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Marienkirche

Es ist diese Bildlichkeit und ideelle Kraft der Musik, die bis heute Begeisterung auslösen kann. Haydns musikalische Schöpfungsgeschichte ist im aufklärerischen Optimismus einer guten und geordneten Natur verwurzelt. In drei Teilen werden die Reiche der Natur verherrlicht – die unbeseelte und pflanzliche, die tierische und die menschliche. Ein Höhepunkt des Werks steht gleich zu Beginn, am initialen Schöpfungsakt des Lichts. Der unerhörte Jubel des „Und es ward Licht“ im strahlenden C-Dur des gesamten Orchesters und Chors geriet in der Uraufführung des Werks am 19. März 1799 in Wien zur Sensation und elektrisierte das Publikum so sehr, dass es in lautstarken Applaus ausbrach. Der Effekt des plötzlichen Kontrasts vom zögernd leisen c-Moll zum majestätisch lauten C-Dur bei diesen Worten gelang auch in der Aufführung des PetriChors, auch wenn man sich vom Chor stärkere Kontraste in der Gestaltung der Lautstärke gewünscht hätte.

Von Kirchenmusiker Martin Kohlmann routiniert geführt, präsentierte sich der PetriChor in klangschöner ausgewogener Balance. Die Aufstellung des Chors mit zentralen Männerstimmen und dem Tenor vorne kam der Hörbarkeit der Stimmen auch in den Chorfugen zugute. Diese anspruchsvollen Chorsätze meisterte der Chor in frischem Tempo. Teilweise hätten die polyphonen Abschnitte von klareren Impulsen des musikalischen Leiters profitiert, da einige zögerliche Einsätze etwas die Stringenz des Ensembles minderten. Doch die hohe Aufmerksamkeit der Sänger erlaubte es stets, den gemeinsamen Schwung wiederaufzunehmen.

Besonders schön war das klangliche Gesamtbild des Ensembles mit dem begleitenden Orchester. Die sehr agil und lebendig spielende helios-kammerphilharmonie bot dem harmonisch-weichen Chor ein rhythmisch pulsierendes Gerüst, auf dem die Musik dynamisch schwingen konnte. Haydns farbenreiche Instrumentierung mit zahlreichen individuell hervorstechenden Instrumentalparts etwa der Flöte, der Klarinette oder der Hörner wurde vom helios-kammerensemble mit detailreicher Finesse ausgekostet. Das Orchester in kleinster Besetzung spielte dabei eine Bearbeitung für Kammerorchester von Joe Hickmann des ursprünglich für großes Symphonieorchester konzipierten Werks. Eine besondere Stärke des Orchesters war die Fähigkeit zum legato, zu intensiv gezogenen Linien. So gestaltete das Orchester das einleitende „Die Vorstellung des Chaos“ mit seinen drohend leisen und suchenden Tonfolgen in historisch informierter vibratoloser Intensität.

Die reichhaltigen solistischen Partien der erzählenden Erzengel, gesungen von Henryk Böhm, Manuel König und Bogna Bernagiewicz, boten höchste Qualität in der Gestaltung der Arien und Rezitative. Der überaus sonore Bass von Henryk Böhm überzeugte durch Ausdrucksstärke und klare Artikulation. Demgegenüber konnte sich Tenor Manuel König nicht immer gegen den Orchesterklang durchsetzen, doch setzte er mit seinem schlanken Timbre einige schöne Akzente. Bogna Bernagiewicz begeisterte mit einem strahlenden Sopranklang und hoher Beweglichkeit. Als zweite Sopranistin in der Rolle der Eva trat ihr Charlotte Diekmann gegenüber, deren Interpretation der Rolle die naive Einfachheit und das ungetrübte Glück des ersten Menschenpaars hervorhob. Das Sängerensemble trat im Finale als Quartett in herrlichen Dialog mit Chor und Orchester.

Insgesamt gelang eine überzeugende Aufführung des haydn’schen Oratoriums, das eine Vision einer idyllischen und dem Menschen anvertrauten Natur aufspannt. Ein Optimismus, der angesichts der heutigen Bedrohungen der Natur eine bleibende Inspiration sein kann.

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