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Ja, es stimmt natürlich: der Chor hat mit nur sieben Nummern nicht die Hauptrolle. Diese Nummern haben eher eine kommentierende Funktion. Und vor allem wird die Tugendhaftigkeit von Susanna vom Chor in den Mittelpunkt gestellt. Die von Edzard Burchards perfekt vorbereiteten Sängerinnen und Sänger waren zu jedem Zeitpunkt hellwach. Der Klang war bei den 28 Choristen sehr homogen, die Koloraturen vor allem im Schlusschor des 1. Aktes waren messerscharf. Beeindruckend!

Die Hauptrolle hatte natürlich Susanna. Emily Fons war 2014 in Göttingen in der Oper zu hören. Damals in einer Hosenrolle, eine kriegerische Heldin. In Susanna konnte man sie kaum wiedererkennen. Fons war die Tugendhaftigkeit in Person (sieht man einmal von dem verwegenen Schlitz im Kleid ab…). Vor allem im zweiten und dritten Akt, in der die Geschichte ihren dramatischen Verlauf nimmt, konnte Emily Fons ihre großartigen Qualitäten herausstellen. Ob verliebt, wütend, abweisend oder verzweifelt – die amerikanische Mezzosopranistin beherrscht das gesamte Tableau perfekt. Und ganz nebenbei erobert sie die Herzen des Publikums im Sturm.

Das hat auch der Countertenor Christopher Lowrey geschafft. Vor zwei Jahren war er noch der Feind, jetzt der Ehemann von Emily Fons, allerdings kurzzeitig außer Haus: während seiner Abwesenheit von der Gattin wird diese sexuell belästigt – bleibt aber standhaft. An der Handlung ist Lowrey also nur aus der Ferne beteiligt. Seine emotionale Arien gingen allerdings sehr nahe. Und sie wurden immer halsbrecherischer: am Ende des zweiten Aktes zeigte er in der Arie „On the rapid whirlwind’s wing“, wie er gleich einem Wirbelwind durch die Koloraturen jagt. Das allerdings mit einer Leichtigkeit, die einem den Atem stocken lässt.

Colin Balzer und Raimund Nolte haben die beiden Lustgreise, die Susanna beim Baden zugucken, wunderbar verkörpert. Sie bildeten die komödiantischen Bestandteile des Abends und ließen das Publikum immer wieder schmunzeln. Eine besondere Entdeckung war der klare, schlanke Sopran von Ciara Hendrick, die als Dienerin und später als Prophet Daniel mehr als überzeugte.

Ganz und gar überzeugend war das Festspielorchester. Auch nach knapp vier Stunden traten keinerlei Ermüdungserscheinungen auf. Hellwach und voller Spiellust hielten sie die barocke Leichtigkeit aufrecht. Diese Freude am barocken Musizieren übertrug sich auch auf das Publikum. Das Zentrum des ganzen Geschehens auf der Bühne bildete Laurence Cummings. Bei ihm liefen die Fäden zusammen. Er trieb alle Beteiligten zu Höchstleistungen an. Das tut er eigentlich vorne am Pult immer. Aber immer wieder ist das Ergebnis überwältigend. Vielleicht hat er ja ein Geheimnis, das ihn so unbesiegbar macht. Vielleicht einen Zaubertrank, mit dessen Hilfe dieses Oratorium entstaubt und aus der Versenkung geholt wurde. Danke, Laurence Cummings!

Das Festspielorchester und die Solisten gastieren mit "Susanna" am 7. Mai im Konzerthaus Berlin und am 8. Mai im National Forum of Music in Wrocław.
Der NDR hat das Konzert in der Göttinger Stadthalle aufgezeichnet. Es ist am 22. Mai 2016 um 11 Uhr auf NDR Kultur zu hören.

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