Kammerchor con anima

 „... Die Himmel erzählen“. In diesem Fall erzählten sie mit 27 Sängern des Kammerchors con anima unter der Leitung von Jan Scheerer. Das Konzert stand im Zeichen von Musik, die eine Brücke zu einer anderen Welt schlägt. Im Zentrum stand der Psalm 19 „Die Himmel erzählen“, vertont von Heinrich Schütz und 300 Jahre später von Heinz Lau.

Diese Motette aus der „Geistlichen Chormusik“ von Heinrich Schütz ist definitiv ein musikalisches Juwel. con anima phrasierte ihn maßgeblich durch eine feine Abstimmung von Crescendi und Decrescendi, bei denen die einzelnen Stimmen sehr ausgewogen ineinandergriffen, aber setzte nur dezente metrische Akzente, was dem Stück einen fließenden, aber auch etwas geradlinigen Charakter verlieh. Die Version von Heinrich Lau ist angelehnt an das Vorbild. Sie behält die Metrik bei und den verherrlichenden Gestus, formt aber mit einem deutlich dichteren Klangkörper und verzierenden Elementen eine gänzlich verschiedene Dynamik und Klangfarben.

Das Werk von Rudolph Mauersberger „Wie die Stadt so wüst“ markierte sicherlich den dunkelsten Programmpunkt. In der Erinnerung an die Bombardierung von Dresden schuf er ein Stück, in dem geballte Trauer und Unverständlichkeit konzentriert sind. Hier kam zum ersten Mal die ganze klangliche Kraft des Chores zum Ausdruck, die vorher noch gezügelt wirkte und sog einen in die düstere Emotion, die im festen Flüstern verhallte. Im Gegensatz dazu war Bachs „Singet dem Herrn ein neues Lied“ gezeichnet von einem lichten, festlichen Stil, dessen erfrischender Charakter durch die feine Akzentuierung des Chors gut zum Tragen kam.

Zu Höchstform lief der Chor bei Enojuhani Rautavaaras „Die erste Elegie“ auf. Dieses eindeutig anspruchsvollste Stück des Abends vertont ein Gedicht von Rilke über Schrecklichkeit der Engel. Der Komponist verwob den sehr bildgewaltigen Text in einen stetig fließenden Teppich von hochkomplexem Gesang. Die ausgeprägten Soloparts jeder Stimmgruppe von con anima offenbarten deren hohe Qualität. Jan Scheerer leite den Chor durch die schwierigen Wendungen des Stücks und führte den Strom des Klanges sicher wie ein Kapitän sein Schiff.

Eingerahmt wurde das Konzert von atmosphärischen Beschreibungen der Natur in den zart aber durchdringenden Klängen von Ildebrando Pizzettis „Cade la sera“ und dem sehr besinnlichen „Aftonen“ von Hugo Alfvens, das das Konzert mit einer Zuversicht verströmenden Klangfarbe beschloss.

Die Chormusik wurde bereichert durch Flötenstücke, gespielt von Martha Basten, die sich an das Thema des Transzendentalen anlehnten und das Konzert angenehm abrundeten. Zuerst präsentiert sie drei Auszüge aus „Les chants de nectaire“ von Charles Koechlin.  „La Nuit“ und „La plainte humaine“ waren zwei sehr besinnliche Stücke, die sie mit bemerkenswerter Weichheit spielte. Sie bestachen durch ihre Sequenzen von lang gehaltenen Tönen, die der Melodie einen mystischen Charakter verliehen. In „L‘ heureux petit berger“ gestaltete Martha Basten die flinken Läufe sehr animierend, aber endete in einer geruhsamen Note. „Mei“ von Kazuo Fukushima markierte einen besonderen Programmpunkt, da es sich in Harmonik und Tonalität von den anderen Stücken stark unterschied. Langegezogene, wehmütige Klänge und plötzliche, schrille Tonwendungen der Flöte sollen die Geister der Toten erreichen und entfesselten eine intensive Dramatik.

Insgesamt erbaute das Konzert mit einer abwechslungsreichen Selektion an himmlischen Stücken. Der Chor präsentierte die Werke mit ausdruckstarken Phrasierungen und einem schlanken, helle Klang. Die sanften Flötenklänge ergänzten thematisch und atmosphärisch den Gesang. Zusammen boten sie der gut gefüllten Nikolaikirche einen Nachmittag, der nur hoffen lässt, dass die Musik im Himmel so schön wie auf Erden ist.

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