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Für das Festivaldebüt des „Klinker Projekt“ war das Alte Rathaus das ideale Forum, um sich in die Eigenkompositionen der fünf jungen Göttinger Musiker zu vertiefen. Da fasziniert der Ideenreichtum und wie sie sich darüber in der dynamischen Feinabstimmung miteinander verständigen und spontane Impulse musikalisch reflektieren. In den Soli von Mino van Noort (Trompete), Tom Wendler (Posaune) und Jonas Funk (Piano) lauert stets das Überraschungsmoment mit der unerwarteten Wendung, auf die sie sich mit Leo Kilper (Bass) und Leonard Arnemann (Drums) ebenso direkt und unmittelbar verständigen können. Auf der Rathausbühne lassen sie das Bild einer zerklüfteten Landschaft entstehen, in der musikalische Steinbrüche behauen werden, um daraus gemeinsame Klangskulpturen mit all ihren Rissen und Verwerfungen zu formen.

Auch ein Bandstand im Corona-Format kann Zeichen setzen für das Festivalcredo, die Musiker im Austausch von Ideen, Impulsen und stilistischen Reibungsflächen intensiver zu vernetzen. Schlagzeuger Bernd Nawothnig hat sich dafür mit acht langjährige musikalischen Freunden zusammengeschlossen, die sich endlich wieder live in der musikalischen Kommunikation bestärken, wenn sie das Feld des Modern Jazz zu beackern. Zwischen groovigen Balladen und Swing Motiven mit den Abstechern in Rock- und Bluesregionen wird es manchmal eng auf der Rathausbühne mit zwei Kontrabässen und zwei Gitarristen, Bläserformation, Piano und Drums. Doch die Musiker wechseln sich auch ab und genießen dann als Zuhörer die Kontraste in den musikalischen Begegnungen.

Die Oldtimer haben sich natürlich ebenfalls auf ein Festival-Treffen verständigt und das Format der Doppelkonzerte mit den New Orleans Syncopators, den Harmony Hoppers und dem Carnegie Hall Projekt einfach auf drei Bands verstärkt. Die Fans von Swing und Dixie, Boogie Woogie und den klassischen Orleans Tunes nutzen natürlich die Gunst der Stunde im Alten Rathaus, so wie sonst die DT-X-Bühne und vermissten eigentlich nur die traditionelle Session für die Festival-Nachtschwärmer.

Als Ort für musikalische Entdeckungen ist die Marienkirche eine besondere Herausforderung. Der nimmt sich Ove Volquartz mit Bass- und Kontrabassklarinette gerne an, wenn er mit seiner Band Echos den Raum erkundet. Auch Gianni Mimmo (Sopransaxofon), John Hughes (Kontrabass) und Peer Schlechter (Orgel) verstehen die Akustik der Marienkirche als fünften Partner, wenn sie mit Tönen, Klängen, Geräuschen und perkussiven Elementen improvisieren, die ein Eigenleben entwickeln. Schwingungen durchdringen den Raum, werden gebrochen, zirkulieren anders weiter und treffen dabei auf Resonanzen, die wiederum die Musiker inspirieren.

Das Trio CarlSong, das die Lautenlieder von John Dowland mit den rhythmischen und melodischen Farben von Jazz und Blues verwebt hat, musste sich mit den schwierigen akustischen Verhältnissen vor allem arrangieren. Im Bündnis mit Martin Schoepe (Viola da Gamba) und Andreas Düker (Erzlaute) lässt Sängerin Hanna Carlson die melancholischen Bilder und ihre Klangfarben grooven und swingen. Der Hall erschwert die unmittelbare Wirkung, besonders wenn sie dann aus Dowlands Versen rezitiert und sich die Worte mitunter verflüchtigen. Trotzdem lässt sich das Konzert auch als musikalische Entdeckung verstehen, an das sich am 19. Dezember beim CD-Release Konzert von CarlSong im Parthenonsaal weitere Entdeckungen mit Englands erstem Songwriter anschließen.

Erfolgreich punkten konnte das Festival-Team mit seinen Doppelkonzerten für Göttinger Bands in vielerlei Hinsicht. Es fehlt schon lange an Bühnen, auf denen Trends und Entwicklungen in der lokalen Jazz-Szene verfolgen lassen. Das lässt sich natürlich mit einem Wochenende im Deutschen Theater nicht kompensieren lässt. Wiederum lebt der Jazz erst live richtig auf und da kann sich selbst im Alten Rathaus so etwas wie Clubatmosphäre entwickeln. Dann steht die Musik im Mittelpunkt und nicht das angesagte Event, bei dem das Publikum zwischen Bands und Bühnen, Small Talk und freundschaftlichen Begegnungen an manchen Entdeckungen einfach vorbei flaniert. Das lässt auf die 55. Festival-Saison hoffen, dass es für Göttinger Musiker neben dem traditionellen Bandstand im Deutschen Theater wieder Doppelkonzerte in entspannter Clubatmosphäre gibt.

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