GSO

Es war ein ungewohnter Anblick, der sich den Gästen beim Betreten des Konzertsaals in der Lokhalle am Samstagabend bot: quer über das Podium reihten sich im vorderen Bereich die unterschiedlichsten Schlaginstrumente. Mit dem Konzerttitel „Feurig“ hatte das Göttinger Symphonieorchester wahrlich nicht übertrieben. Intensive und schlagfertige Klänge erfüllten die Halle.

Als melodisch einstimmenden Auftakt präsentierten die Musiker unter der Leitung von Roger Epple zunächst die hinreißenden wellenartigen Klänge der Hebriden-Ouvertüre op. 26 von Felix Mendelssohn (1809-1847). Wunderbar leicht und harmonisch nahmen Epple und die Musiker das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch die Inselwelt der Hebriden, wie Mendelssohn sie in damaliger Zeit empfunden hatte. Im Einklang zeigten sich die Trompeten und Flöten in sanfter Gesellschaft der Streicher. Immer wieder erzeugten sie Spannungsbögen, die sich in stürmischen, voluminösen Wogen der Pauken entluden. Eine lebendige Vielfalt landschaftlicher Eindrücke und Stimmungen, die vom Orchester äußerst gelungen präsentiert wurde.

Als Kernstück und Highlight des Abends folgte „Veni, veni Emmanuel“ für Schlagwerk und Orchester“ von James Macmillan (*1959), ein sehr modernes und experimentell wirkendes Werk, das von dem jungen Schlagzeuger Richard Putz phänomenal gespielt wurde. Mit vollem Elan bewegte er sich von Instrument zu Instrument über die ganze Bühne, beginnend mit einem lauten Gongschlag, hin zu schnellen Schlägen auf allerlei unterschiedlichen Trommeln und schließlich zu hellen, warmen Klängen des Xylophons. Es war ein faszinierender Anblick und eine unglaubliche Fülle unterschiedlicher Klangeffekte, ein musikalisches Kunstwerk, das im Hintergrund mit dem stimmigen Spiel des Orchesters untermalt wurde. Nach und nach ebbten die verwobenen Passagen ab und gingen in sanftere Melodien über, verweilten dort aber nicht sehr lange, sondern entluden sich in einem explosiven Tosen der Posaune. Kurz vor Schluss erzeugte das Orchester ein beeindruckendes Klingen, ähnlich dem Klang von zahlreichen Triangeln, atmosphärisch und beseelt.

Richard Putz zeigte sein Können mit Perfektion, Konzentration und Feingefühl. Selbst in den schnellsten Tempi tat er jeden Schlag mit voller Aufmerksamkeit. In der stillen Kommunikation zwischen Putz und Epple waren die gemeinsame Freude, musikalische Leidenschaft und die gegenseitige Bereicherung durch das gemeinsame Wirken spürbar. Begeisterten Applaus bekam Putz nicht nur von Seiten des Publikums, sondern auch von allen GSO-Musikern, mit schwingenden Bögen der Streicher. Als besondere Zugabe erklangen die ursprünglich für das Klavier komponierten „Sechs rumänischen Volkstänzen“ des ungarischen Komponisten Béla Bartók (1881-1945). Putz spielte zusammen mit GSO-Schlagzeuger Sergey Mikhaylenko, seinem langjährigen Duopartner, auf Vibraphon und Marimbaphon. Eine erneut brillante Leistung. Auch wenn die Lokhalle für die Konzerte des GSO stets eine akustische Herausforderung bedeute, erwiese sie sich für die Klangwirkung des gespielten Werks an diesem Abend als geradezu ideal.

Heiter folgte nach der Pause die Symphonie Nr. 9 Es-Dur op. 70 von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975). Flink zeigte sich die Piccoloflöte, zart die Triangel, rhythmisch die Trommel, fanfarengleich die Posaunen. Das Moderato wurde von einer wunderbar klar gespielten Melodie der Klarinette eröffnet und ging in ein gemeinsames Tänzeln mit der zweiten Klarinette über. Gemeinsam mit Flöte, Oboe und den Geigen ergab sich ein melodisches Hin- und Herschwingen, mit schöner Untermalung der Celli. Die wachsende Spannung gipfelte im Largo dramatisch im bedrohlichen Tosen der Posaunen, die sich jedoch bald im Wechsel mit dem ruhigen, berührenden Spiel des Solo-Fagotts verlor. Ein sehr lebendiges Stück mit erneut wechselnden Stimmungen, die durch das gelungene Zusammenwirken von Epple und den GSO-Musikern im Saal spürbar wurden. Das Publikum dankte mit begeisterten Ovationen, die vom Orchester mit zwei Schostakowitsch-Zugaben erwidert wurden.

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