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Junges Theater

Der Typ, der mit dem falschen Schlüssel an der Wohnungstür hantiert, muss sich auf Einiges gefasst machen. Die benachbarte Veganerin argumentiert ziemlich radikal, und der Geist des ermordeten Psychotherapeuten lässt sich auch nicht mal eben wegputzten. Für den »Tatortreiniger« auf der Bühne des Jungen Theaters kommt es immer wieder zu ebenso überraschenden wie seltsam absurden Begegnungen. Clowns sind keineswegs so komisch, wie sie meinen –und der reimende Schlosserbe ist schon sehr abgedreht. Vier Folgen der Kult-Serie hat Regisseur Markus Fenner als unterhaltsames Panoptikum mit Hintersinn inszeniert, in denen »Der Tatortreiniger« auf jede Menge Lebensspuren hinter den Fassaden trifft.

Der erste Fettnapf lässt nicht lange auf sich warten, wenn Jens Tramsen das Schlüsselproblem mit der Selbstmörderwohnung geklärt hat. Sein Tatortreiniger ist nun mal nicht der Allerhellste, also kombiniert er vegan spontan mit Contergan, weil die Tierwohlverfechterin im Rollstuhl sitzt. Verbal ist Agnes Gieses Kim Goldheim dafür sehr mobil und schiebt den irritierten Fleischfresser erst mal Richtung Tiermörderfalle. Der Spezialist für frisch geputzte Verhältnisse weiß in diesem Fall nicht nur sich zu helfen. Er kann auch dieser Harcore-Veganerin zur Seite zu stehen, die ihren Ex-Freund und heimlichen Steakhouse-Besucher bei aller Empörung doch sehr vermisst.

Heiko „Schotty“ Schotte hat ein offenes Ohr und hakt nach, wenn ihm etwas seltsam, missverständlich oder blöd vorkommt. Er macht sich dabei auch keinen Kopf über Political Correctness, egal ob es jetzt um Blondinenwitze geht oder um Verabredungen für eine kurze Nacht, die möglichst vor dem Frühstück enden sollte. Dafür bringt er die übergewichtige Analysepatientin (Agnes Giese) und den absolut unkomischen Clown (Jan Reinartz) dazu, über sich zu sprechen und ihm manchmal sogar ihr Herz auszuschütten. Spezialist für praktikable Lösungen ist er ebenfalls, die in den unterhaltsamen, absurden und manchmal fast philosophischen Wortgefechten oft sehr spontan ausfallen. Sobald der Psychoanalytiker-Geist (Jan Reinartz) aus seinem leeren Bilderrahmen heraus nicht mehr therapeutisch dazwischenfunkt, können sich Schotty und Rebecca (Agnes Giese) in der Szene Geschmackssache die Bälle wunderbar zuspielen, ohne das Thema Bodyshaming zu traktieren. Punkte werden auf beiden Seiten gemacht, mit einem Augenzwinkern, aber eben auch mit Bodenhaftung, wenn von Traumprinzen und Traumfrauen geschwärmt wird.

Schluss mit Lustig heißt es in der dritten »Tatortreiniger«-Folge. Mittlerweile ist das Spielfeld mit den vielen kleinen Fluchtrouten (Bühne Hannah Landres und Markus Fennert) vom Tatortmüll nach einer Kneipenschlägerei übersät. Steffen (Jan Reinartz) hat trotz roter Nase und reichlich blinkenden und rotierendem Zubehör einfach keine guten Karten. Dass Schotty seine Performance zur „Elefantenscheiße“ erklärt, macht die Sache nicht besser. Doch jetzt kommen sich die Beiden über langweilig solide Arbeitsverhältnisse mit sicherem Einkommen und schöpferische Freiheiten an der Armutsgrenze wunderbar pointensicher in die Quere und näher. 

Theaterautorin Ingrid Lausund, die sich als Drehbuchautorin hinter dem Pseudonym Mizzi Meyer verbirgt, hat kleine Kammerspiele mit fein nuancierten Dialogen geschrieben, in denen es nicht nur um Wortwitz und Situationskomik geht. Diese Kammerspielatmosphäre hat auch Markus Fennert in seiner Inszenierung im Blick, wenn er mit seinem Ensemble die Zwischentöne erkundet, die in den unterhaltsam widerspenstigen Begegnungen auch viel über Alltagsfrust, kleine Fluchten und Tarnmanöver erzählen. Wo der Alltag an blutigen und anderen Tatorten oft schon so absurd anmutet, lässt er sich auch wunderbar absurd toppen. Jetzt bekommt es der Tatortreiniger mit einem verfluchten Urahn, einem Gorilla und einem reimenden Schlosserben zu tun. Gelauert wird auf jede Silbe, damit der Anschluss passt und sei es mit Nonsenswörtern. Wenn die Sätze schon keinen Sinn ergeben, dann wenigstens mit ein bisschen Klamauk. Auch für diesen verrückten Showdown, wenn es blitzt und donnert und der Urahn flucht, so oft ein Reim misslingt, wird das Tatortreiniger-Team vom Publikum gefeiert. 

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