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Berufe am Theater

Jascha Fendel - Dramaturg am DT

Ich treffe Jascha Fendel an einem sonnigen Nachmittag an der Theaterpforte, von wo aus er mich in die Kantine des Theaters bittet. Eine gute Wahl, denn die Sonne taucht durch die großen Glasfenster alles in warmes, sonniges Licht und die Kantine ist leer, was wohl an den Umständen dieser Zeit liegt.

Jascha Fendel, schildert mir die Aufgabenfelder seines Berufes ausführlich. Und diese sind zahlreich, da das Berufsbild vielschichtig und facettenreich ist. Das liegt an den vielen Bereichen, mit denen Dramaturg:innen zusammenarbeiten und  an ihren vielen Tätigkeiten.

Das Dramaturgie-Team entscheidet gemeinsam mit der Intendanz über den Spielplan des Theaters. Dabei werden thematische Spielzeit-Schwerpunkte gesetzt, und es wird nach Stücken von gesellschaftspolitischer Relevanz gesucht. Es soll eine ausgewogene Mischung zwischen Klassikern der dramatischen Literatur und zeitgenössischen Stückvorlagen angeboten werden, die für alle Zuschauer:innen etwas zu bieten hat. Dabei wird, schildert Jascha Fendel, viel diskutiert, analysiert, abgewogen und gemeinsam enzschieden.

Deshalb, sagt Jascha Fendel müsse er als Dramaturg viel lesen. Dramaturg:innen sind, den Schilderungen nach, die Expert:innen für die literarische Qualität von Texten und ihre szenische Umsetzung. Lesen bildet deshalb einen so großen Teil der Arbeit, da nur ein Mensch, der einen großen Fundus an dramatischen Texten überblicken kann und breite Repertoirekenntnisse besitzt, die künstlerische Ausdruckskraft eines Textes im Hinblick auf seine Ästhetik und literarische Qualität zu beurteilen und einzuordnen vermag. Um den Text genau zu verstehen, sagt Jascha Fendel, müsse man auch das historische gesellschaftspolitische Moment mitdenken und gegebenenfalls Sekundärliteratur hinzuziehen.

In laufenden Produktionen arbeitet Jascha Fendel mit dem Regisseur konzeptionell zusammen und fungiert als „Qualitätskontrolle“ für die Stimmigkeit des Bühnengeschehens und die Texttreue. Treten textliche Missverständnisse auf, ist es seine Aufgabe, diese auszuräumen; weicht das Ensemble stark von der Textvorlage ab, will er dies begründet wissen. Ist es ein Experiment? Soll die Aussage der heutigen Zeit angepasst werden? Werden spannungsvolle oder konfliktträchtige Momente als solche wahrgenommen und umgesetzt? Ist er anfangs bei vielen Proben anwesend, besucht er diese im weiteren Verlauf nur noch punktuell. „Wir sagen“, meint Jascha Fendel, „der Dramaturg muss ein frisches Auge haben“, damit er in der Position des unbedarften Zuschauers Einschätzungen über die Inszenierung treffen kann. Wirkt das Geschehen stimmig und schlüssig? Ist eine bestimmte Szene lustig? Einschätzungen, die Regisseur und Ensemble, welche ständig an der Realisierung eines Theaterstücks arbeiten aus den Augen verlieren können.

Es ist eine zentrale Aufgabe des Dramaturgieberufs, den Text sowohl dem Regisseur als auch dem Ensemble und nicht zuletzt dem Publikum näher zu bringen und zu erklären. Jascha Fendel sieht es als einen der neueren Aspekte des Berufes, viel mit dem Publikum und der Öffentlichkeit in Verbindung zu stehen. In diesem Hinblick organisieren Dramaturg:innen Matineen und Stückeinführungen und führen Gespräche mit dem Publikum und Schulklassen. Dabei klären sie über lebensweltliche Bezüge historischer und anderer Texte auf und begründen Inszenierungsentscheidungen.

Aufgrund der vielseitigen Aufgaben wirken Dramaturg:innen als Berater:in und Vermittler:in zwischen den unterschiedlichen Instanzen und Bereichen der an Theaterproduktionen beteiligten Personen: Zwischen Intendanz und Regie, zwischen Regie und Ensemble, zwischen Ensemble und bzw. Regisseur:in und dem Text eines Theaterstücks. Und natürlich zwischen dem Theater und seinem Angebot und dem Publikum.

Auf die Frage, wie zeitintensiv diese facettenreiche Tätigkeit sei antwortet Jascha Fendel nicht genau, ist sich aber sicher: „Man muss das aus Leidenschaft tun.“

 

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