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Junges Theater

Bei Cora schwächelt mal wieder das Selbstbewusstsein. Freundin Joe macht wie so oft die bessere Figur auf dem roten Teppich zur Filmpreisverleihung. Aber die beiden Frauen verstehen sich schon so lange bestens und natürlich auch auf attraktives Styling. Der wache Blick auf die profane Männerwelt gehört dazu. Es könnte ja sein, dass an diesem Abend der ersehnte Traumprinz in Erscheinung tritt. Der muss sich allerdings zunächst eine Hummerattacke vom Edelbuffet gefallen lassen, damit es überhaupt zu einer Chronologie der Ereignisse bei Mondscheintarif kommt. Natürlich hat dieser Daniel wunderschöne Augen, kann als Dr. med. beruflich attraktiv punkten und ist wie geschaffen für die Geschlechterrollenprosa, mit der Ildigò von Kürthy in ihren Romanen jongliert. Frauenpower kommt immer dann erfolgreich zum Zuge, wenn der Spiegel den schönen Schein bestätigt. Egal wie viel Mühe das kostet.

Über die unsäglichen Mühen kann die Gestalt auf dem plüschigen Sofa viel erzählen, wenn sie sich ihren Füßen widmet. Die sind schließlich neben Beinen, Brust und Po eine weitere Problemzone in ihrem Portfolio. Sie isst gerne viel, schätzt Sahnesaucen und pflegt die Fettverbrennung wie ein Hobby, das sie regelmäßig praktiziert. Dann gibt es noch jede Menge Spielregeln vor und nach dem One-Night-Stand zu beachten, bei denen sich nicht nur der Griff zum iPhone verbietet sondern alles, was verdächtig nach zu viel Gefühl oder verkümmernder Libido klingt. Trotzdem ist es erneut Freundin Joe, die anruft.

Wenn Susanne Rösch von den nachfolgenden Begegnungen mit Hummeropfer Daniel erzählt und wie sie dabei mit Pannen und Peinlichkeiten zu kämpfen hatte, schleicht sich auch ein Hauch von Ironie mit amüsantem Wortwitz ins Spiel. Doch der gilt mehr den Kümmernissen ihrer Figur und nicht dem Aufgebot an Klischees, die so anschaulich reproduziert werden, wie es sonst nur Frauen-Magazine mit ihren Lifestyle-Rezepturen vermögen. 

Auch Regisseur Stefan Haufe ist in der Bühnenfassung von Britta Focht und Neidhardt Nordmann offenbar nicht daran gelegen, die angestaubten Rollenmuster bei Mondscheintarif zu schreddern. Selbst wenn die Autorin in ihrem 1999 erschienenen Roman auch ein schwächelndes Selbstbewusstsein in Gefühlskomplikationen angedichtet hat, muss vor allem ihre Cora Hübsch sich einfach mehr Mühe beim Selbstzweifeln geben, damit es zum erwarteten Happy End kommt. Wenn man mich nur sein ließe, wie ich will, klagt die Schauspielerin, wenn ihre Cora für die nächste Runde in ihrem Rollendesaster posiert. Auch Susanne Rösch wäre es zu wünschen, dass sie zur Abwechslung mal ihr stets passables Outfit attackiert, auf verhüllende Seide und Häschenpantoffeln verzichtet und sich in einem schrillen S-Shirt ein bisschen oversized Bequemlichkeit gönnte. Mit Chipstüten und Popcorneimern ließen sich auch die Lautsprecher attackieren, wenn die Geigen zwischen den Episoden wieder Hollywood Romantik säuseln. Aber nein, nicht einmal ein Weinglas geht zu Bruch, wenn Versagensängste und Verhaltensrezepturen demütig geschluckt werden. Bis endlich der Richtige klingelt, weil die komödiantische Mühe mit dem Fundus an Klischees auch eine Belohnung verdient.

 »Mondscheintarif« nach dem Bestsellerroman von Ildikó von Kürthy ist noch einmal am 8. Juni 2022 im Jungen Theater Göttingen zu sehen. Beginn um 20 Uhr.


Mehr Informationen unter https://www.junges-theater.de/stueck/mondscheintarif/

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