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Göttinger Kammerchor

Die Stadtkantorei bereicherte mittags den Gottesdienst mit festlichen Sätzen von Johann Sebastian Bach, in der abendlichen Adventsmotette präsentierte der Kammerchor Werke von Jenner, Weinreis, Bach und Poulenc. Die Leitung hatte Bernd Eberhardt, der die Motette mit Präludium und Fuge BWV 532 von Bach an der Orgel umrahmte: selbstverständlich in D-Dur, einer der strahlendsten Tonarten, die zu diesem Anlass besonders gut passte.

Ganz erstaunlich: Die Kirche wirkt wesentlich größer nach der Sanierung, vor allem scheint das Hauptschiff breiter. Das liegt vor allem an der neuen Lichtführung. Die früher im Schatten liegenden Seitenschiffe unterhalb der Emporen sind hell und freundlich ausgeleuchtet. Und die Emporen selbst machen – vor allem, weil ihre Brüstung nun transparent ist – einen wesentlich schlankeren, leichteren Eindruck, sie zerschneiden nicht mehr die Seitenwände, sondern scheinen davor beinahe zu schweben. Der beherrschende Farbeindruck ist nun nicht mehr, wie jahrzehntelang zuvor, grau, sondern weiß und rot.

Das ist ein wunderbarer Raum für Musik, die nicht gegen düstere Schwere ankämpfen muss, sondern sich, beflügelt von der transparenten Helligkeit, in lichter Höhe entfalten kann. Und wenn dann noch, wie in der Motette am frühen Abend, das Kirchenschiff (in coronagerechten Abständen) mit Besuchern gefüllt ist, hat der Nachhall eine musikalisch angemessene Länge, ohne dass die Klänge ineinander verschwimmen.

Adventlich eingestimmt wurden die Zuhörer mit romantischen Choralsätzen des Brahms-Schülers Gustav Jenner (1865-1920) und des Komponisten Heinrich Weinreis (1874-1950) aus Bad Kreuznach, der als Musiklehrer und Chorleiter in Berlin gewirkt hat. Dazu standen zwei besonders anspruchsvolle Chorwerke auf dem Programm: Johann Sebastian Bachs Motette Jesu, meine Freude und die Quatre Motets pour le temps de noël von Francis Poulenc. 

Sehr schlank und transparent gestalteten die Sängerinnen und Sänger die Bach-Motette, auch in raschen Koloraturen sicher und zungenfertig in der Textartikulation. Mit seinem Ansatz, die rhythmischen Strukturen klar zu konturieren und im stimmlichen Fluss Durchsichtigkeit und Homogenität zu vereinen, belebte Eberhardt den musikalischen Ausdruck. Ganz im Sinne der barocken Aufführungspraxis ließ er den vokalen A-cappella-Satz durch eine klein besetzte Continuo-Gruppe (Violoncello, Kontrabass und Orgel) sanft unterstützen. Ganz andere Klangwelten eröffneten sich in den vier weihnachtlichen Poulenc-Motetten, die in ihrer farbigen Harmonik und ihrer fein differenzierten Dynamik den Vokalisten erhebliches sängerisches Können abverlangen. Hier merkte man dem Kammerchor die gründliche Probenarbeit seines Dirigenten an, auch in komplizierten akkordlichen Strukturen ließen sich die Sängerinnen und Sänger nicht von ihrer sicheren Intonation abbringen. Das hauchzarte Pianissimo des O magnum mysterium sorgte für Gänsehaut-Momente. 

Mit lang anhaltendem Beifall dankte das Publikum für diesen Adventsabend, an dem die schöne Musik das besinnliche geistliche Wort von Pastor Gerhard Schridde vertiefte und schmückte. Es bleibt sehr zu hoffen, dass das geplante Weihnachtskonzert der Stadtkantorei am 12. Dezember trotz der sich verschärfenden Corona-Lage stattfinden kann. Wenn nicht, müssen wir wohl eine ganze Weile auf ein Chorkonzert in St. Johannis warten – und werden uns dabei ein wenig sehnsüchtig an die bewegende Motette zur Wiedereröffnung von St. Johannis erinnern können.

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