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GSO

In dieser Spielzeit stünden vor allem auch Komponistinnen und junge Musiker:innen im Mittelpunkt, kündigte Milton in seiner Begrüßung an. So präsentierte er gleich als Auftakt des Konzerts die Faustouvertüre op. 46 von Emilie Mayer (1812-1883), die in ihrer Zeit einen fabelhaften Ruf genoss und als Komponistin hoch angesehen war. Die Verzweiflung des tief grübelnden, von Zweifeln heimgesuchten Faust wurde für die Anwesenden in tragischen Melodien erlebbar, die sich, untermalt vom leisen Beben der Pauke (Johannes Karl), langsam aufbäumten. Es folgte ein wogenartiges Toben mit kurzer Erholung durch die Leichtigkeit der Flöten, dagegen wieder kraftvoll die Blech- und Holzbläser, die stimmig von den Streichern abgelöst wurden. Trotz aller Tragik legte sich ein dichter, ausgewogener Klangteppich über den Saal, mit tiefen Akzenten von Holger Michalski und Takanari Koyama an den Kontrabässen. Insbesondere Matthias Weiss (Oboe) und Bettina Bormuth (Flöte) zeigten sich meisterhaft in ihrem Spiel.

Mit dem bekannten wie auch äußerst anspruchsvollen Concierto de Aranjuez für Gitarre und Orchester von Joaquin Rodrigo gewann der musikalische Morgen noch mehr an Vielfalt und Virtuosität. Die wohltuenden spanisch-rhythmischen Klangkünste des Solisten Andrzej Gryger an der Gitarre erfüllten den Saal mit Begeisterung: Mal kraftvoll-energisch, dann wieder fein und filigran präsentierte er das Werk in seiner ganzen Klangbreite. Frische Klänge, herrlich gespielte Streich- und Flötensequenzen trafen mit den kunstvollen Gitarrenpassagen des jungen, aber bereits sehr etablierten Solisten zusammen – auch Fagott und Cello gesellten sich hinzu, ebenso die freudig leichten Sprenkel der Flöten.

Ergreifend erklang der 2. Satz, in dem sich vor allem Gryger und Weiss in einem herrlich, tief berührenden Miteinander zeigten. Die zuweilen hauchzarten Gitarrengriffe der meisterhaften Soloparts wurden rasanter und energischer, während sie immer wieder durchdrungen wurden von der kraftvollen Klangintensität der Kontrabässe, hinein in volle tiefgehende Orchesterpassagen – ein Wechsel von Anmut und Schwere.

Der 3. Satz erschien freudig-festlich mit der Leichtigkeit zupfender Streicher und der Flöten, die von Bettina Bormuth und Max Lötzsch erneut fabelhaft gespielt wurden und flink auf das Finale vorbereiteten. Nachdem der letzte Klang der Gitarre verhallt war, dankte das Auditorium mit Fußtrappeln, „Bravo“-Rufen und anhaltendem Applaus – gerne hätte man noch eine Zugabe gehört…

Einen krönenden Ausklang des Konzerts nach diesen beiden fabelhaften Werken präsentierte das GSO mit Robert Schumanns Symphonie Nr. 2 C-Dur op 61. „Möge er uns allen wohltuende Heilung bringen“ - lautet eine Zeile aus dem Konzertprogramm – und das war Schumanns Symphonie tatsächlich. Es scheint schwer vorstellbar, dass der Komponist sie in schwerer Depression schrieb, sind doch ihre Melodien so kraftvoll und lebendig. Ruhig und gewogen erklangen die Passagen der Blechbläser, denen die Flöte (erneut Bormuth) mit zauberhafter Leichtigkeit, gar fliegend, gemeinsam mit kräftigen Passagen der Streicher folgte. Mächtig erklang die Pauke und harmonisierend wirkte der gemeinsame Einsatz der Holzbläser. Der zweite Satz belebte mit seinen flinken und frischen Melodien: Herrlich erklangen erneut virtuos die Flöten, die den Raum mit einer besonderen Dynamik füllten und in den vollen Klang aller Instrumente eintauchten. Wunderschön mit an zusehen war der mit Stolz und Anerkennung erfüllte Blick, den Nikolas Milton den Musiker:innen nach diesem so rasanten Satz zukommen ließ, absolut berechtigt angesichts des Elans und meisterhaften Spiels aller Beteiligten.

Nach aller Dynamik folgte im 3. Satz ein Moment der Ruhe: Oboe und Fagott zeigten sich wunderbar im Einklang mit den Streichern. Wohltuend war hier vor allem das Thema der Klarinette, der sich hinzu gesellte, warm und stärkend. Schon war man im letzten Satz angekommen, der sich noch einmal mächtiger zeigte, die Streicher in harmonischen Fluss, eindringlich die Pauken.

Es war ein lebendiges Programm an diesem Sonntagvormittag, das Nicholas Milton mit seinem stets beeindruckenden Elan, Präzision und Humor dirigierte und moderierte. Eine besondere Ehre war es ihm am Ende dieses Matinee-Konzerts, der Flötistin Bettina Bormuth zu ihrem 25-jährigen Orchesterjubiläum zu gratulieren „Sie bringt uns höher“, was sie auch in diesem Konzert erneut zeigte. Bettina Bormuth überzeugt stets mit virtuosem Spiel und intensivem Ausdruck und man wünscht ihr viele weitere Konzerte mit dem GSO.

Das nächste Matinee-Konzert wird am Sonntag, 17. Oktober, um 11 Uhr im Deutschen Theater stattfinden. Als Gastsolistin dürfen wir uns auf Raphaela Gromes und ihre Cello-Künste in Tschaikowskys Rokoko-Variationen freuen.

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