Klosterkirche Nikolausberg

Die beiden in Polen geborenen Musiker – Dominik Löhrke und Jan Skorupski – belegen das hohe Niveau der Musikausbildung an der Hochschule in Hannover – stilistisch und technisch bewegen sich die beiden durch verschiedenste Musikrichtungen: Barock, Moderne, Jazz und Improvisation. Beide sind sichtlich froh, wieder auftreten zu können und gleichzeitig etwas aufgeregt, da die Übebedingungen für Musiker mit lauten Instrumenten gerade in Hannover an der Hochschule besonders schwer sind – es gibt nur wenig Möglichkeiten, die Übungsräume der Hochschule zu nutzen. Als Musikstudent verbringt man schon mal vier bis sechs Stunden pro Tag am Instrument, das ist in normalen Mietwohnungen schwer möglich. Die beiden lassen sich aber ihre Aufregung nicht anmerken und spielen sich mit wachsender Spielfreude durch ein abwechslungsreiches Programm. Der Akkordeonist Jan Skorupski erzählt im Gespräch, dass Bach bestimmt für das Akkordeon (quasi eine tragbare Orgel) komponiert hätte, wenn er seine Erfindung noch erlebt hätte! (Das Akkordeon entsteht erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts).

Akkordeon und Sopran/Altsaxophon füllen die Klosterkirche mit zahlreichen Klangfarben – das Saxophon schmiegt sich in die Klangwelt des Akkordeons nahtlos ein, mal begleitend, mal solierend, mit einem enormen dynamischen Umfang. Das Akkordeon nutzt diverse Register, welche vom Kinn des Spielers fast unmerklich bedient werden. Beide möchten auch gern ihre Leidenschaft für Neue Musik vermitteln mit einer zeitgenössischen Komposition des Spaniers Jose Maria Sanchez-Verdu aus dem Jahre 2014. „Das Stück erlebt die Konfrontation von zwei Individualitäten; gleichzeitig aber können sich beide Instrumente so intim verschmelzen, dass sie nicht mehr zu trennen sind: sie versuchen, als Soli und als Duo, ein neues Instrument zu entwickeln. Aus dieser Konfiguration entsteht eine Reise voll mit intimen und poetischen, farbigen und rhythmischen Komplexitäten.“ (Sanchez-Verdu)

Bei den Volksliedbearbeitungen aus Polen und Mazedonien kommt das spielerische und improvisatorische Element zum Vorschein, beide Musiker musizieren volksmusikalisch frisch und befreit.

Bei dem abschließenden Jazzklassiker „Spain“ von Chick Corea, welches von einem berühmten spanischen Gitarrenkonzert inspiriert wurde, arbeiten sich beide durch das rhythmisch vertrackte Thema und improvisieren anschließend über die Akkordfolgen, wie es sonst eigentlich nur Jazzmusiker können-ein gelungener Abschluss für ein großartiges Konzert, welches natürlich noch mit drei Zugaben belohnt werden musste.

 

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