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GSO

Gleich zu Beginn wurde Friedrich Praetorius am Dirigentenpult gefordert. Denn das ursprüngliche Klavierstück Ma mère l’oye („Meine Mutter, die Gans“) war von Maurice Ravel für zwei Kinder komponiert. Erst später orchestrierte der Komponist das Werk, das aus mehreren Miniaturen besteht. Grundlagen dieser Stücke ist eine Märchensammlung von Charles Perrault, als Figuren tauchen Dornröschen, der Kleine Däumling, Die Kaiserin von den Pagoden und die Schöne und das Biest auf. In jeder dieser Miniaturen wählt Ravel eine eigene Klangsprache, jede hat ihre eigenen Details. Dem 1996 geborenen und bereits mehrfach ausgezeichneten Dirigenten Friedrich Praetorius ist es gelungen, diese Details hörbar zu machen. Und so gestalteten sich die Szenen und Dialoge ausgesprochen lebendig und abwechslungsreich. Beigetragen haben dazu natürlich auch die Musiker:innen des Orchesters auch mit ihren Solopassagen.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Violinkonzert Nr. 3 in h-Moll von Camille Saint-Saëns, vorgetragen von der 2002 geborenen Sara Göbel. Die junge Geigerin ging das Werk sehr selbstbewusst an. Das ist durchaus passend für den Einstieg in dieses wohl populärste Violinkonzert des französischen Komponisten: nach dem Pianissimo-Beginn der Streicher im Orchester folgt in kräftigem Forte das Hauptthema mit der Solovioline. Göbel bleibt sich mit ihrem energischen Zugriff auf die Musik im gesamten Konzert treu. Vor allem in den weiteren Sätzen zeigte sie eine enorme Beweglichkeit und eine virtuose Bogentechnik. Im emotionalen Andantino des zweiten Satzes merkte man das jugendliche Alter der Stipendiatin der Stiftung Jugend musiziert Niedersachsen an, hier ist ihr Ausdruck ein wenig zu energisch, zu kraftvoll, zu wenig innig. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, die Zukunft liegt vor Sara Göbel und sie wird noch genügend Zeit haben, um ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu verfeinern. Als Zugabe servierte sie den ersten Satz aus Bachs a-Moll-Suite für Solovioline Nr. 2. Auch hier im Grave zeigte sich eine perfekte Technik, großes Talent – und der für Bach vielleicht etwas zu energische und kraftvolle Ausdruck.

Energisch und kraftvoll ging auch Dirigent Praetorius die Carmen-Suite Nr. 1 von Georges Bizet an, das den Abschluss des Konzertes bildete. Vielleicht war das etwas zu viel Temperament, um in diesem von Bizets Freund Ernest Guiraud posthum zusammengestellten Stück die Leichtigkeit und Fröhlichkeit spanischer Tänze hörbar zu machen. Kraftvoll erklangen die berühmten Melodien aus Bizets Carmen.

Das Publikum in der Halle 3 der Lokhalle hat an diesem Abend spannende junge Talente erlebt sowie aufregende Interpretationen von Kompositionen französischer Komponisten gehört. Mit großem Applaus honorierten die Besucher:innen die Leistungen des Orchesters, der Solistin und des Dirigenten.

 Die nächsten Konzerte des Göttinger Symphonieorchesters:
22. April um 19.30 Uhjr in der PS-Halle Einbeck), 23. April um 19.45 Uhr und 24. April um 17 Uhr in der Lokhalle Göttingen: Nacht der Filmmusik
28. und 29. April jeweils um 19.45 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz: Aula Klassik
8. Mai um 17 Uhr im Deutschen Theater: Länderporträt Norwegen
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