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GSO

 „Um Freiheit des Ausdrucks zu finden, muss man als Geiger bis ins Nichts zurückgehen können.“ Von diesem Ausspruch Hillary Hahns schien auch Diana Adamyan überzeugt. Denn selten konnte man die ersten Töne des Sibelius-Violinkonzerts in einer solchen leisen Intimität hören. Wie von weit her über eine skandinavische Winterlandschaft tönte der Klang ihrer Geige über den flüsternden Streicherteppich. Schmal und zerbrechlich setzte sie ein, doch die Intensität ihres Klangvolumens steigerte sich schnell zu jenem satten, warm-brillanten Geigenton, mit dem sie sich an große Geigerinnen wie Hillary Hahn anschließt. Überaus rund, weich und volltönend interpretierte sie den großen Klagegesang, mit dem Sibelius sein berühmtes Konzert beginnt. Diesen warmen Farbton nahm das GSO unter Milton auf – das gesamte Konzert klang das Ensemble weich, dunkel und umhüllte die Geigerin mit einem Kokon aus Sonorität. 

Adamyan besitzt alle Talente einer angehenden Solistin, ihr Sibelius war konsequent und geradlinig in kontrolliert intensiver Leidenschaftlichkeit, jeder Lauf gefasst in die größere musikalische Linie. Ihr Vibrato und ihre Bogenkontrolle ermöglichten ihr intensive Klangsteigerungen und eine singende legato-Phrasierung mit großen Spannungsbögen. Technisch ist sie auf höchstem Niveau, als Einundzwanzigjährige bereits weit über die Lehrjahre hinweg, wenn auch im halsbrecherisch schweren dritten Satz mal ein Doppelgriff oder ein Lauf eine winzige Unreinheit aufwies. Adamyan ist jedoch nicht eine Vertreterin der jungen Geigergeneration, die neue Wege geht – vielmehr erfüllt sie alle Ideale des klassischen Geigenklangideals, präsentiert sich als perfekt abgerundete Virtuosin ohne Ecken und Kanten. So war der dritte Satz, der infernalische Volkstanzrhythmen enthält, kaum vorwärtstreibend, wenig akzentuiert und drängend, dafür aber leichtfüßig und elegant. Das GSO hätte hier vielleicht mit etwas mehr Schwung und Biss für einen größeren Drive sorgen können.

Den dunklen, sonoren Ensembleklang nahm das GSO mit in Tschaikowskys fünfte Sinfonie. In Stimmungsgehalt und musikalischer Sprache haben die beiden Werke einiges gemeinsam. Ein nostalgisch-klagender Ton durchweht alle farbigen Themen Tschaikowskys, von denen es in der Sinfonie viele mit Ohrwurmpotenzial gibt. Klanglich geprägt von den tiefen Streichern und den tiefen Holzbläsern, erzählt die Musik von drohendem Schicksal und Hoffnungslosigkeit, aber auch von Liebe und Triumph. Das berühmte Leitmotiv der Sinfonie spielten die beiden Klarinetten in tiefer Lage, die auf diesem Instrument immer bronzefarben und unheimlich klingt, in schönem Zusammenspiel mit den Bratschen, Celli und Kontrabässen. „Völlige Ergebung in das Schicksal“, notierte Tschaikowsky zu seinem Thema. 

Milton dirigierte einen leidenschaftlichen Tschaikowsky, trieb das Orchester stringent zu den Höhepunkten und nahm sich auch Zeit, um das Tempo frei zu gestalten. Akustisch verlor der Mischklang des Gesamtensembles manchmal etwas an Deutlichkeit, was vielleicht auch an einem nicht immer gut disponierten Holzbläsersatz lag. Doch dafür entschädigte die im Zwerchfell vibrierende Intensität der Ausbrüche, etwa wenn das Schicksalsthema drohend in den romantischen zweiten Satz einfiel. Gelungen war auch die kitschgefährdete Melodie im Horn des zweiten Satzes. Ein weiterer Höhepunkt waren die charmanten Soli des Fagotts im Valse des dritten Satzes. Und im ruhelosem Vorwärtsdrang des Finales konnte das GSO sich der Spielfreude hingeben und seine Qualitäten als Orchester beweisen.

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