passend zum Artikel

Willkommen!
Um alle Funktionen zu nutzen, loggen Sie sich bitte ein.
Passwort vergessen?
Registrieren Sie sich hier neu

Camerata Bachiensis im letzten Konzert der Göttinger Reihe

Die Göttinger Reihe Historischer Musik ist ein Wettbewerb für junge Künstlerinnen und Künstler. Entsprechend jung sind die Musikerinnen und Musiker, die sich diesem Wettbewerb der Göttinger Händelgesellschaft stellen. Bemerkenswert ist es, auf welch hohem Niveau sich diese Nachwuchskünstler bewegen, vor allem in der diesjährigen Saison.

Zum Abschluss des Wettbewerbs 2014/15 präsentierte sich die Camerata Bachiensis in der Göttinger Universitätsaula. Mit großem Ernst betraten die sieben jungen Menschen die Bühne, konzentriert bereiteten sie sich auf die erste Programmnummer vor, der Ouvertüre zu Händels Oper „Rinaldo“. Und kaum erklang der erste Ton des Konzertes, kam Bewegung in das Ensemble. Die Gesichter wurden entspannt, die Augen nahmen Kontakt untereinander auf. Das Lächeln spiegelte die Liebe zur Barockmusik wieder.

Ungemein leicht und selbstverständlich erklangen die Barockinstrumente. Da war keine Manieriertheit auszumachen, es war die pure Freude an der Sache zu spüren. Wenn Musiker solche Funken versprühen, springen diese schnell auf das Publikum über.

Heldinnen heißt das Motto der diesjährigen Internationalen Händel-Festspiele. Und diesem Motto widmeten sich auch die Teilnehmer des Wettbewerbs. Das klug zusammengestellte Programm der Camerata Bachiensis unter der charmanten Moderation der Sopranistin Julia Kirchner stellte gleich vier Typen starker Frauen vor: „Die Beständigkeit treuliebender Frauen“, „Starke Frauen, die unerschrocken in den Tod gehen“, „Christliche Heldinnen“ und „Zauberinnen“. Damit wurden sie dem vorgegebenen Motto mehr als gerecht. Darüber hinaus gelang es dem Ensemble, ihren eigenen Schwerpunkt, nämlich die Wiederbelebung mitteldeutscher Komponisten, im Programm unterzubringen. So erklangen Werke von Melchior Hoffmann und Johann Melchior Molter. Georg Friedrich Händel setzte den Rahmen, mit den beiden Arien „Vo‘ far guerra“ und „Furie terribili“ aus Ronaldo setzte vor allem Julia Kirchner einen fulminanten Schlusspunkt.

Ihre Stimme zeigte sich erstaunlich wandlungsfähig: sowohl die kraftvollen und virtuosen Passagen der Arien als auch die sehr emotionalen Passagen gelangen ihr spielend. Eine Spezialität des Barocks ist die „messa di voce“. Mit dem An- und Abschwellen der Lautstärke auf einem Ton gestaltete Kirchner die Musik sehr persönlich und emotional. Sie unterstrich das zudem durch ihr barockes Kostüm und die barocke Gestik und Mimik auf der Bühne der Aula.

Ihre musikalischen Partner waren keineswegs nur eine Begleitung: Roberto De Franceschi spielte Oboe und Traversflöte. Wie gut der Ensembleklang entwickelt wurde, wurde vor allem in der Zugabe hörbar: in der Arie der Kleopatra aus Händels Julio Cesare vermischten sich der Flötenklang und die Gesangsstimme auf wunderbare Weise.

Julia Chmielewska zeigte sowohl im modernen Stück Plays des tschechischen Komponisten Jiří Gemrot (*1957) ihre Künste am Cembalo, als auch (noch eindrucksvoller) in der Händel-Arie „Vo‘ far guerra“ am Ende des Stückes, die in einer Fassung für obligates Cembalo und basso continuo zu Gehör gebracht worden sind.

Philipp Weihrauch setzte zwei verschiedene Celli ein: das „normale“ Barockinstrument sowie das „Violoncello piccolo“, dessen warmer Klang an diesem Abend die Viola ersetzen sollte, aber auch ganz eigene Akzente setzen konnte. Isolde Winter zauberte aus ihrem Cello vor allem in Händels Rinaldo-Arien entrückend schöne Töne hervor. Anne Kaun und Magdalena Schenk-Bader konnten mit ihren Violinen eigene Höhepunkte setzen. Perfekt aufeinander abgestimmt, eine federnde Leichtigkeit - man konnte die reinste Spielfreude sowohl hören als auch sehen.

Die Jury hat nun die besonders schwierige Aufgabe. Eigentlich hätten mehrere Ensembles die Einladung zu den Festspielen verdient. Und die Camerata Bachiensis gehört defintiv zu den Kandidaten! In wenigen Tagen werden wir erfahren, ob wir das Ensemble beim Preisträgerkonzert am 23. Mai in der Scheune von Sennickerode erneut hören dürfen. Und wenn nicht, findet Intendant Tobias Wolff vielleicht noch einen anderen Termin im Festspielkalender. Und Julia Kirchner mit ihrem dramatischen Talent und ihrer großen Stimme kann man sich auch gut in einer Händel-Oper vorstellen.

Mehr zu diesem Thema:

Kommentare powered by CComment

passend zum Artikel

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie hier sind - und schön, dass Sie dieser Artikel interessiert.

Wussten Sie, dass die Autorinnen und Autoren des Kulturbüros für ihre Arbeit bezahlt werden? Das werden sie - genauso wie die Kolleginnen und Kollegen, die die vielen Termine in den Kulturkalender eintragen.

Vielleicht verstehen Sie, dass wir diese Inhalte nicht allen kostenlos zugänglich machen können. Wir sind auf bezahlte Zugänge (Abonnements) angewiesen - eigentlich wie alle, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, für ihre Angebote Geld verlangen müssen.

Wenn Sie ein solches Abonnement (nur 5 Euro im Monat oder 50 Euro pro Jahr) abschließen möchten, brauchen Sie nur

hier

zu klicken. Alternativ können Sie für nur 1,20 Euro einen Tageszugang einrichten, um diesen Artikel ganz zu lesen.

Vielen Dank!

Finden Sie diesen Text interessant?

Das freut uns! Die Erstellung kostet allerdings Zeit, Aufwand und auch Geld: vom Server dieser Seite bis hin zum Honorar für die Autorin oder den Autor. Darum bitten wir Sie herzlich um die Bestellung eines Tageszugangs oder eines Monats- bzw. Jahresabonnements. Vielen Dank.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.