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Göttinger Symphonieorchester

Mit dem Stück Entr’acte der 1982 geborenen Komponistin Caroline Shaw eröffnete das Göttinger Symphonieorchester seinen Konzertabend in der Halle 3 der Göttinger Lokhalle, der eigentlich für die Aula der Universität geplant war.

Die vielseitige Musikerin hat dem Stück untertitelt mit {a minuet & trio}. Damit wird auch etwas klarer, dass sich diese Komposition auf Josph Haydn bezieht. Sogar ganz konkret auf Haydns letztes Streichquartett, das Opus 77 No. 2, darin dem Menuett. Die amerikanische Komponistin war vor allem von den Übergängen fasziniert, „irrwitzig und feinsinnig, farbig“ beschreibt sie diese. Mit diesem Vorwissen ist das breit aufgefächerte Klangbild verständlicher, dass das GSO-Streichorchester hervorzauberte. Und das Ganze mit großer dynamischer Bandbreite, die die brasilianische Gastdirigentin Simone Menezes mit großen, auslandenden Bewegungen, aber auch mit kleinen, sehr präzisen Zeichen in der linken Hand forderte. So wird aus diesem Entré deutlich mehr als bloß ein „musikalischer Spaß“, den das Programmheft beschreibt.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Oboenkonzert D-Dur von Richard Strauss. Der Solist kommt aus den eigenen Reihen: Tiago Coimbra ist seit 2014 Solo-Oboist beim GSO. Auch hier beschreibt das Programmheft des Abends Strauss‘ Musik als „ähnlich unbeschwert“ wie das Eingangsstück. Und auch hier wird diese Beschreibung dem Werk nicht gerecht: 1946 entstanden ist diese Komposition zu den späten Werken von Richard Strauss. Geschrieben ist es für eine kammermusikalische Besetzung: dem Solisten werden nur Flöte, Englischhorn, Klarinette, Fagott, Horn und Streicher zur Seite gestellt. 

Wer dem Stück aber absolut gerecht wurde, war Tiago Coimbra. Er stellte nicht sein technisches Können in den Vordergrund, auch wenn das Werk mit höchsten Schwierigkeiten gespickt ist. Vielmehr durchdrang Coimbra das Werk musikalisch, ebenso auch das Orchester. So wurde die musikalische Tiefe ausgeleuchtet. An vielen Stellen fühlt man sich an andere Meisterwerke erinnert, ob das Salome ist oder die Vier letzten Lieder. Und immer wieder spürt man die heiter-gelöste Stimmung des 80jährigen Komponisten. Meisterhaft haben Coimbra und seine Kolleg:innen diese Stimmungen zum Klingen gebracht. Simone Menezes hatte zwar mit ihrem Dirigat die Fäden in der Hand, ließ den Musiker:innen aber den Raum.

Das Publikum, aber auch die Kolleg:innen auf dem Podest spendeten lautstark Beifall. Coimbra kündigte seine Zugabe an als eine eigene Komposition mit dem Titel Schmatz für Matz. Gemeint ist Mathias Weiss, sein Oboen-Kollege im Orchester. Coimbra hatte das kleine Bravour-Stück seinem Kollegen zum Geburtstag geschenkt. Dieser war sichtlich gerührt und meinte hinterher: „Ich habe es auch schon gespielt – aber Tiago kann es viel besser.“

Den Abschluss bildete ein Jugendwerk von Felix Mendelssohn Bartholdy. Seine Symphonie Nr. 1 c-Moll schrieb er im Alter von 15 Jahren. Der Einfluss der Wiener Klassik ist genauso herauszuhören wie der von Johann Sebastian Bach. Aber vor allem ist Mendelssohn zu hören. Sein großes Talent und seine Tonsprache sind deutlich spürbar. Auch hier gab Simone Menezes der Musik ihren Raum. Die Orchestermitglieder auf der Bühne folgten ihrem Dirigat und zeigten die Qualität und die Besonderheiten dieser Musik: die Kontrapunktik, die feine Instrumentation, der gewaltige Beginn und das famose und feurige Ende – diese Symphonie verdient es auf jeden Fall, häufiger gespielt zu werden. 

Die brasilianische Dirigentin Simone Menezes (geboren 1977) ist eine international gefragte Dirigentin, zu Gast bei zahlreichen renommierten Orchestern. In Göttingen gab sie mit diesem Konzert ihr Debüt. Es fiel auf, dass sie mit großen Gesten und kleinen Zeichen große Wirkungen erzielen kann. Auch aus dem Publikumsraum beobachtet, kann man erkennen, was sie vom Orchester fordert. Wenn dann genau das auch erklingt, hat sie offenbar alles richtig gemacht. 

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