisten eingeladen, die die Ära des Sonnenkönigs musikalisch prägten und den höfischen Geschmack mit seinen Klangvorlieben nuancierten. Zu ihnen gehörte auch Couperins Onkel Louis mit dieser hinreißenden Cembalo Suite, in der die Saiten offenbar Flügel bekommen, wenn sich Sabine Erdmann dem „Prélude à L’imitation de Mr. Froberger“ widmet. Der Zuhörer kann in glockenhellen Klangbildern schwelgen, um sich in den nachfolgenden Sätzen von Couperins Klangmalereien bezaubern zu lassen und dem charmanten Vergnügen, das die tradierten höfischen Tanzrituale eben auch vermitteln.

Festlich geht es weiter und vor allem vergnüglich, mit François Couperins Impressionen von einem Maskenball „Les Folies francoises ou le Dominos“. Da möchte man dem Komponisten durchaus ein fein ironisiertes Augenzwinkern andichten, so wie er den höfischen Jahrmarkt der Eitelkeiten in eine wunderbar kurzweilige Portrait Galerie verwandelt. Das vergnügt auch die Cembalistin, die

jeden Auftritt humorvoll nuanciert gestaltet und mit ihrem Instrument jetzt sogar ein bisschen Konfetti aufwirbelt. Vorstellbar wäre es, wenn „Die Schamhaftigkeit“ ihren zeremoniellen Begrüßungsauftritt hat, „Die Eifersucht“ das Maskenspiel in Gelb zelebriert und dann die „Die Koketterie“ in Couperins Klangminiatur schillert.

Mit seinen „Variations sur les folies d’Espagne“ brachte Jean-Henri d`Angleterre vielleicht sogar ein bisschen mediterranes Flair in die Ballsäle von Versailles. Dem „La Folia“-Leitmotiv verleiht Erdmann noch einen Hauch von höfischer Eleganz, um dann mit den Variationen wie durch eine musikalische Farblandschaft zu flanieren, die von Erdtönen durchwirkt sind und von kleinen sonnigen Klanginseln.

Mit Gaspard Le Roux und seiner Chaconne F-Dur kehrt wieder höfisches Flair in die Jacobikirche ein. Auch das zu Ehren des Hofkomponisten  Ludwigs XIV, dem Sabine Erdmann mit Ausschnitten aus seiner „Huitiemme Ordre Suite h-Moll“ das festliche Finale zu seinem 350. Geburtstag zugedacht hat. Wieder macht sie ihr Publikum hellhörig für die kleinen Extravaganzen, mit denen Couperin den französischen Stil so fantasievoll und feinsinnig modulierte. Nach dem zeremoniell anmutenden Auftakt mit seinen eleganten Verzierungen, bekommt die Allemande ein wärmendes sanftes Kolorit. Anmutig schimmert das Cembalo bei der Courante und auch die Sarabande hält sich nicht an den gravitätischen Duktus, weil ja im anschließenden Rondeau wieder das spielerische Vergnügen lockt, wo die Motive sich heiter umgarnen und wechselseitig beschwingen. Zum einem festlichen Finale gehört natürlich auch ein bisschen Pomp und Pathos mit der Passacaille aus Couperins h-Moll Suite. Prunkvoll lässt Sabine Erdmann das Cembalo zu seinem 350. Geburtstag strahlen. Das hätte neben dem Hofkomponisten sicherlich auch seine königliche Majestät entzückt, so wie nun das Publikum in der St. Jacobikirche.

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