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Berufe am Theater

Deutsches Theatear

Es zischt gerade gewaltig, als ich den Eingangsbereich der Werkstätten betrete. Irgendwo ist etwas undicht, und Axel Ristau muss sich erst noch kurz um Schlauch und Leck kümmern, bevor wir uns in die Polsterei zurückziehen, damit er mir ein paar Fragen beantworten kann.

Die Kollegin von der Pressestelle hatte ihn mir als „Dekorateur“ vorgestellt, aber „diesen Beruf gibt es eigentlich gar nicht am Theater“, wie der 57-Jährige nun erzählt. Die genaue Bezeichnung sei „Raumausstatter und Polsterer“, doch wenn man Ristaus Geschichten lauscht, wird schnell deutlich, dass der Alltag am Theater nie gleich ist, obwohl die Rahmenbedingungen in den Werkstätten mit einer 39-Stunden-Woche (von 7 bis 16 Uhr, freitags bis 13 Uhr) ganz gediegen daherkommen. Aber natürlich ist jedes Bühnenbild anders und somit die Aufgabenstellung immer wieder neu.

In den 30 Jahren seiner Wirkenszeit am Deutschen Theater hatte Axel Ristau, der ursprünglich Innenarchitekt werden wollte, besonders viel Spaß bei der Arbeit an Der kleine Horrorladen. Damals war er noch als Bühnentechniker angestellt und musste unter anderem während der Aufführung die Riesenpflanze bedienen, wenn sie wieder einmal Menschen auffraß. Die im Rachen der hungrigen Pflanze verschwindenden Schauspieler:innen mussten dabei hinter der Kulisse  über Ristau hinwegklettern, natürlich ohne auffällige Geräusche und mit Kostüm und Schweiß vom Spielen!

So sei es wichtig, dass man neben Offenheit und Interesse auch einen gewissen Mut mitbringt, um eine solche Tätigkeit am Theater aufzunehmen, sagt Ristau; es sei auf keinen Fall ein „Nine-to-five-Job“, den man mit den „Scheuklappen des Handwerks denken“ könne. Gleichzeitig bedauert er, dass die eigentliche, handwerkliche Ausbildung zum Raumausstatter kaum noch angeboten würde. Denn obwohl das Berufsbild im Theaterbereich definitiv eine Zukunft habe, sei es zunehmend schwierig, gelernte Raumausstatter „von draußen“ zu finden. Dass ein Theater überhaupt Fachleute der verschiedenen Gewerke beschäftigt, war in der Zeit von Ristaus Berufseinstieg neu. Vorher habe man quasi alle Leute, die nicht auf der Bühne oder in der Regie arbeiteten, „Kulissenschieber“ genannt.

Der klassische Ablauf vor der Premiere eines Stücks stellt sich aus der Sicht eines Raumausstatters so dar, dass das Regieteam inklusive Bühnenbildner:in die groben Ideen auf der Bühne erläutert, während die Techniker:innen im Zuschauerraum sitzen. Über Zeichnungen und Modelle kommt man dann zu einer Bauprobe, bei der beispielsweise die Sichtlinien vom Zuschauerraum aus überprüft werden. Bei der Stückabgabe werden alle Details noch einmal durchgesprochen, und natürlich muss alles auch auf das jeweilige Budget abgestimmt werden. In der Phase kurz vor der Premiere kommen die Bühnenbildner:innen jeden Tag in die Werkstätten.

Ein eher kleines Haus wie das Göttinger Theater hat, wie Ristau betont, gegenüber größeren Spielstätten den Vorteil, dass die Künstler:innen manchmal auch gewisse Freiheiten haben und bei der einen oder anderen Entscheidung Einfluss nehmen können.

Die Coronazeit ist – wie sollte es anders sein – natürlich auch hier geprägt von Kurzarbeit und Improvisation. So ist neben der Kulturtankstelle auch ein Testzentrum eingerichtet worden, das nun durch die hauseigene Techniktruppe erweitert wird, da die Göttinger Bürger:innen es so gut angenommen haben. Auch wird ein Video gedreht für den Zukunftstag, der ja wieder nicht vor Ort stattfinden kann. Axel Ristau, der während unseres Gesprächs mehrfach mit Fragen von seinen Mitarbeiter:innen konfrontiert wird, bewahrt angesichts aller dieser Herausforderungen die Ruhe. Im Moment sei sowieso „die Halde voll“, was bedeutet, dass alles gebaut ist, was zu bauen war, und jetzt erst einmal gespielt werden muss, damit wieder Platz für Neues entstehen kann.

Hoffen wir, dass es bald soweit ist, sodass der erfahrene Allrounder sich wieder mit dem Bau von Drachen oder Papp-Panzern beschäftigen kann.

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