passend zum Artikel

Willkommen!
Um alle Funktionen zu nutzen, loggen Sie sich bitte ein.
Passwort vergessen?
Registrieren Sie sich hier neu

kulturbuero plus

Gandersheimer Domfestspiele

Guido Kleineidam als legendärer König Artus wird es auch später nicht leicht haben, bis er seine Rittergesellschaft endlich beisammenhat und mit ihr auf Gralssuche gehen kann. Die kabbelt sich jetzt erst mal um Kostüme und Perücken und ein möglichst schräges Styling und gönnt sich musikalisch bestärkt von Patty Martin und ihrer Band an diesem Abend ein grandioses Spektakel.

Schon bald überschlagen sich die Ereignisse, die Pointen und die ironischen Konter auf mittelalterliche Mythen und ihre Unterhaltungsqualitäten auch sehr zum Vergnügen des Publikums. Der britische Humor, speziell der von Monty Python ist einfach nicht zu toppen. Erst recht nicht, wenn ihn Achim Lenz und sein Ensemble mit den schönsten Show-Effekten komödiantisch veredeln. 

Bevor sich allerdings die Gralssucher mit ihrem gekrönten Zausel ans Werk machen können, weil Gott angeblich einen Pokal vom letzten Abendmahl verbummelt hat, müssen sie ihren Heldenmut unter Beweis stellen. Schon auf dem Weg nach Camelot und an die sagenhafte Tafelrunde kommt es ständig zu abenteuerlichen Begegnungen, die natürlich pointiert kommentiert und ausgespielt werden wollen. Egal ob jetzt ein Pestkarren anrollt und die vermeintliche Leiche sich weigert zu sterben oder ob plötzlich alle mit den Fischen tanzen und um sich schlagen, weil an der Burgkulisse eine finnische Fahne gehisst wird. In der anarchistischen Landkommune kommt das königliche Anliegen gar nicht gut an und die Fee aus dem See, die sich in diesem Fall natürlich aus dem Osterbergsee erhebt, möchte nicht nur magischen Beistand leisten, sondern auch als Diva gehuldigt werden.

Ritterschläge müssen verteilt werden, damit endlich ausreichend Kokosnüsse klappern und Patsy (Stephan Lüthy) das Hufgetrappel nicht mehr alleine stemmen muss. Auf der Bühne harmonieren Ross und Reiter schließlich in einer vergnüglichen Choreographie, wenn sie sie dann hoppeln und traben. Tim Müller als Sir Lancelot in Kraftprotzpose neben dem zaghaft ängstlichen Sir Robin (Lukas Witzel), einem wortgewandten Sir Galahad (Sven Olaf Denkinger) und dem agilen Sir Bedevere (Rudi Klein). In vielen Szenen stehen ihnen weitere Mitglieder des Ensembles komödiantisch satirisch zur Seite, ebenso wie die Tänzerinnen der Tanzschule Kerstin Baufeldt mit ihren pointierten Show-Elementen.

Ein Spektakel für sich bietet auch das Aufgebot an Kostümen und Requisiten und das nicht nur, wenn die Tafelrunde mit Cocktails und Glamour gefeiert wird und die Ritter auf den Tischen tanzen. Für »Spamalot – Die Ritter der Kokosnuss« hat die Monty-Python-Crew auch aus einem Fundus an schrägen, fantastischen und seltsamen Figuren geschöpft, die bei einer so verrückten Gralsssuche nicht fehlen dürfen. Dazu gehören kopflose Riesen, die sich gern am Kopf kratzen, schwarze Ritter, die ständig alles platt machen wollen und französische Lästermäuler, die das Aufgebot von König Artus so stilvoll garstig wie genüsslich ins Abseits locken.

Der sehr teure Wald, durch den die Gralssucher irren, hat auch seine Tücken, wenn sie sich nun der entscheidenden Herausforderung stellen. Damit ihre abenteuerlich verrückte Odyssee überzeugt, braucht sie im Sinne der Musical-Autoren nämlich mindestens Hollywood-Format. Mit Happy End versteht sich. Dafür werden neben Killerkaninchen, heiligen Handgranaten auch Erfolgsmusical-Parodien aufgeboten, Troubadoure, Gaukler und natürlich auch sehnsüchtige Paare, die nicht nur wie im Märchen endlich zueinander finden. Sir Lancelot kann sich outen und ein reichlich ramponierter Artus mit seiner Lieblingsfee der Sonne entgegen reiten, nachdem sich Gottes verbummelter Pokal endlich angefunden hat, versteckt unter einem Zuschauerplatz.

Mit einem vergnüglichen Augenzwinkern erklären die Komödianten mit Regisseur Achim Lenz und Choreografin Yara Hassan ihr Publikum zum Gral, für den sie sich immer wieder auf die Suche begeben. Mit Monty Pythons Rittern der Kokosnuss und einem grandiosen Theaterspektakel ist ihnen das wunderbar gelungen.

Das Musical »Monty Python’s Spamalot – Die Ritter der Kokosnuss« hatte am 8. Juli Premiere auf der Bühne vor der Stiftskirche in Bad Gandersheim. Zu den Gandersheimer Domfestspielen 2022 steht die Inszenierung von Achim Lenz noch bis zum 21. August auf dem Programm.

Mehr zu diesem Thema:

Kommentare powered by CComment

passend zum Artikel

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie hier sind - und schön, dass Sie dieser Artikel interessiert.

Wussten Sie, dass die Autorinnen und Autoren des Kulturbüros für ihre Arbeit bezahlt werden? Das werden sie - genauso wie die Kolleginnen und Kollegen, die die vielen Termine in den Kulturkalender eintragen.

Vielleicht verstehen Sie, dass wir diese Inhalte nicht allen kostenlos zugänglich machen können. Wir sind auf bezahlte Zugänge (Abonnements) angewiesen - eigentlich wie alle, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, für ihre Angebote Geld verlangen müssen.

Wenn Sie ein solches Abonnement (nur 5 Euro im Monat oder 50 Euro pro Jahr) abschließen möchten, brauchen Sie nur

hier

zu klicken. Alternativ können Sie für nur 1,20 Euro einen Tageszugang einrichten, um diesen Artikel ganz zu lesen.

Vielen Dank!

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.