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Junges Theater

Das von Theaterpädagogin Kathrin Müller-Grüß und Dramaturg Christian Vilmar ausgearbeitete digitale Angebot für Schüler:innen hat dem Jungen Theater weitere 1.200 Gäste gebracht. So haben die 4.900 Gäste für eine Auslastung von 98% gesorgt.

„Wir hätten noch viel mehr spielen können“, ergänzte Dietrich. Doch dem kleinen Team hinter den Kulissen des Hauses war mehr Aufwand nicht zuzumuten. Aber auch mit diesen Zahlen ist das Leitungsteam zufrieden – auch wenn es als Privattheater in normalen Zeiten mit 40.000 Zuschauer:innen pro Spielzeit gut 50% des Etats einspielen. So waren es in der vergangenen Spielzeit immerhin 12.000 Zuschauer:innen.

Die Spielzeit 2021/2022 ist im Grunde fertig geplant. Verraten wurden aber nur die ersten Premieren ab dem 25. September: Das Kammerspiel von Daniel Kehlmann Heilig Abend, das Nico Dietrich selbst inszenieren wird. Die dramaturgische Fassung des Romans Unter der Drachenwand von Arno Geiger. Hier führt Christian Vilmar die Regie bei der Premiere am 2. Oktober. Und Tobias Sosinka bringt die mittlerweile achte Musikshow auf die Bühne. Dirty Old Town heißt die Uraufführung, die im November zunächst in der Lokhalle gezeigt wird, bevor das Junge Theater mit der Produktion verschiedene Spielstätten im Landkreis besuchen wird.

Es folgt dann noch ein Familienstück von Götz Lautenbach und Nico Dietrich nach Gottfried August Bürger: Die wunderbaren Abenteuer der kleinen Baroness Münchhausen zu Lande, zu Wasser und in der Luft lautet der Titel des Familienstücks, in dem Nico Dietrich die Regie führt.

„Dass diese vier Premieren vom Team des Theaters inszeniert werden, ist schon mal eine ästhetische Ansage. Aber es macht uns auch flexibler – wir wissen ja alle nicht, wie sich die Pandemie entwickelt und welche Auswirkungen auf den Spielbetrieb noch bevorstehen,“ erläutert der Intendant die Entscheidung, keine Gäste für die Regie einzuladen.

Die Pressekonferenz mit diesem Rückblick und dem Ausblick auf die neue Spielzeit fand neben dem Ottfried-Müller-Haus (OMH) auf dem Wochenmarktplatz statt. „Ein ungewöhnlicher Ort – der doch eigentlich unser gewöhnlicher Ort sein sollte“, beginnt Dietrich, die Situation zu beschreiben.

Seit 2016 ist von der Renovierung des OMH die Rede. Dank der Hilfe des verstorbenen Thomas Oppermann konnten erhebliche Bundesmittel beschafft werden, vor ziemlich genau zwei Jahren ist das Junge Theater in seine Interims-Spielstätte an den Wall gezogen. Perspektivisch war an einen Aufenthalt von zwei bis drei Jahren die Rede – aber passiert ist im OMH bislang noch gar nichts.

In den Corona-Zeiten zeigt sich besonders, dass die Interimsspielstätte nicht mehr als ein Provisorium ist: ganz abgesehen von dem kleineren Zuschauerraum, der kleineren Bühne, den eingeschränkten Möglichkeiten, Bühnenbilder auf- und abzubauen, fehlt eine große Belüftungsanlage. Und deshalb dürfen im Moment nur 45 Zuschauer:innen in den Saal. Und die bringen natürlich nicht die Einnahmen, die das Privattheater dringend braucht.

„Wir müssen zurück in unser Theater!“, lautet deshalb die Forderung. Tatsache ist jedoch, dass die Planungen stocken: es ist noch nicht beschlossen, ob das KAZ tatsächlich in der Bürgerstraße bleiben kann. Nur dann lässt sich das OMH vernünftig umbauen, um dort einen Theaterbetrieb zu ermöglichen, der den aktuellen Vorschriften genügt. Sollte das KAZ ebenfalls wieder an den Wochenmarkt zurückkehren, lässt sich der Platzbedarf nur durch entsprechende Anbauten erfüllen. Gründe für den gestiegenen Platzbedarf sind in den aktuellen Arbeits- und Brandschutzvorschriften zu finden. „Es handelt sich hier nicht um unsere Wünsche“, betont Nico Dietrich. Durch das Gerangel der Politik rund um die ehemalige Voigt-Realschule bleibt aber die Zukunft des Jungen Theaters offen. Unklar ist auch, wie die Sanierung des OMH mit der Umgestaltung des Wochenmarktplatzes koordiniert wird.

Das Einzige, das tatsächlich klar ist: die bisher im Rat beschlossene Summe von 6 Millionen Euro reicht bei weitem nicht. Im Laufe der Zeit (in der nichts geschah) sind die Baukosten gestiegen. Immerhin gibt es jetzt Gespräche mit der Bauverwaltung, um den Bedarf und die Kosten zu ermitteln. „Gespräche sind ein Teil der Lösung“, stellt Tobias Sosinka fest und ist dankbar für das Interesse bei Göttingens Bauderzernentin Claudia Baumgartner. Die hat jedoch nur exakt diese 6 Millionen Euro zur Verfügung. Die gegenwärtige Situation ist für das Theater nicht mehr lange hinnehmbar. „Zurzeit wird viel über Baumaßnahmen gesprochen: die Stadthalle ist bald fertig, das GSO braucht adäquate Probenräume, das Deutsche Theater hat riesigen Sanierungsbedarf. Aber warum macht man nicht erst einmal das eine Projekt fertig?“, fragt Nico Dietrich. „Es müssen jetzt endlich alle Fakten auf den Tisch und Entscheidungen getroffen werden!“

Das gesamte Team des Hauses ist frustriert und verärgert. Das geben auch die Ensemblemitglieder zu verstehen. Auch wenn Schauspieler Jan Reinartz betont: „Wir sind Profis und wollen unserem Publikum das Beste bieten. Wir trennen den Ärger und Frust von der Kunst.“ Agnes Giese, die dem Haus schon seit über 20 Jahren auf der Bühne steht, befürchtet, dass sie in dem renovierten Haus am Wochenmarktplatz gar nicht mehr spielen wird, bevor sie in den Ruhestand geht. „Dabei hat Thomas Oppermann mir das versprochen!“

Tobias Sosinka versprach der Schauspielerin dann coram publicum: „Bei der Eröffnungsgala bekommt Agnes Giese eine Hauptrolle.“ 

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