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Junges Theater

Für den Streifzug durch den „Wiener Liederabend“ hat Nico Dietrich Sekt kaltgestellt, weil es mit diesem Abend auch etwas zu feiern gibt: endlich wieder eine Live-Begegnung der Theatermacher mit ihrem Publikum. Selbst wenn sie nur virtuell als Zoom-Vorstellung stattfindet, bietet sie jede Menge Gelegenheiten, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen – so wie nach einer Vorstellung im Foyer oder auch ganz spontan, wenn Michael Johannes Meyer sein Publikum über Wiener Geschichten und Spezialitäten befragt.

Eingestimmt wird der Abend mit einer Hommage auf das Glaserl Wein und auf die liebeswerteste Stadt der Welt, die der Schauspieler mit sagenhaften Begegnungen und denkwürdigen Ereignissen verbindet. Eine wahrlich teuflische Geschichte rankt sich um den Bau des Stephansdomes, der nie einen zweiten Turm bekommen sollte und für den Baumeister ein höllisches Ende nahm. Bei der Belagerung Wiens durch das türkische Heer waren wiederum ein paar gute Geister am Werk, mit denen der Wiener Liederabend erneut eine kulinarische Wende nimmt. Der mutige Kaufmann, der anno 1693 die feindlichen Linien überwand, hatte eben auch ein besonderes Gespür für deren Proviant an grünen Bohnen. Er weiß um das vortreffliche Aroma, dass sie nach dem Mahlen und dem Rösten entfalteten, um die Wiener Caféhaustradition zu begründen. Michael Johannes Meyer hat ein versiertes Publikum an seiner Seite, auch wenn er es jetzt nur mit einem Blick auf den Monitor befragen kann. Das kennt sich aus dem mit Kleinen Braunen und dem Mokka, aber auch mit Artur Schnitzlers „Reigen“ und den Komödien von Johann Nestroy, wenn es dann in einen Streifzug durch die Theatergeschichte und berühmte österreichische Epigonen verwickelt wird, die auch so manches private Dramolett verfassten.

Auf Beifall und Szenenapplaus mussten die beiden Caféhaus-Flaneure ja ebenfalls in den vergangenen Monaten verzichten. Jetzt können sie neben dem interaktiven Live-Theaterabend auch die vielen zustimmenden Signale aus den Wohnzimmern genießen. Die lassen sich zwar nur mit leichter Verzögerung auf die Bühnenlautsprecher übertragen, aber die Wirkung ist dennoch unmittelbar, wenn Steffen Ramswig das Piano beim „Bundesbahnblues“ ausgiebig grooven lässt. Die Wiener Walzerseligkeit mit den Herz- und Schmerz-Motiven darf dann halt ein bisschen pausieren, um bei einem Abstecher über den Wiener Zentralfriedhof auch ihren morbiden Charme mit feiner Ironie zu bekunden. Passend dazu lassen sich die Caféhaus-Gäste gerne mit einem Song von „Falco“ rocken. Auch „ Der Kommissar geht um“ bei den Kostproben aus dem „ Wiener Liederabend“, den das JT-Team auf eine kurzweilige interaktive Stunde komprimiert hat, an die sich viele interaktive Zugaben anschließen. Mehr als die Hälfte der 100 Zoom- Kontakte schaltet auch nicht ab, wenn zum Schlussbeifall eine Stimme aus dem Lautsprecher „Super!“ bekundet.

Es gib viele Fragen über diesen Abend, zum Beispiel wie Michael Johannes Mayer und Steffen Ramswig diesen Abend erlebt haben, flankiert von drei Kameras und zwei Bildschirmen und mit Blick auf die Bühnentechnik in dem sonst leeren Zuschauerraum. Das sei schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, meint Ramswig, weil die Rückmeldungen der Online-Zuschauer mit leichter Verzögerung erfolgen, selbst wenn es spontane Reaktionen sind. „Das ist ein bisschen wie bei einer Silvestershow, die man bereits im Sommer aufzeichnet“, witzelt der Musiker und schwärmt um so mehr von der Live-Atmosphäre, endlich wieder auf der Bühne stehen zu können und dabei auch die Stimmung des Publikums zu erleben.

JT-Intendant Nico Dietrich hat natürlich zunächst die Rolle des Maître de Service übernommen. Zum Sekt für die beiden Cafehausgäste auf der Bühne ist auch ein Toast auf die Gäste am Bildschirm angesagt, die sich auch sehr spontan um einen Platz interaktiven Vorstellung beworben hatten. Der Abend sei innerhalb von 20 Minuten ausgebucht gewesen, berichtet Dietrich. Er kündigt eine Erweiterung der technischen Kapazitäten an und eine weitere interaktive Vorstellung, an der dann 1.000 Haustür alte teilnehmen können. Auch für den JT-Intendanten war es eine neue Erfahrung, auf die er immer wieder mit großer Begeisterung zu sprechen kommt: Auf diese Art und Weise mit den Zuschauern in Wohnzimmeratmosphäre endlich wieder ins Gespräch zu kommen und dabei in Gesichter zu sehen.

Was Johannes Michael Mayer nach Göttingen verschlagen hat, warum er Schauspieler geworden ist und wie es ihm am Jungen Theater gefällt, auch danach fragen die Zuschauer in entspannter Bildschirmatmosphäre und tauschen sich gelegentlich sogar untereinander aus. Dabei bestärken sie das JT-Team gleich mehrfach, dieses Format unbedingt weiter auszubauen und das auch mit den Worten, „Toll, bei so etwas mitzuwirken.“

Der nächste »Wiener Liederabend« als Zoom-Meeting findet am 26. Februar um 20 Uhr statt. Diesmal bietet er Platz für 1.000 Besucher:innen. Anmeldungen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! +++ Im Anschluss gibt es wieder ein ausgiebiges Zuschauer:innengespräch mit Sekt.


Links:

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