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Göttinger Rathaus

Moin, Frau Kautter!

Moin.

Sie wechseln vom schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe ins südniedersächsische Göttingen. Warum?

Es passt einfach gerade: bei meinem Mann steht ein beruflicher Wechsel an, unser ältester Sohn wechselt von der Grundschule in eine weiterführende Schule. Wir waren uns mit der Familie einig: wenn wir noch einmal den Ort wechseln wollen, dann ist jetzt ein günstiger Moment.

Wir wurde denn Ihr Weggang in der Heimat aufgenommen?

Ich höre nahezu täglich das Bedauern über meine Entscheidung. Aber immer wieder wird mir auch viel Glück gewünscht.

Hinterlassen Sie in Bad Oldesloe das berühmte „bestellte Feld“?

Definitiv ja. Ich habe sechseinhalb Jahre die Mittelstadt Bad Oldesloe bespielt. Ich habe viel erreicht, das Kultur- und Bildungszentrum (KuB) aufgebaut, ich habe Musik- und Tanztheater in die Stadt geholt. Und ich habe ein Netzwerk aufgebaut, in dem Ehrenamtliche und Künstler:innen gleichermaßen aktiv sind. Mir zur Seite stand ein engagiertes Team in der Kulturverwaltung.

Haben Sie Ihr zukünftiges Team hier in Göttingen auch schon kennengelernt?

Mit Hilmar Beck bin ich intensiv im Gespräch. Das muss alles schon vor meinem ersten Arbeitstag passieren, denn wenn ich anfange, hat mein Vorgänger gerade aufgehört. Es gibt also keine Übergangsphase. Deshalb sind wir schon jetzt in ständigem Kontakt. Die neue Sozial- und Kulturdezernentin Anja Krause habe ich bereits kennengelernt und auch mit den Fachdienstleitungen für Kultur, das Archiv, das Museum und die Bibliotheken stehe ich bereits im Austausch.

Wie nehmen Sie die Kulturszene in Göttingen wahr?

In erster Linie als sehr vielseitig und lebendig. Als „Theaterfrau“ freue ich mich über gleich zwei professionelle Theater in der Stadt. Zugleich bin ich aber auch neugierig auf das Theater im OP. Es gibt die großen Veranstaltungen mit den Internationalen Händel-Festspielen, dem Göttinger Symphonieorchester und dem Literaturherbst, aber es gibt auch eine große soziokulturelle Szene. Spannend ist, dass sich alle Beteiligten im KUNST e.V. zusammengeschlossen haben.

Wo sehen Sie Defizite in Göttingen?

Meine Aufgabe sehe ich zunächst einmal darin, zu beobachten und zuzuhören. Was ist da, was gibt es? Und was fehlt noch? Bestehende Einrichtungen und Stärken zu fördern und Angebote, die noch fehlen, in die Stadt zu holen oder zu entwickeln. Das wird auch meine Aufgabe hier in Göttingen sein.

Haben Sie schon konkrete Beispiele oder Ideen?

Ein großes Problem für alle Kultureinrichtungen sind die Folgen der Corona-Pandemie. Überall ist festzustellen, dass das Publikum noch sehr zurückhaltend bei seinen Besuchen ist. Und zugleich ist zu befürchten, dass die Fördermittel nicht ausreichen werden, um diese Einbußen auszugleichen. Das werden für alle noch einige schwierige Jahre werden.

Entwicklungsmöglichkeiten in Göttingen sehe ich auf den ersten Blick im Bereich der Avantgarde und im Performativen.

Und dann gibt es ja noch das Thema Sanierungsaufgaben…

Da steht Göttingen bundesweit ja nicht alleine da. Aber in der Tat muss ganz unbedingt die Sanierung des Städtischen Museums vorangetrieben werden. Ein Museum für die Stadtgeschichte ist eine Selbstverständlichkeit für eine historisch so interessante Stadt. Bei beiden Theatern stehen Sanierungen an. Wenn über Jahre Mittel zur Instandhaltung nicht ausreichend zur Verfügung stehen, dann wird es am Ende deutlich teurer.   

Was haben Sie für einen ersten Eindruck von der Stadt und den Menschen hier?

Ich werde überall sehr offen und herzlich empfangen.

Haben Sie denn schon eine Wohnung gefunden?

Ja, das ist alles schon erledigt. Wir haben eine Wohnung, die Kinder sind in den Schulen auch bereits angemeldet. Die Familie freut sich schon auf den Start in Göttingen – auch wenn die Kinder noch nicht genau wissen, was sie erwartet.

Nun habe ich Sie in diesem Gespräch schon ein wenig kennenlernen dürfen. Ich würde Sie beschreiben als eine Netzwerkerin, eine Teamarbeiterin, Sie sind kommunikativ, neugierig. Sie sind ein Familienmensch.

Frau Kautter, ich wünsche Ihnen einen richtig guten Start in Göttingen, der hoffentlich nicht einer schnellen Achterbahnfahrt gleicht. Vielen Dank für das Gespräch.

 

Gespräch geführt am 5. April 2022

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