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Berufe am Theater

Es wimmelt von Perücken, Gipsköpfen und Pinseln. Neben einer blutüberströmen Leiche steht Marlene Steinmann. Sie ist Auszubildende im zweiten Jahr. Maskenbildnerin ist ihr Traumberuf seit der Grundschule. Sie hat lange darauf hingearbeitet: Als Jugendliche bewarb sie sich für einen Theaterkurs, um in der Maske mithelfen zu können. Am Ende stand sie sowohl auf als auch hinter der Bühne. „Auf der Bühne stehen hat auch Spaß gemacht, aber ist nicht meins“, sagt sie und verfolgte daher weiter ihren Traum.

Da sie nach ihrem Schulabschluss noch nicht volljährig war und damit zu jung, um bei Spätvorstellungen am Theater zu arbeiten, hat sie zunächst eine Friseurlehre absolviert. Nach erfolgreichem Abschluss der dreijährigen Ausbildung hat sie noch zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Nebenher hat sie einen Visagist:innenkurs mit zahlreichen Weiterbildungen gemacht. Dann konnte sie endlich die langersehnte Ausbildung zur Maskenbildnerin beginnen. Auch wenn von der IHK seit 2003 die Friseurlehre nicht mehr zwingend vorausgesetzt wird, wird sie nach wie vor empfohlen und auch Marlene Steinmann erzählt, dass sie davon profitiert: „Zum einen hat man keine Scheu mehr, auf Leute zuzugehen. Vor allem nützen einem aber die handwerklichen Fähigkeiten. Gewisse Handbewegungen sitzen dann einfach schon.“

Laut der Bundesvereinigung Maskenbild finden rund 80% der Arbeiten mit dem Werkstoff Haar statt. Echthaarperücken und Schnurrbärte knüpfen gehört zur Basis der Ausbildung. Aber nicht nur das, sondern auch das Schminken sowie sämtliche plastische Arbeiten zu Veränderung und Gestaltung von Gesichtern und Körpern gehören zu dem Beruf dazu. Während in anderen Ländern zumeist zwischen Make-Up, Haargestaltung und Maskenbau unterschieden wird, fließt in Deutschland zumindest am Theater alles in dem Beruf der Maskenbildner:in zusammen. Zweimal im Jahr verbringt Marlene Steinmann dafür sechs Wochen an der Berufsschule in Hamburg.

Ein großer Teil der Ausbildung an der Schule ist Geschichte. Angefangen im Alten Ägypten erlangen die Schüler:innen allgemeines Wissen über die jeweilige Zeit, aber vor allem natürlich über das Aussehen der Menschen, die Frisuren, die Vorstellungen von Ästhetik damals. Auch die Anatomie spielt eine Rolle in der Ausbildung. Damit die Proportionen stimmen und alles möglichst detailgetreu dargestellt werden kann, ist es durchaus von Vorteil zu wissen, wie in etwa ein Oberschenkelknochen aussieht. Vertiefte Kenntnisse sind hierbei allerdings nicht nötig. Meistens wird sich an Bildern orientiert – so auch beim Modellieren von Schlupflidern. Marlene Steinmann erzählt, dass dies eine Aufgabe in der Ausbildung war. Dabei hatte sie ein Foto eines Auges mit Schlupflid im geöffneten und eines im geschlossenen Zustand als Vorlage. Dann hat sie es mit Modelliermasse nachgestellt.

Es gibt Maskenbildner:innen, berichtet sie, die sich auf ein Gebiet spezialisieren und beispielsweise nur Schlupflider herstellen. Am Theater sind die Aufgaben vielfältiger. An einem normalen Arbeitstag verbringt Marlene Steinman die meiste Zeit in der Werkstatt. Neben der handwerklichen Arbeit finden Besprechungen mit den Ausstatter:innen statt. Diese überlegen sich, was sie für welche:n Schauspieler:in für das jeweilige Stück haben möchten und kommen dann mit den Wünschen und Zeichnungen zur Maske. Dabei können manchmal auch noch eigene Ideen miteingebracht werden. „Der Beruf ist schon kreativ, aber man sollte sich an Vorgaben anpassen können“, sagt Marlene Steinmann.

Von jeder Schauspieler:in gibt es einen Gipskopf, an dem gearbeitet wird. Zwischendurch finden immer wieder Anproben statt, bei denen getestet wird, ob Perücken sitzen oder Masken ausreichend Luft zum Atmen lassen. Etwa eine Woche vor der Premiere findet die „AMA“ (Alles mit Allem) statt. Hier fließt alles zusammen: Das erste Mal ist alles im Original – die Bühne, die Kostüme, die Maske. Bis zu den Haupt- und Generalproben bleibt so noch etwas Zeit, um letzte Änderungen vorzunehmen. Am Abend der Vorstellung richtet sich die Maske dann bereits einige Stunden vorher auf der Seitenbühne ein.

Handelt es sich um ein musikalisches Stück, sind es auch die Maskenbildner:innen, die die Mikros kleben. Sobald es losgeht, wird hinter der Bühne mitgefiebert und auf die erste Reaktion des Publikums gewartet: „Wenn es dann einen Lacher gibt, steht man auf der Seitenbühne und freut sich einfach.“ Bei den Umzügen kann es aber auch stressig werden. Teilweise ist dafür weniger als eine Minute Zeit – da muss jeder Handgriff sitzen. Auch hier wird eng mit Requisite und Kostüm zusammengearbeitet.

Nach der Vorstellung muss noch aufgeräumt werden. Um circa 23 Uhr ist Feierabend. Spät abends oder am Wochenende zu arbeiten macht Marlene Steinmann nichts. Sie freut sich „jedes Mal, wenn das Gesamtergebnis mit Bühne und Licht präsentiert werden kann und man sieht, wie viele Hände daran gearbeitet haben. Dann kann man den Leuten zeigen, was wir gemacht haben und das ist einfach wunderschön!“, sagt sie und strahlt.

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