St. Jacobi

Kantor Stefan Kordes hat zum 25. Jubiläum der „Internationalen Orgeltage St. Jacobi“ zu einem großen Festkonzert eingeladen: gemeinsam mit dem Göttinger Symphonie Orchester und dem Organisten Daniel Roth wurden Werke von Camille Saint-Saëns, César Franck, Claude Debussy und Francis Poulenc zur Aufführung gebracht.

Einen Ausflug nach Paris versprach Kordes bei seiner kurzen Einführung. Das Orgelwerk gleich zu Beginn (Prélude et fuge Es-Dur op. 99/3) komponierte Camille Saint-Saëns allerdings in Las Palmas. Gewidmet wurde dieses groß angelegte dritte Werk der Sammlung dem Organisten von Saint-Eustache, womit wir wieder in Paris wären. Daniel Roth (Organist an St. Sulpice in Paris) brachte durch Registrierung und sein Spiel die Klarheit vor allem in der vierstimmigen Fuge besonders gut zum Klingen. Vor allem ab der triumphalen Coda dieser Konzerteröffnung war man gespannt auf das Hauptwerk des Abends, dem Orgelkonzert von Francis Poulenc. Das sollte aber erst 90 Minuten später erklingen.

Zuvor standen zwei Orchesterwerke auf dem Programm: die Symphonie d-Moll von César Franck und das „Prélude à l’Après-midi d’un faune“ von Claude Debussy. César Franck (1822–1890) verwendete in dieser späten Komposition (1888) eine sehr originelle und besondere Klangsprache. Weil sie weder Vorbilder bei anderen Komponisten hatte noch Nachahmer gefunden hat, übt sie eine besondere, einzigartige Faszination aus. An diesem Abend war deutlich zu spüren, dass der Organist Stefan Kordes die Werke von Franck kennt und schätzt. Mit großem Einfühlungsvermögen gestaltete er diese Musik mit ihren zahlreichen Modulationen und ihrer dichten Kontrapunktik sehr emotional und fließend. Damit hat er der Musik einen großen Gefallen getan, denn das Ergebnis war ein großes, emotionales Konzerterlebnis. Die Zuhörerinnen und Zuhörer in der gut besuchten Jacobikirche konnten sich ganz und gar den wunderbaren Melodien der einzigen Symphonie von César Franck widmen. Im bestens aufgelegten Göttinger Symphonie Orchester tat sich hierbei besonders Viorel Bindila am Englisch Horn hervor.

Nach der Pause erklang die Musik von Claude Debussy – beginnend mit dem traumhaften Flötensolo von Bettina Bormuth. Auch hier gelangen es Kordes und dem Orchester, die musikalischen Impressionen mit großer dynamischer Bandbreite herauszuarbeiten.

2018 09 14 orgelkonzert jacobi3Und dann war es endlich soweit: Poulencs Konzert für Orgel, Streicher und Pauken. Dieses bedeutende, farbenreiche und zumindest in Göttingen selten zu hörende Werk hätte – wie die anderen Werke des Abends – durchaus eine entsprechende Würdigung im Programmheft verdient gehabt. Dort wurde leider mit keiner Zeile auf das Konzertprogramm eingegangen. Schade.

Fulminant präsentierte Daniel Roth das Thema in den ersten Takten. Die Pauken antworten umgehend – und hier zeigte sich nicht nur das große Können des GSO-Paukisten Johannes Karl. Daniel Roth registrierte die große Ott-Orgel der Jacobikirche traumwandlerisch sicher: die Klänge von Orgel und Pauken waren ebenso fein abgestimmt wie die Klänge mit den Streichern. Die Instrumente gaben sich akustisch die Hände – was aufgrund der räumlichen Entfernung in der Kirche schon ein Meisterstück an sich ist. Roth setzte eine Vielzahl von Klängen an der Orgel ein – genauso wie es Poulenc für das Orchester auch vorgesehen hat. Hier bekommen immer wieder andere Instrumentengruppen ihre besonderen Aufgaben. Besonders beeindruckend der große Auftritt der Cello-Gruppe im Lento.

Am Ende tobte die Kirche. Nicht enden wollender Applaus galt vollkommen zu Recht allen Mitwirkenden, allen voran Dirigent Stefan Kordes und dem Gast aus Paris Daniel Roth. Der verschwand nach einem kurzen Verbeugen schnell wieder auf der Orgelempore, um noch eine fulminante Zugabe zu spielen: das Finale der 7. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor. Was für ein Erlebnis!

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