GSO

Als Gastsolist brillierte der Cellist Friedrich Thiele und versetzte das Publikum in fasziniertes Schweigen. Es war ein Genuss, ließ er doch mit Joseph Haydns Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 D-Dur Hob. VIIb:2  in der Weite des Raumes die filigransten Striche erklingen und forderte dazu auf, wirklich ganz genau, auch jedem noch so zarten Ton  seines Instruments zu lauschen. Leichtigkeit prägt das Allegro moderato. Voller Ausdruck und Leidenschaft ließ er in rasantem Tempo den Bogen über die Saiten fliegen, dennoch mit äußerster Präzision. Dazwischen legten sich kräftige Takte mit sanftem Nachhall, aber schnell wurden diese wieder von den Streichern mit ihren flinken Bögen abgelöst, und gingen über in fließende Melodien unterschiedlichster Tonlagen. Im Adagio erklangen kraftvollere Passagen, die wie ein feierliches Dahinschreiten der Klänge wirkten, und die dann wieder in hauchzarte Soli des Cellos hineinsanken. Das Rondo: Allegro spielten die Musiker*innen federleicht und heiter mit schönem Einsatz der Holzbläser und Hörner. Auch in seiner Zugabe von Johann Sebastian Bach, der Allemande aus der 6. Solosuite D-Dur, faszinierte er mit seiner feinfühligen Art, zu spielen.

Im zweiten Teil präsentierte das Orchester die 6. Symphonie in h-Moll op.74Pathétique“ von Pjotr I. Tschaikowsky. Dem so mächtigen und in seiner Gesamtheit höchst anspruchsvollen Werk gab sich das Orchester dennoch mit Leichtigkeit und Leidenschaft hin. Diese Komposition lässt sich in meinen Augen wohl zu Recht als ein „Opus Magnum“ bezeichnen – denn es mangelte an nichts: Von tief berührender Zartheit über das volle harmonische Zusammenwirken der Musikerinnen und Musiker in melodischen Passagen bis hin zu den durchdringenden, plötzlichen Einschlägen der Trommel und den Pauken, bewirkte es eine unglaubliche Dynamik. Sowohl Nicholas Milton als auch das Ensemble waren ganz in ihrem Element. Die durchdringenden Trommelschläge im Allegro molto vivace brachten im Zusammenwirken mit dem ganzen Orchester den Saal und den Boden zum Beben – was im ganzen Körper zu spüren war.  In die Tiefe des Gemüts ging mit all seiner Tragik auch das Finale, das Adagio lamentoso – Andante, in das Milton und das Orchester bis zum letzten Klang noch einmal alles hineingaben. Bemerkenswert war in diesem Satz insbesondere der ausdauernde Kraftakt an den Pauken.

Milton ließ den Schlusston des Finales bis zum feinsten Nachhall ausklingen und schloss dann mit einer ganz besonderen Geste – einem Moment reinster Stille, den er mit einer anerkennenden Verbeugung vor allen Mitgliedern des Orchesters beendete. 

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