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Literaturhaus Göttingen

Die Plätze im Literaturhaus waren schnell ausverkauft. Deshalb wird die Veranstaltung live auf den Nikolaikirchhof übertragen. Das Publikum erlebt eine entspannte und ausgeglichene Autorin, wie nicht nur die Moderatorin Gesa Husemann feststellte. Sie ist gut gelaunt, nimmt immer wieder Blickkontakt mit dem Publikum auf, macht spontane Einwürfe in die gelesenen Textpassagen. Das Publikum erwidert die gute Laune, hört aufmerksam zu und lacht. 

Es gibt in dem neuen Buch Die Heldin reist tatsächlich immer wieder Passagen, die zum Lachen anstiften, die einfach komisch sind. Oder gut erzählt – wahrscheinlich beides. Worum geht es in ihrem neuen Buch? Es geht um drei Reisen, die sie kurz vor dem Lockdown zu Pandemiezeiten unternommen hat. „Im Jahr 2019 bin ich in die USA, nach Japan und Marokko gereist. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass es für längere Zeit die letzten Reisen gewesen sein sollten. Noch hatte niemand vom Corona-Virus gehört. Noch war George Floyd am Leben.“

Reisen ist stets ein elementarer Bestandteil im Leben der umtriebigen Filmemacherin. Ständig ist sie unterwegs, „selten bin ich drei Monate am Stück zuhause“. Und immer geht es bei ihr um ihre persönlichen Erfahrungen, die sie in diesem Buch verarbeitet. Entstanden ist ein zwar sehr kurzweiliges, unterhaltsames Buch. Aber eben auch ein sehr persönliches Buch. Und um ein sehr weibliches. 

Zu Helden hat sie eine sehr eigene Meinung: Der Held muss in die weite Welt hinaus und Abenteuer erleben, um ein Held zu werden – und eine Geschichte zu haben. Und die Heldin? „Sie ist gar keine Heldin, sie bleibt, wo sie ist und beschützt das Haus. Sie muss auch deshalb dableiben, damit jemand zuhause ist, wenn der Held zurückkehrt.“

Dass Frauen alleine reisen können, ist noch gar nicht so lange selbstverständlich. Aber auch heute gibt es zahlreiche Erlebnisse, die davon erzählen, als Frau in der Welt unterwegs zu sein. Auch wenn Doris Dörrie sich als Protagonistin in ihrem Buch versteht, sieht sie sich nicht als Heldin. Dass dies nur ein scheinbarer Widerspruch zum Buchtitel ist, wird an dem Abend deutlich. 

Die besondere Beziehung der Autorin zu Japan ist hinreichend bekannt. Spannend wird dies in dem Buch aber durch ihre Freundschaft zur Japanerin Tatsu, die in Hannover Musik studierte. Zu Hannover hat Dörrie im übrigen auch eine Beziehung, wenn auch eine eher komplizierte, wie sich im Laufe des Abends zeigt. Wichtiger ist ihr Verhältnis zu Japan. „Japan bringt mich in Rage!“ Hier werde sie nie als Frau akzeptiert. Die Berufswelt ist von Männern dominiert, Frauen servieren bestenfalls den Tee bei einem Meeting. 

Sie erzählt in ihrem Buch von offenem Sexismus und Machismo in verschiedenen Ländern, in Deutschland und anderswo. Eine dazu passende Episode liest sie vor, die sie in Mexiko erlebt hat. Ein kolumbianischer Besucher der Veranstaltung fragt nach, ob das nicht zu klischeehaft sei. Dieser kurze Wortwechsel zeigt, dass noch viele Heldinnen reisen und davon erzählen müssen. 

Die Heldin reist ist kein Reisebuch, es geht vielmehr um die Erfahrungen der Protagonistin Doris Dörrie. Bei ihrer Lesung im neu eröffneten Literaturhaus Göttingen hat sie genau das verkörpert. Und genau das hat das Publikum begeistert aufgenommen. Entsprechend lang war die Schlange vor dem Tisch auf dem Nikolaikirchhof, an dem Doris Dörrie Bücher signierte.

 Doris Dörrie: Die Heldin reist. Diogenes Verlag, Zürich, 239 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-257-07184-9
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