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Ein Portrait

Die aus Dransfeld stammende Blunk machte vor circa 30 Jahren schon ihre Lehre beim Deutschen Theater. Eigentlich hatte sie sich zuvor für ein Lehramtsstudium entschieden, aber schnell wurde ihr klar, dass sie damit nicht glücklich wird. Der hektische Studienalltag gefiel ihr nicht. Nachdem sie bei einem Ausbau im Hause ihrer Eltern mit anpackte, entschied sie sich schließlich gegen das Studium und für eine Handwerkslehre. “Da kam nur eine Tätigkeit mit Holz in Frage”, sagt sie. Ihre Eltern haben keinen handwerklichen Beruf ausgeübt. Der Großvater allerdings besaß eine Tischlerei, die heute schon nicht mehr existiert. Vielleicht habe sie es von ihm geerbt, meint Maren Blunk schulterzuckend.

Das Theater liebt sie schon immer. Schon als Schülerin besaß sie ein Abo. Die Kreativität, die Greifbarkeit und die Ruhe, die sie bei der Arbeit in der Tischlerei des Deutschen Theater Göttingen bezieht und erfährt, ließen sie zum Theater zurückkehren. Denn nach der Ausbildung konnte sie zunächst nicht übernommen werden. Folglich entschied sie sich, eine Stelle in der Holzwerkstatt der Stadt Göttingen anzunehmen, später dann eine Hausmeisterstelle bei dem Jugendamt. Insgesamt arbeitete sie dann ca. sechs Jahre für die Stadt und absolvierte ihre Meisterausbildung. Als schließlich doch wieder eine Stelle für einen Gesellen in der Tischlerei frei wurde, nahm sie diese freudig an. Die Arbeit in der freien Wirtschaft ist ihr zu unkreativ. Heute ist sie seit fünf Jahren die Leiterin der Tischlerei, die normalerweise drei weitere Mitarbeiter:innen beschäftigt. Auszubildende werden heute allerdings nicht mehr aufgenommen, dafür ist die Werkstatt zu spezifisch. Der ganze Lehrplan könnte gar nicht abgedeckt und vermittelt werden.

Blunk zeigt mir, woran die Werkstatt gerade arbeitet: ein vier Meter hohes konzertmuschelähnliches Bühnenbild, welches sich schon bei der Malerei, direkt nebenan, befindet. Dort wurde die Muschel in Einzelteilen hingetragen. Auf die Frage hin, wie hoch so ein Bühnenbild werden kann, greift Blunk kurzerhand nach einer sechs Meter langen Holzlatte und stellt sie senkrecht auf, bis die Latte an die Decke stößt. 
Neben dem muschelähnlichen Bühnenbild werden noch mehrere Schränke aufgestellt, in denen sich die einzelnen Szenen abspielen sollen. Blunk zeigt mir die Pläne zu diesen, eine kolorierte Skizze. Die Schränke werden diesmal allerdings nicht selbst gebaut, sondern es werden auf Ebay Schnäppchen gesucht und erworben. Holz ist aufgrund der derzeitigen Inflation zu teuer. Ein durchschnittliches Budget für ein Bühnenbild will Blunk mir nicht verraten. Darauf will sich sie nicht festlegen. Da kommen zu viele Faktoren zusammen, zum Beispiel auch Änderungen von der oder dem Bühnenbildner:in. Diese:r designt das Bühnenbild und spricht mit Blunk ab, was möglich ist oder noch geändert werden muss. Momentan ist die genaue Anzahl der Schränke noch nicht klar.

Maren Blunk arbeitet am liebsten an besonders kreativen und ausgefallenen Bühnenbildern. Besonders im Gedächtnis ist ihr das Bühnenbild der Rocky Horror Show geblieben„Da bekommt man Gänsehaut”, sagt sie begeistert. Bei solchen Werken übermannt sie der Stolz und sie denkt: „Das haben wir gemacht!“

Weniger schön sind dann die Momente, wenn die Stücke auslaufen und die Bühnenbilder nicht mehr gebraucht werden. Dann landen sie unter Umständen, wenn sie nicht mehr verwertet werden können, im Container vor der Werkstatt. Da muss man sich bewusst sein, dass die Arbeit nicht für die Ewigkeit gedacht ist, sagt sie schon fast niedergeschlagen. Der Gänsehautmoment macht die Vergänglichkeit jedoch wieder wett, findet sie.Auch die Corona-Pandemie hat deutlichen Einfluss auf die Arbeit in der Tischlerei gehabt. Da die Theaterhäuser aufgrund der Hygienemaßnahmen geschlossen bleiben mussten, konnten keine neuen Stücke und somit keine neuen Bühnenbilder erarbeitet werden. Die Belegschaft der Tischlerei musste in Kurzarbeit. Sobald die Maßnahmen wieder gelockert wurden und die neuen Projekte kamen, wie zum Beispiel die Tankstelle vor dem Theater am Wall, machten sie und ihre Kollegen dann Überstunden. Diese Leidenschaft steckt sie auch in ihre Funktion als Leiterin der Tischlerei. „Die Arbeit nehme ich in Gedanken auch mal mit nach Hause.“, verrät sie. 

Auch wenn die Werkstatt klein ist und gerade mal das Minimum an Arbeiter:Innen beschäftigt, damit der Theaterbetrieb so aufrechterhalten werden kann, eilt ihr ein guter Ruf voraus. Wenn neue Bühnenbildner:innen von außerhalb bei einem Projekt mitwirken, sind diese freudig gespannt auf die Zusammenarbeit. Blunk möchte dazu beitragen, dass die Qualität der Arbeit, die die Werkstatt insgesamt leistet, weiterhin für sich spricht und Bühnenbildner:innen von außerhalb sich auf die Arbeit mit dem Göttinger Theater freuen. Ihr Ziel ist es weiterhin an vielen Bühnenbildern zu arbeiten, die ihr und dem Publikum Gänsehautmomente bescheren. Der neue Spielplan wird im Mai veröffentlicht. Ab dann stehen die neuen Projekte fest und wir können die neuen Bühnenbilder alsbald bewundern.

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