GSO

Wenngleich die Umfrage nur als reines Stimmungsbarometer angelegt war und nie eine im empirischen Sinne gültige Repräsentativität angestrebt wurde, lässt die hohe Teilnehmer:innenzahl von knapp 900 – fast 700 davon aus Stadt und Landkreis – doch klare Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit aller Göttinger:innen zu. Angesprochen wurden die potentiellen Teilnehmer:innen über die Social Media Kanäle des Orchesters sowie direkt über die eigene Kundendatei. Unter den Teilnehmer:innen waren Mitmenschen aus allen Altersklassen von unter 18 bis über 80, wobei die Gruppe der 41-70-jährigen mit mehr als 50% der Teilnehmer:innen die Mehrheit darstellt. Die meisten Teilnehmer:innen wurden in der Gruppe der Mitmenschen zwischen 51 und 60 Jahren erreicht. 

Fast 2/3 der Teilnehmer:innen durch alle Altersklassen nutzen das momentane Online-Konzertangebot des GÖTTINGER Symphonieorchesters. Entgegen einer häufig vorherrschenden Falschannahme, dass ältere Mitmenschen nicht mit den Online-Angeboten zurechtkommen und diese daher nicht nutzen, gaben 76% (32 von 42) der Teilnehmer:innen über 80 Jahre an, die Online-Angebote des GSO zu nutzen. 161 der Befragten sind Abonnenten des Orchesters, etwas mehr als 50% (468) sind mit mehr als zwei Konzertbesuchen pro Saison regelmäßige Konzertbesucher. 231 gaben an, nur einmal pro Saison Konzerte des GÖTTINGER Symphonieorchesters zu besuchen, gerade mal 27 waren noch nie bei einem der Konzerte des Orchesters. 

Besonderen Aufschluss nicht nur zur Corona-Situation, sondern ganz nebenbei auch zur Parkplatzdiskussion auf dem Albaniplatz neben der Stadthalle gab die Antwortverteilung bei der Frage nach der Art der Anreise: 62% der Teilnehmer:innen (556) kommen mit dem eigenen PKW zu den Konzerten des GÖTTINGER Symphonieorchesters, 163 mit dem Fahrrad, lediglich 83 zu Fuß. Der Rest der angegebenen Verkehrsmittel ist zu vernachlässigen. So traurig dieses Ergebnis im Sinne der Klimabilanz ist, so wichtig ist es doch im Hinblick auf Corona, da die Konzertbesucher eben doch vornehmlich individuell und ohne größere Kontakte mit anderen Mitmenschen zu den Konzerten des GSO kommen. 

Für den Fall, dass eine relativ stabile Entspannungslage in Göttingen im Hinblick auf niedrige Corona-Zahlen erreicht werden könne, würden mit einer Gesamtanzahl von 570 Teilnehmer:innen knapp 64% ohne größere Zweifel wieder ein Konzert des GÖTTINGER Symphonieorchesters besuchen, 20% sind sich dabei nicht sicher und nur knapp 16% halten einen Konzertbesuch in dem Fall für unwahrscheinlich. Grundvoraussetzung für den Konzertbesuch sind für den Großteil der Befragten die allgemein gültigen Hygienevorschriften sowie die Datenerfassung der Zuschauer in Kombination mit Schnelltests vor dem Konzertbesuch oder alternativ die eigenen Impfung. 

Trotz behördlich angeordneter reduzierter Orchestergröße in kleineren Veranstaltungsräumen wie der Aula am Wilhelmplatz oder dem Deutschen Theater wären immerhin rund 61% sicher bereit, den sonst üblichen Vollpreis für ein Ticket zu bezahlen, gut 20% sind sich nicht sicher, knapp 17% wären nicht bereit dazu. Als Hauptgrund für eine hohe Zahlungsbereitschaft für Konzerte zu Corona-Bedingungen wurde vornehmlich die Attraktivität des Programms angegeben, aber auch die Transparenz für den höheren Preis und somit die ökonomische Dringlichkeit für den Fortbestand des Orchesters und die Möglichkeit, überhaupt ein Konzert durchführen zu können. 

Auf die Frage hin, wie sich die Teilnehmer:innen den Kulturbetrieb nach Corona vorstellen, wurde von vielen gewünscht, möglichst wieder zu einer Normalität zurückzufinden, die der in den Zeiten vor Corona gleicht. Die Skepsis dieser Vorstellung gegenüber wurde aber gleichermaßen häufig geäußert. Die vielen Hinweise auf eine Art Hybrid-Betrieb aus Live- und Online-Konzerten zeigt nicht nur deutlich, dass das Angebot des GÖTTINGER Symphonieorchesters fantastisch von seinem Publikum angenommen wird, sondern auch, dass die Kulturbetriebe sicher vor einer großen Veränderung stehen, was die Zugänglichkeit der Konzertangebote vor allem auch bei älterem Publikum mit eingeschränkter Mobilität beispielsweise auch über bezahlbare Online-Kanäle betrifft. 

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