Deutsches Theater

Das von Johanna Schwung inszenierte Bühnenstück Enigma, des Autors Eric-Emmanuel Schmitt beginnt abrupt. Zwei Männer rennen, sich hinter einen langen Steinquader werfend, auf die Bühne. Der Quader, eigentlich ein Holzkasten, der einerseits als Tisch, Sitzgelegenheit und Mini-Bar multiple Aufgaben des Bühnenbilds (Johannes Frei) übernimmt und dabei nahezu der einzige räumliche Fixpunkt der Aufführung bleibt, dient ihnen als Deckung vor vermeintlichen Schüssen. 

Schnell wird klar, die beiden Männer kennen sich nicht, stellen sich als Abel Znorko und Erik Larsen vor, gespielt von Florian Eppinger und Ronny Thalmeyer.

Doch wie sind sie zusammengekommen und wo befinden wir uns als Zuschauer gerade in der Erzählung und im szenischen Raum? Darauf sollen die nächsten Dialoge eine Antwort geben. Mit erstklassiger schauspielerischer Leistung verkörpern die beiden Darsteller ihre Figuren, glänzen zwischenzeitlich sogar mit solch einer feinfühligen Intonation sowie mit ihrem körperlichen Ausdruck, dass man sich als Zuschauer förmlich hineingezogen fühlt in den stets angeregten Dialog. Kombiniert mit der Unmittelbarkeit, die zwischen Publikum und Bühne im Keller-Saal des Deutschen Theaters herrscht, wird der Rezipient Teil des Geschehens. Gespielt wird in den Gängen zwischen den Besuchern, im Außenbereich hinter dem Theaterraum als auch am Klavier vor der Bar.

An letzterem sitzt Erik Larsen nachdem er offenbarte, dass er nicht der Reporter sei, der den Autor und Literaturnobelpreisträger Abel Znorko eben noch zu seinem letzten Bestseller interviewen wollte, sondern mit der in Znorkos Buch genannten Frau eine Beziehung pflegte, wie Znorko vor ihm.

Diese Gemeinsamkeit verbindet die beiden doch so unterschiedlichen Personen fast zu einem eigenständigen schizophrenen Menschen, der in seinem Inneren einen Kampf gegen sich selbst und seine Identitäten führt. Der eine ist Aufreißer und lässt seine große Liebe gehen, der andere ist Liebender und ertrinkt in der Liebe zu derselben Frau.

Znorko ist der reiche Star am Literaturhimmel, der Schuldige, der Einsame und wird auf seiner Insel von Larsen, als der profane, anklagende Großstädter heimgesucht. Ihre Unterschiede korrelieren in der gemeinsamen Vergangenheit in Form der von beiden geliebten Frau, die nun schon längst gestorben war. Der vermeintlich innere Monolog zweier Persönlichkeiten als äußerer Dialog realer Personen, wird schließlich durch den Mord am gegenüber beendet.

Ein Schuss ertönt außerhalb des Theaterraums, ein zweiter in direkter Folge, nachdem die Darsteller die Bühne verlassen haben. Tosender Applaus und mehrmaliges Auflaufen auf die Bühne, bis der Beifalls schließlich nach gefühlten zwanzig Minuten abebbt, sprechen für die gelungene Darbietung.

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