Deutsches Theater

Der Tatort Soundtrack lässt bereits ahnen, dass bei dieser DT NachtBar auch kriminalistischer Spürsinn gefragt ist. Die Zuschauer wissen bereits, dass es um Simon R. geht, der im vergangenen Herbst bei der DT-X Party zu Preisträger gekürt wurde und dass ihm die Theatermacher eine ganz besondere NachtBar versprochen haben. Dann überrascht sie Leonie Rebentisch mit der Nachricht, dass es für diesen improvisierten Abend kein fertiges Skript gibt und die Schauspieler auch erst spontan erfahren, welche Rolle sie in der Geschichte von Simon R. eigentlich spielen. Zwischen Kostümständer und Requisitenregal kursieren verschlossene Umschläge bis zum nächsten Überraschungscoup.

Die DT-Regieassistentin hat natürlich ein Skript zur Hand und spätestens nach den ersten Zeilen wird klar: es handelt sich um das Drehbuch für den Göttinger Tatort, mit der Beschreibung von Kameraschwenks auf lokale Schauplätze und viel atmosphärischer Optik. Als renitentes Ermittlerduo haben nun Gerd Zinck und Andrea Strube ihren ersten großen Auftritt, wie sie als Hauptkommissar Perndt Stempel und als übellaunige Gastkommissarin Beate Furtwängler die drögen Drehbuchdialoge nach allen Regeln der Kunst schreddern. „Alles 100 Prozent echte Tatortzitate“ versichert Leonie Rebentisch, die den schrägen Krimiplot mit Schauspielerin Gaia Vogel entwickelt hat.

Nach Kämpfen mit geschnippelten Möhren und Heuschnupfen, verrückten Aktenordnern und reichlich Katerstimmung geht es nun um die knallharten Fakten. Simon R. wird seit drei Tagen vermisst. Wo steckt der 27jährige Student der Agrarwissenschaft, der bereits als bester Angler Niedersachsens Furore machte, bevor er zum DT-Preisträger wurde? Furtwängler plädiert für Suchtrupps und Hubschrauber mit Wärmebildkamera während ihr Kollege lieber an Krankenhäusern und Babyklappen nachfragen will. Das Publikum giggelt weiterhin vergnügt, wenn schließlich die Ansage kommt, wir nehmen den Bus.

Natürlich werden Freunde und Verwandte von Simon R. von unter die Lupe genommen. Vor allem aber geht es nun um die vielen spontanen Verrücktheiten, mit denen das Schauspielteam seine Rollen ausstattet. Christoph Türkay als spielsüchtiger Bruder Johannes macht sich Sorgen um das Hochzeitscatering, dass ihm Simon eigentlich ausrichten wollte. Doch vor allem plagen den Computerfreak die Monster, die jetzt aus dem Bildschirm krabbeln. In der Wohnung des Vermissten erwartet das Ermittler-Duo keine wilden Grimassen sondern dessen höchst verdächtige Freundin Nicola, die Florian Donath mit einer abenteuerlichen Yoga Performance in Szene setzt. Doch Aller merkwürdigen Schleimspuren im Badezimmer zum Trotz nimmt die Spurensuche dann vor allem einen sportlichen Verlauf. Für die Befragung von Olafs Kumpel Fin lässt Rebecca Klingenberg ihre Schauspielkollegen reichlich Liegestütze stemmen, verweist auf einen geheimnisvollen Anrufer und dass der Vermisste auf der Suche nach einer Großküchenfritteuse gewesen sei.

Nicht minder verrückt geht es dann bei seinen Eltern zu, wo Daniel Mühe den mütterlichen Stolz über die Anglererfolge des Sohnes preist und Mirjam Sommer als Vater Anton in der sportlichen Familientradition schwelgt. Doch das Rätselraten geht weiter, unter Einsatz von Kettensägen, Gabeln, alten Playboy-Ausgaben und mit dem Hinweis auf ein pantomimisches Finale. Den gigantischen Berg toter Fische, der im Anglervereinsheim an der Northeimer Seenplatte lagert, bekommen die Zuschauer nicht zu sehen. Dafür erleben sie ein ebenso verrücktes wie unerwartetes Happy-End mit dem vermeintlichen Krimi Fall. Jetzt kommt endlich raus, was es mit der ominösen Großküchenfritteuse auf sich hatte und warum auf einmal Filetiermesser gezückt werden. Es ging die ganze Zeit um einen Fall von Anglerglück, das eben nur heimlich stattfinden konnte: Mit dem größten fangfrischen Fischbuffet für die geplante Hochzeit von Johannes.

Die Spur des vermissten Bruders haben die beiden Tatortermittler inzwischen auch endlich gesichtet. Natürlich mitten im Publikum. Das feiert jetzt den Helden dieser Bühnenfantasie und ein wunderbar absurdes NachtBar Spektakel, das mit Nonsens, Klamauk und vielen schönen Verrücktheiten begeistert.

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