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Händel-Festspiele

Nach Zwei Jahren ist es endlich so weit: Die deutsche Prämiere von Händel goes Tinder findet im Rahmen der Händel Festspiele in Göttingen statt. Und das unter besonderen Umständen, denn die Hauptdarstellerin und Sopranistin Channa Malkin ist hochschwanger mit Ihrem zweiten Kind und privat somit komplett das Gegenteil ihrer Figur Dorinda.

Zu Beginn der Vorstellung wird ein Vorwort mit einer kleinen Bitte des Regisseurs Michael Diederich per Videobotschaft abgespielt. Diederich erzählt von der langen Wartezeit zur Prämiere in Deutschland und den besonderen Umständen Channa Malkins. Er bittet die Zuschauer das Offensichtliche in dieser Vorstellung zu ignorieren, nämlich die Schwangerschaft Malkins. Denn die Hauptfigur Dorinda ist eine Mittzwanzigerin, die nur Pech in der Liebe zu haben scheint und definitiv nicht schwanger ist. Nach einer weiteren Enttäuschung rät ihre Freundin Tatjana, gespielt von der Violinistin Anastasia Kozlova, zum Download der App Tinder. Und damit beginnen eine Vielzahl Dates, One-Night-Stands und enttäuschten Erwartungen Dorindas, die das Offensichtliche ignoriert, nämlich die Red Flags der Männer.

Schon zu Zeiten des Barocks scheinen die Menschen sich mit dem gleichen Gefühlschaos herumzuschlagen wie die Menschen heute. Wenn Dorinda ihre Liebe, ihr Begehren und ihre Wut auf die Tinder-Matches Luft macht, passen die Arien aus Händels Opern Alcina, Serse und Orlando wie die Faust aufs Auge. 

Einen großen Teil der Aufführung nimmt die Multimedia-Präsentation ein, bei der die Zuschauer den Chat zwischen Dorinda und ihren Liebschaften mitverfolgen können. Bewusst wird mit modernen und traditionellen Elementen gespielt. Dorinda lernt und kommuniziert mit ihren Liebhabern, angelehnt an Figuren der Händel Opern, per Messenger. Nach einem großen Streit mit Tatjana entschließt sie sich zu einem Brief, um sich zu entschuldigen. Schlussendlich wird Dorinda klar, wie wichtig die Freundschaft zu Tatjana im Gegensatz zu der flüchtigen Liebe zu ihren Tinder Machtes ist. Vielleicht eine Nachricht an die Zuschauenden, statt nur nach Leidenschaft zu suchen, sich auf die Freundschaft zurückzubesinnen?

Obgleich der Vielzahl an emotionalen Themen nimmt sich Händel goes Tinder nicht ernst und ist geradezu Selbstironisch. „Wer mag schon die Oper?”, ruft Tatjana zum Ende des Stücks hin. Dabei beweist gerade dieses Stück, wie eine moderne und witzige Operninszenierung die jüngere Zuschauerschaft in den Bann ziehen und ihnen die Tränen vor Lachen in die Augen treiben kann. Auch wenn die Geschichte schon bekannt ist aus zahlenmäßigen Fernsehserien und Filme wie Sex and the City, gab es wohl noch nie Wendungen wie eine Streiterei zwischen Freundinnen, die mit einer Geige ausgefochten wird.

Sowohl der minimalistische Cast als auch das (leider) zahlenmäßig gering ausfallende Publikum schufen eine intime Atmosphäre, ähnlich einem Comedy Club im eigenen Wohnzimmer. Mit dieser Atmosphäre, der zu Beginn noch paradoxe Anblick einer hochschwangeren Dorinda, die doch eigentlich gar nicht schwanger sein dürfte und die witzige und überzeugende Performance der Künstler:innen zogen das Publikum in ihren Bann und ließen sie tatsächlich die Außerplanmäßigkeit vergessen.

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