Für die Leserinnen und Leser des Kulturbüros

Steh ich am Gemüsestand
mit dem Körbchen in der Hand,
guck ich dann ins Kühlregal
oder in die Fleischauswahl,
fallen mich Visionen an,
die ich nicht mehr bremsen kann.

Ist da nicht im Schinkenspeck
so ein schwärzlich grauer Fleck?
Liegt dort auf dem Emmentaler
nicht ein grüner anormaler
Schimmer. Und der Blumenkohl
ist doch bläulich. Vitriol?

Oder Blei? Wie dort im Lauch?
In den Frühlingszwiebeln auch?
EHEC selbst in Gentomaten?
Fadenwürmer in Salaten?
Kriechen bis ins Rückenmark?
Und im Joghurt und im Quark

Schimmelpilze, die mit Sporen
sich in meine Lunge bohren?
In der Butter nur Hormone?
Und das Brot ist auch nicht ohne?
Droh’n, wenn ich Makrelen esse
mir nicht überall Abszesse?

Hat man kürzlich irgendwo
nicht gewarnt? Im Radio?
In der Zeitung? Nein, genau,
kam ja in der Tagesschau.
Und danach da sah ich doch
diesen tollen Fernsehkoch,

der das Riesen-Schnitzel briet...
Himmel, krieg ich Appetit.
Richtig Hunger. Und rasant
treibt es mich zum Bratwurststand:
„Currywurst mir Pommes Schranke,
extra scharf!“ „Zweifuffzig.“ „Danke!“

Steht der Tod auch schon daneben,
diese Wurst ist noch das Leben.

Klaus Pawlowski

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