Niedersächsischen Musiktage

Die diesjährigen Niedersächsischen Musiktage stehen unter dem Motto „Beziehungen“ und so war denn auch das Konzert der King’s Singers in der St. Sixti-Kirche in Northeim am Sonntag mit „Langzeitbeziehungen“ betitelt, denn das Ensemble feiert in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen. Das Programm bestand folgerichtig aus einer Reise durch die Geschichte des Ensembles und der a capella-Literatur.

Es war eine kleine Auswahl der Lieblingsstücke der King’s Singers, bestehend aus einer Mischung von „best of“ von Renaissance über Romantik bis Volkslied zusammen mit einer ganzen Reihe von Kompositionen, die speziell für dieses Ensemble geschrieben wurden. Auch der aktuellen Besetzung, die sich von der Stimmverteilung von der Gründungsformation nicht unterscheidet mit zwei Countertenören (Patrick Dunachie, Timothy Wayne-Wright), einem Tenor (Julian Gregory), zwei Baritonen (Christopher Bruerton, Christopher Gabbitas) und einem Bass (Jonathan Howard), merkt man die Herkunft aus der englischen Chortradition deutlich an. Stimmschulung und -beherrschung in Perfektion, ein fein austarierter Ensembleklang, bei dem aber dennoch jede Stimmfarbe klar definiert ist, machen das Charakteristikum aus. Und wenn man sich das eng getaktete Tourneeprogramm anschaut, das im Jubiläumsjahr noch emsiger als sonst scheint, ist es äußerst bemerkenswert, wie die Freude am gemeinsamen Musizieren der sechs immer wieder sichtbar und hörbar wird. Auch wenn alle Effekte – die musikalischen und die darstellenden – bis ins Kleinste einstudiert sind, so hat man doch nie das Gefühl, dass hier ein Programm abgespult wird. Im Gegenteil: der typisch britische Spaß vor allem am gehobenen Nonsense übertrug sich sofort auf das gesamte Publikum. Dieses war so begeistert, dass nach jedem Stück ausdauernd applaudiert wurde, was dann bei Toru Takemitsus „Handmade Proverbs“ zu dem Hinweis führte, dass diese kleinen Stückchen, basierend auf vier Haiku, doch bitteschön direkt hintereinander zu hören seien. Vor der Pause erklangt nicht das angekündigte neue Jubiläumsstück „Quintessentially“ von Joanne und Alexander L’Estrange, sondern „Time Piece“ von Paul Patterson, einer Schilderung der Schöpfungsgeschichte und der ersten Tage im Paradies, in denen die Armbanduhr Adams zu verwirrenden Entwicklungen führt, bis Gott ein Machtwort spricht. Auch hier erwiesen sich die sechs Sänger als mit allen musikalischen Wassern gewaschen, oder um es mit den Worten des Stückes zu sagen: shockproof, waterproof…

Im zweiten Teil des Programms wurden vor allem beliebte Close-harmony Klassiker und Stücke aus dem leichteren Repertoire gesungen. Die Klammer zum ersten Teil bildete als Referenz an die Historie des namengebenden Colleges die Vertonung des Textes „Domine, Jesu Christe“ von King Henry VI, dem Gründer des King’s Colleges in Cambridge. Der Text hatte den Abend in einer Komposition von Henry Ley eröffnet und erklang nun in einer Vertonung von Nico Muhly. Daran anschließend gab es ein vorwiegend heiteres Programm bestehend aus Beatlessong, schottischen Volkslied und amerikanischen Spiritual. Der stürmische Applaus und Standing Ovation zeigten die Begeisterung des Publikums und wurden mit zwei Zugaben belohnt: Rossinis Ouvertüre zum Barbier von Sevilla und als Ausklang Billy Joels „Goodnight my Angel“.

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