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Händel-Festspiele

Ein „normales“ Symphonieorchester wäre bei einem Barockmusik-Festival überfordert, würde es mit den spezialisierten Kolleginnen und Kollegen im Festspiel-Orchester konkurrieren wollen. Schon sein Instrumentarium ist für die historisch informierte Aufführungspraxis nicht geeignet. So gab es einleitend ein Händelsches Concerto grosso auf modernen Instrumenten, anschließend mit „Toccata e due canzoni“ von Bohuslav Martinů ein Werk des 20. Jahrhunderts, in dem Elemente des barocken Concerto grosso aufgegriffen sind – und zum Schluss Händel aus der Sicht des 19. Jahrhunderts in Form der Händel-Variationen op. 24 von Johannes Brahms. Die Komposition Martinůs und das Orchesterarrangement der Brahmsschen Variationen dürften zum ersten Mal in der Geschichte des GSO auf dem Programm gestanden haben.

Zärtlicher Umgang

Den sehr fein modellierten Streicherfiguren im Händelschen Concerto grosso merkte man deutlich an, wie intensiv sich die international renommierte Gastdirigentin Ruth Reinhardt mit dem Gestus dieser Musik befasst hat. Dynamisch sehr lebendig formte sie die Linien, gab ihnen sprechenden Ausdruck, auch wenn man mit einer vergleichsweise großen Streicherbesetzung die Durchsichtigkeit des barocken Originalklangs nicht ganz erreichen kann. Die GSO-Musiker folgten dem energisch-straffen Dirigat Reinhardts mit großer Konzentration und Präzision – und tatsächlich war bei ihnen immer wieder auch Zärtlichkeit im Umgang mit Händels Musik zu spüren, keinesfalls romantischer Überschwang.

In denkbar großem Kontrast zu den transparenten Linien dieser Partitur stand die Komposition Martinůs, besetzt mit einem größeren Streicherapparat, etlichen Bläsern und Schlagzeug. Einzelne Instrumente lässt der Komponist immer wieder solistisch hervortreten, nicht nur Streicher, sondern auch das Klavier, dem Martinů einen besonders verantwortungsvollen Part zugedacht hat (sehr zuverlässig und ausdrucksstark: Dorota Dobosz).

Messerscharf präzise

Die kniffligen Rhythmen mit ihren häufig gegen den Takt gesetzten Akzenten, die Vorliebe für ostinate Figuren und das Gegeneinander von vorwärtstreibender Motorik und aufblühender Melodik machen die Gestaltung dieser faszinierend figurenreichen Musik nicht einfach. Hier führte Ruth Reinhardt ihre Instrumentalisten mit messerscharf präzisem Schlag und intensiver Strenge, forderte ihnen alles ab und übertrug so perfekt ihre eigene hohe Konzentration auf die Spielerinnen und Spieler.

Seine Händel-Variationen mit Schlussfuge schrieb Johannes Brahms für Klavier, ein pianistisch ungemein anspruchsvoller Brocken, mit dem sich nicht unbedingt alle Klavierspieler auseinandersetzen mögen. Der englische Komponist und Pianist Edmund Rubbra hat die unterschiedlichen Klangideen dieses Werkes 1938 sehr fantasievoll und farbenreich auf Orchesterinstrumente übertragen, ein hochvirtuoses Arrangement, das einem Symphonieorchester sehr komplizierte Aufgaben stellt und zum Repertoire von Spitzenensembles gehört. Vladimir Ashkenazy beispielsweise hat es mit dem Cleveland Orchestra eingespielt.

Populäre Zugabe

Was hier das GSO leistete, verlangt Hochachtung, quer durch alle Instrumentengruppen. Die Dirigentin ließ die Farben leuchten, hier in flinken Bläserklängen, dort in weichen Streicherpassagen oder in wuchtigen, an tiefe Orgelregister erinnernden Tutti-Akkorden. Sie setzte punktgenaue Akzente und sorgte dramaturgisch sicher dafür, dass die Spannung bis zur monumentalen Schlussfuge erhalten blieb.

Sichtlich fasziniert von diesem ungewöhnlichen Konzerterlebnis, spendete das Publikum begeistert Beifall, um dafür mit einer unerwartet populären Zugabe belohnt zu werden: dem „Pomp and Circumstance“-Marsch Nr. 1 von Edward Elgar. Der Anblick der Bühne stimmte übrigens hoffnungsvoll: Musikerinnen und Musiker dürfen wieder zu zweit an einem Pult sitzen, auch wenn die Besucher im Saal noch Abstand halten müssen. Ein Schritt auf dem Weg in die Konzert-Normalität ist getan.

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